Sylt Tag 6
Nach dem Frühstück startete ich erneut zu einer Walking-Tour. Bei angenehmen Temperaturen führt uns der Weg auch heute zum Strand. Als der Hunger kam, machten wir einen Abstecher ins provisorische „Zeltlager“, das für den Surf Cup am Wochenende errichtet wurde. Im Zelt des Gogärtchens gab es Pinza, belegt mit Ziegenkäse, Walnüssen und Feigen, dazu einen Grauburgunder vom Weingut Fritz Waßmer.
Am Abend wartete ein reservierter Tisch im Boddendorf in Tinnum.



Bodendorf in Tinnum – ein Abend mit gemischten Eindrücken
Mein Fazit vom Juni-Besuch lautete: „Insgesamt ein gelungener Abend. Mal sehen, ob ich im August einen Termin finde. “ Tatsächlich ließ sich ein Abend einrichten – allerdings auf Kosten eines Besuchs im Söl’ring Hof.
Unser Besuch Ende August im Bodendorf in Tinnum hinterließ gemischte Gefühle. Der Restaurantbereich, stilvoll gestaltet, wirkte dennoch kühl – nicht zuletzt, weil von etwa 20 Plätzen nur sieben besetzt waren.
Restaurantleiter Benjamin Paul empfing uns freundlich, der Service blieb den ganzen Abend über aufmerksam. Mit einem Glas Perrier-Jouët Rosé starteten wir. Diesmal wählten wir ein 6-Gänge-Menü, und auch bei der Weinauswahl beriet uns Paul hervorragend.


Wachtel
Beim ersten Gang hatten wir die Wahl: Irmtraud entschied sich für Hummer, ich für Miral-Wachtel. Die Wachtel kam in zwei Varianten: als gefüllte Roulade und als Ragout mit Erbsen und Pfifferlingen, abgerundet von einem Hauch Schaum. Besonders die Sauce zur Roulade überzeugte.



Ravioli
Es folgte eine offene Ravioli mit glacierten Jakobsmuscheln, mariniertem Spitzkraut, Mispel und Verjus. Die Nudelplatten waren hauchdünn, die Jakobsmuscheln leicht glasig. Der Verjus verlieh der Sauce eine feine Säure. Dazu gab es einen Wein von Salwey vom Kaiserstuhl.

Rotbarsch und Seezunge
Der nächste Gang: geflämmter Rotbarsch in Bouillabaisse mit Bohnencreme und jodigem Meeresfenchel. Die mineralische Note des Fenchels verband die Komponenten harmonisch.
Weniger überzeugend war die bretonische Seezunge. Zwar gefielen der luftige Kartoffelschaum und die Rotweinbutter, doch der Fisch, diesmal als senkrecht gestellte Roulade mit Rettichfüllung, verlor durch die Anrichteweise seinen typischen feinen Geschmack.


Wagyu-Beef
Der Hauptgang wurde zum Höhepunkt: japanisches A5-Strip-Loin, begleitet von Shiitake-Pilzen, verbranntem Lauch und Pflaumen-Confit. Das Fleisch, die höchste Qualitätsstufe von Rind, schmeckte nussig-süßlich, fein marmoriert – purer Luxus auf dem Teller.

Dessert
Das Pre-Dessert, Ziegenkäseeis mit Aprikose, überzeugte wie schon im Juni. Das Dessert – Weinbergpfirsich mit Himbeersorbet, Mandeln und Cheesecake – bot einen fruchtig-kühlen Abschluss. Danach folgten Espresso und kleine Süßigkeiten.


Der Preis für das 6-Gänge-Menü liegt bei 264 Euro pro Person. Damit bewegt sich das Restaurant am oberen Ende der Preisskala für 1-Sterne-Häuser – wohl der exklusiven Insellage und den hochwertigen Produkten geschuldet.
Fazit: Ein Abend mit positiven Ansätzen, der atmosphärisch und in der Detailpräsentation noch Luft nach oben lässt.
Die Weine:





