Essigbrätlein – Nürnberg 2026-05-08

Jedes Mal, wenn wir um die Ecke des Weinmarkts biegen und den Eingang des Restaurants erblicken, freuen wir uns besonders. Ein kurzer Zug an der Glocke, und der Service begrüßt uns herzlich. Diesmal ist sogar Chef Andree Köthe, der uns empfängt. Sofort liegt die Speisekarte mit dem heutigen Menü auf dem Tisch – ohne Preisangabe, was die entspannte, vertraute Atmosphäre unterstreicht. Wahrscheinlich kennt jeder, der hier reserviert, die Preisklasse, denn das Essigbrätlein hat sich über die Jahre einen exzellenten Ruf erarbeitet.

Diesmal haben wir Glück: Die Reservierung am „Chef Table“ hat funktioniert, und wir erleben den Service von Ivan Jakir  und seinem Team aus nächster Nähe. Ruhig, gelassen und stets mit einem charmanten Spruch auf den Lippen arbeiten sie Hand in Hand – ein perfektes Zusammenspiel, das den Abend noch angenehmer macht. Die von Jakir, er ist Sommelier, Restaurantleiter, empfohlenen Weine ergänzen das Menü eindrucksvoll. Ein wunderschöner Abend, geprägt von kulinarischer Spitzenklasse und herzlicher Gastfreundschaft. Seit mehr als 18 Jahren besuchen wir das Essigbrätlein – und jedes Mal bestätigt sich, warum wir immer wiederkommen.

Regionalität, Saisonalität und Nachhaltigkeit prägen die Küchenphilosophie von Andree Köthe und Yves Ollech. Die beiden Spitzenköche zeigen eindrucksvoll, dass kulinarische Meisterwerke keine Luxusprodukte wie Kaviar oder Hummer brauchen. Sie konzentrieren sich auf regionale und saisonale Zutaten und bringen deren natürliche Aromen gekonnt zur Geltung. Frisches Gemüse, hochwertiges Fleisch und fangfrischer Fisch stehen im Mittelpunkt ihrer Küche. Mit schonenden Zubereitungsmethoden und kreativen Kombinationen schaffen Köthe und Ollech Gerichte, die nicht nur geschmacklich überzeugen, sondern auch einen bewussten Umgang mit Ressourcen zeigen. So beweisen sie, dass exquisite Gastronomie und Nachhaltigkeit sich nicht ausschließen. Mit ihrem Ansatz setzen sie ein Zeichen für eine neue Art der Spitzengastronomie – eine, die auf Transparenz, Umweltbewusstsein und die Vielfalt heimischer Produkte setzt. Ihre Arbeit inspiriert zu mehr Achtsamkeit beim Essen und zeigt, dass Genuss und Verantwortung Hand in Hand gehen.

Als Aperitif und zu den Amuse-Bouches trinken wir ein Glas Champagner von Billecart-Salmon. Dann beginnt die Einstimmung mit einer kleinen Tellerparade. Schon hier zeigt sich, wie die beiden Chefköche geschmacklich das Beste aus den verschiedensten Gemüsesorten herausholen.

Amuse-Bouche

Saft aus gegrillter Spitzpaprika, Reiscreme mit Minze

Obwohl nur ein „Minischluck“ aber die Kombination aus dem rauchig-süßen Saft der gegrillten Spitzpaprika und der kühlen, aromatischen Reiscreme mit Minze ergab ein harmonisches Geschmackserlebnis.

Junge Radieschen, nicht größer als der Fingernagel meines kleinen Fingers, bieten ein zartes, knackiges Geschmackserlebnis. Die Radieschen Blätter selbst haben eine leichte Schärfe. Besonders reizvoll ist die Kombination mit Zierquitte. Deren filigrane Blüten und dekorative Früchte geben dem Gericht eine besondere Note.

Junger Kopfsalat mit Waldmeistersahne, Sauerampfer und Rhabarber. Dieses Gericht verbindet frische Frühlingsaromen zu einem delikaten, frischen Amuse.

Spinat mit Butter und japanischer Knöterich mit Wacholderzucker: eine ungewöhnliche, aber köstliche Kombination. Diese Mischung aus milden, buttrigen und leicht süß-würzigen Aromen schafft ein interessantes und ausgewogenes Geschmackserlebnis.

Zum Abschluss schwarzer Rettich mit Honig und Meerrettich. (Ohne Bild)

Das Menü beginnt vielversprechend mit grünem Spargel, der gekocht und kurz gegrillt wurde. Diese Zubereitung verleiht ihm eine zarte Textur und ein leicht rauchiges Aroma, das den natürlichen Geschmack betont. Besonders gelungen ist der Wildkräuter-Blütensalat u.a. mit Schafgarbe, Vogelmiere und Pimpinelle, der vielfältige und frische Geschmacksnoten bietet. Die Marinade aus Duftgeranienzucker und einem Hauch grünem Spargelsud rundet das Gericht ab, indem sie die Aromen dezent unterstützt, ohne sie zu überladen. Insgesamt eine gelungene Komposition, die optisch und geschmacklich überzeugt und Lust auf mehr macht.

Man serviert breite, grüne Bohnen, gekocht und/oder geschmort. Dazu kommen hauchdünne Birnenscheiben, in Tonic eingelegt, die eine feine Süße mitbringen. Kapuzinerkresse sorgt für farbige Akzente, während ein Hauch Schabzigerklee das Gericht abrundet.

Beim Kohlrabi wird alles genutzt: von der Wurzel bis zu den Blättern. Den Kohlrabikopf kocht man al dente, den Rest schneidet man in Würfel, kocht ihn, trocknet ihn und mariniert ihn schließlich mit Pistaziencreme, Kamille und Kohlrabitrester. Trester – das erinnert zunächst an Rebentrester. Hier aber handelt es sich um die festen, faserigen Rückstände, die beim Entsaften der Kohlrabiknollen oder ihrer Blätter übrigbleiben. Typisch Essigbrätlein: Nichts wird verschwendet.

Im nächsten Gang kommt eine kurz gebeizte Forelle auf den Teller, begleitet von Lauch, eingelegten Zwiebeln und Taubnesselblüten. Auch hier zeigt sich die Kunst der Resteverwertung: Kartoffelschalen, kombiniert mit Butter, ergeben eine überraschende Komposition.

Ein Gang mit Schwarzwurzeln passt vor allem in die kalten Monate zwischen Oktober und April. Auch hier steckt viel Arbeit dahinter. Andree Köthe beschreibt die Zubereitung: Die Wurzel wird in der Schale gegart, daraus entsteht eine Creme. Diese kombiniert er mit rohen Schwarzwurzeln, mariniertem Blumenkohl, Endivie, Kardamom und einer Kirschpflaumenblütensoße. Das Ergebnis: ein völlig neues Geschmackserlebnis.

Es folgt eine gedämpfte Entenbrust, mariniert mit Lavendelöl und verfeinert mit eingelegter Senfsaat. Dazu reicht man eine Creme aus gegrilltem Rotkohl, Apfel und gesalzenen Blüten von Karotten, Kamille, Holunder und Wilder Möhre. Das Fleisch ist perfekt gegart.

Bis hierhin war für mich alles stimmig. Doch beim Dessert hatte ich meine Schwierigkeiten: Ein Eis aus Milchreis, grünem Apfel und Molke konnte mich nicht überzeugen. Dazu kamen gezuckerte Brunnenkresse und eine Reduktion aus gebackenen Steckrübenschalen und Kräutern. Wer denkt sich so etwas aus? Diese Kombination traf meinen Geschmack nicht. Meiner Frau hingegen gefiel es.

Zum Abschluss wurde die berühmte Schokoladenvielfalt serviert, begleitet von einem Espresso.

Die Weinbegleitung, wie immer von Ivan Jakir zusammengestellt, bot zu jedem Gang eine interessante Auswahl. Besonders überzeugte ein Wein aus Dalmatien, der exklusiv für das Essigbrätlein abgefüllt wird. Spannend auch ein Roter Silvaner vom Weingut Luckert in Franken. Obwohl ich kein großer Silvaner-Fan bin, beeindruckte mich dieser mit seiner blumigen und kraftvollen Note, die deutlich über einem Grünen Silvaner liegt. Bei den Rotweinen greift Jakir lieber zu Frankreich oder Kalifornien, da ihm deutsche Rotweine oft nicht ausdrucksstark genug erscheinen, um mit Fleischgerichten mitzuhalten.

Den Abschluss bildete ein Edelbrand aus schwarzen Johannisbeeren von der Edelbrennerei Haas.

Wie immer ein genussvoller Abend mit spannenden Gerichten, Weinen und Gesprächen. Meine Bewertung: 8,2 von 10.

Storchen – Bad Krozingen 2026-04-24

Die letzte Station unserer Gourmet-Tour war das Restaurant Storchen in Bad Krozingen-Schmidhofen. Das etablierte Haus trägt einen Michelin-Stern. Er steht für Qualitätsbewusstsein und Konstanz. Kreative Interpretationen ergänzen die regionale Herkunft der Zutaten. So entstehen ausgewogene Geschmackserlebnisse. Der Service wirkte fachkundig und aufmerksam. Eine passende Weinbegleitung unterstützt ihn. Der badische Gasthof von 1764 hat geschmackvolle Stuben die ländlich eingerichtet sind. Ein alter Kachelofen und die umlaufende Holtäfelung unterstreichen diesen Stil. Vater und Sohn Helfesrieder stehen mit zusätzlichen Personal in der Küche, während die Ehefrauen servieren.

Das Menü verbindet regionale Tradition mit moderner Küche in perfekter Balance. Mit Liebe zum Detail entstehen neu interpretierte Klassiker:

Als Amuse-Bouche gab es hausgebackenes Brot mit Griebenschmalz und Kräuter-Hüttenkäse – ein rustikaler Auftakt.

Es folgte hausgebeizter Island-Saibling mit Spargel, Buttermilch und Kräutern.

Besonders beeindruckte das raffinierte Storchenwirt’s Sandwich, das Hummer und Schwarzwaldhuhn in einem harmonischen Zusammenspiel vereint.

Junge Karotten mit Hummus und der feinen Bitterkeit von Berberitzen spielten gekonnt mit süß-säuerlichen Aromen.

Der Zander brachte die Frische heimischer Gewässer auf den Teller.

Eine kleine Erfrischung bereitete den Gaumen auf das Finale vor:

Dreierlei vom Glottertäler Weiderind, begleitet von cremiger Kartoffel mit Waldkräutern, Erbsen und gebratenem Spargel – ein Fest für die Sinne.

Den süßen Abschluss bildete eine dekonstruierte Version des Bienenstichs: Topfenmousse, geschorter Rhabarber und erfrischendes Sauerampfer-Eis. Ein zartes, doch ausdrucksstarkes Finale, das den Abend stilvoll abrundete.

Gesamzeindruck: ein guter Stern 7.3/10. Es war ein verlässlicher, hochwertiger Abschluss einer Reise durch die feine Küche. Ruhig, konzentriert und genussvoll. Ein Muss für Liebhaber stilvoller, regional inspirierter Kreationen in gehobenem Ambiente.

Troisgros – Ouches 2026-04-23

Die Gourmet-Tour ging am nächsten Mittag weiter. Ziel war das Drei-Sterne-Haus Troisgros in Ouches, in der Nähe von Roanne. Über Autobahnen und Département-Straßen erreichten wir das Haus. Es liegt irgendwo im Nirgendwo.

Vom sonnenbeschienenen Eingangshof mit duftenden Blumen und Kräutern führt der Weg zunächst durch einen recht dunklen, schmalen Flur. Rechts und links lagern Weinflaschen. Dann geht es weiter zum Empfangsraum und in die Küche.

Die Küche ist sehr groß und bietet einen Blick in die Natur. Ob die vielen fleißigen Hände das genauso sehen?

Hier empfing uns Küchenchef César Troisgros, Jahrgang 1986, sehr herzlich. Seine Mannschaft arbeitete bereits an den verschiedenen Vorspeisen. Bei einem Teller sah ich genau hin: Der Koch zählte die vorhandenen Gemüse Teile sehr sorgfältig ab.

Weiter ging es in den Speisesaal. Der gläserne, U-förmige Raum lässt die Gäste fühlen, als säßen sie mitten in der Natur. In der Mitte des U ragt ein beeindruckender, 150 Jahre alter Baum empor. Er gibt dem Raum seine unverwechselbare Atmosphäre.

Das Design nimmt den Bezug zur Natur auf. Metallsäulen erinnern an Baumstämme und verbinden die Architektur mit der Umgebung. Der Holzboden verstärkt das Naturerlebnis und lässt die Gäste die Nähe zur Umwelt spüren.

Die Gestaltung erinnerte mich an das Restaurant La Grenouillère in La Madelaine-sous-Montreuil. Auch dort verschmelzen Innenraum und Natur nahtlos. Dieses Restaurant haben wir 2015 besucht und in den „Hütten“ auch übernachtet. Eine genauere Recherche zeigt: Beide Bauwerke stammen vom Architekten Patrick Bouchain. Er ist bekannt für seine Fähigkeit, Räume zu schaffen, die Natur und Architektur harmonisch verweben.

Mit einem Glas Champagner „Billecart-Salmon starteten wir ins Menü.

Dazu reichte man uns verschiedene Amuse-Bouches, die hier liebevoll „Premières choses“ hießen. Besonders beeindruckten die hauchdünnen, gefüllten Tartelettes – eine wahre Gaumenfreude. Eines der Häppchen, wohl als Hommage an den berühmten Lachs, war Sauerampfer. Das Highlight bildete ein frittiertes Element, gekrönt von einem kleinen, frischen Blatt, das optisch wie geschmacklich glänzte. Dazu noch Brioche und Brot. Ein perfekter Auftakt zu einem kulinarischen Erlebnis.

Der erste Gang des Menüs hat mich begeistert – ein kleines Meisterwerk auf dem Teller! Die tiefrote Sauce, deren intensive Farbe sofort ins Auge springt, verbindet sich großartig mit den hauchdünn geschnittenen Jakobsmuscheln. Besonders beeindruckt hat mich der zarte Schleier aus Jakobsmuschelfond: Er wirkt nicht nur filigran, sondern rundet das Gericht geschmacklich perfekt ab. Seine intensive Jakobsmuschel-Note harmoniert wunderbar mit der Sauce und hebt den reinen Geschmack der Meeresfrucht hervor. Ein Auftakt, der Appetit auf mehr macht!

Beim nächsten Gang stehen die Blüten klar im Mittelpunkt – ein farbenfroher Akzent, der dem Gericht Leichtigkeit verleiht. Doch der grüne Spargel, die eigentliche Hauptzutat, fehlt auf der Karte. Dabei kommt er bereits vorgeschnitten und perfekt al dente auf den Teller. Darauf türmen sich Blüten, bedeckt von einer hauchdünnen Scheibe weißen Specks, vermutlich Lardo. Eine geschmacklich reizvolle Kombination, doch die Karte sollte das Gericht vollständig beschreiben – Spargel und Speck gehören nicht nur auf den Teller, sondern auch ins Menü. So wüsste man bei der Bestellung genau, was einen erwartet.

Das nächste Gericht polarisiert. Manche verabscheuen Kutteln, andere – wie ich – lieben sie. Sofort denke ich an Kuttelgerichte aus der Normandie oder an die Küche von Vincent Klink. „Textures, l’une avec l’autre“ präsentiert Kutteln aber in einer modernen, eleganten Form, die sie kaum wiedererkennen lässt. Die Kombination aus Kutteln, Morcheln und hellem Gemüse ist ein Meisterwerk der Kontraste – puristisch und raffiniert zugleich.

Hier versteht man, warum dieses Haus seit 50 Jahren drei Sterne trägt – und das über drei Generationen hinweg. Für mich ein Gericht, das ich mit 10 von 10 Punkten bewerte.

Ein vegetarisches Gericht, das mit Worten spielt: Muscade, roule en Bouche. Hier rollt nicht riskant viel Muskat, sondern verschiedene Komponenten buchstäblich „im Mund“. Das Gericht lebt vom Gleichgewicht aus Textur und Präzision.

Weiter geht’s mit Zander. Sein zartes, helles Fleisch passt perfekt zu Gerichten, die Zurückhaltung mit Raffinesse vereinen. Besonders saftig wird er, wenn man ihn, wie hier, schonend gart. So entfaltet er seinen milden, leicht süßlichen Geschmack.

Das i-Tüpfelchen: die aromatisch-pikante Tomatenbutter. Sie bringt Frische und eine angenehme Würze, ergänzt den zarten Zander und lässt ihm dennoch den Vortritt.

Ein Gericht von schlichter Eleganz – ideal für alle, die feine Aromen lieben.

Wieder eine Innerei, die begeistert und polarisiert: Kalbsbries mit Strohkartoffeln. Diese Kombination verwöhnt den Gaumen. Das zarte, buttrige Bries entfaltet seinen einzigartigen Geschmack und harmoniert perfekt mit den knusprig-goldbraunen Kartoffeln. Ein delikates Kräuteröl verleiht Frische und Aroma, während ein Hauch Orange das Gericht elegant abrundet und ihm Raffinesse schenkt. Dieses Meisterwerk zeigt, wie vielseitig und köstlich Innereien sein können – ein Genuss, der überzeugt und jeden Feinschmecker begeistert! 10 von 10

Ein unvergesslicher Nachmittag, der kulinarisch und atmosphärisch begeistert. Der Käsewagen bot eine beeindruckend breite Auswahl regionaler Sorten, die in Qualität und Stil das hohe Niveau des Menüs hielten. Desserts und Petit Fours rundeten das Erlebnis harmonisch ab, bevor der Genuss im wunderschönen Garten seinen perfekten Abschluss fand.

Weinbegleitung: Die Weine harmonierten hervorragend mit den Gerichten und unterstrichen die Aromen jeder Speise. Ob kräftige Weißweine oder leichte, aromatische Tropfen im Hintergrund – die Auswahl prägte die Gesamtstimmung entscheidend.

Gesamteindruck: Ein durchweg gelungenes Essen, das den Anspruch eines Drei-Sterne-Plus-Erlebnisses mit entspannter Gartenatmosphäre vereint. Eine klare Empfehlung für Feinschmecker, die die perfekte Balance von Speisen, Wein und Ambiente schätzen.

Bewertung: 9/10

L’Auberge du Pont de Collonges 2026-04-22

Paul Bocuse

40 Rue de la plage

69660 Collonges-au-Mont-d’Or

Der Mythos Paul Bocuse lebt – auch acht Jahre nach dem Tod des Jahrhundertkochs und sechs Jahre nach dem Verlust des dritten Michelin-Sterns. Doch was ist das Haus Paul Bocuse heute? Bröckelt hier ein Denkmal, wirkt es wie ein kulinarisches Museum oder bewahrt es die klassische französische Küche? Nach meinem Besuch sage ich: von allem etwas. Vor allem, aber bleibt die Frage: Muss ein Gourmet einmal im Leben hier gewesen sein?

Paul Bocuse war eine unbestrittene Legende der Gastronomie. Sein Name steht für Spitzenküche, Innovation und die Pflege französischer Kochtradition. Sein Restaurant in Lyon galt und gilt als Pilgerstätte für Feinschmecker aus aller Welt. Der Verlust des dritten Sterns im Michelin-Führer 2020 wurde von vielen als Zäsur empfunden – doch ist der Mythos damit wirklich verblasst?

Hannes Buchner vom Gourmet-Portal organisierte die Fahrt bei Lyon. Wir übernachteten im Hotel Pullman nahe dem Bahnhof Lyon-Part-Dieu. Folgende Besuche standen auf dem Programm: Am ersten Abend wählten wir zwischen den Restaurants La Mère Brazier und Paul Bocuse. Am nächsten Tag aßen wir gemeinsam im Drei-Sterne-Restaurant Troisgros in Ouches zu Mittag. Auch das Restaurant Marcon in Saint-Bonnet-le-Froid stand zur Auswahl, doch wir verzichteten darauf. Acht Personen hatten sich für die Reise angemeldet. Am ersten Abend speisten jeweils vier von uns bei Bocuse und Brazier, das Mittagessen am nächsten Tag genossen wir alle zusammen. Hannes Buchner organisierte alles hervorragend.

Ein Bus brachte uns vier in etwa 20 Minuten vom Hotel zum Restaurant. Am Eingang empfing uns der Wagenmeister und führte uns zum Restauranteingang. Am Restaurant angekommen, ging alles plötzlich sehr schnell. Ich wollte eigentlich ein Foto von der offenen Küche machen, die eine Glasscheibe vom Eingangsbereich trennt. Doch das Personal brachte uns zügig an unseren Tisch. Kurz darauf lag die Speisekarte vor uns; das Menü „Tradition“ war für uns bereits vorbestellt. Da ich aber Interesse an der „Volaille de Bresse“ hatte, änderte man für mich den Hauptgang. Drei von uns wählten diesen Gang, einer das angebotene Filet. Die Auswahl zog sich etwas hin, da wir eine bunt gemischte Gruppe waren. Unsere Mitfahrer hatten solche Fahrten mit Hannes schon öfter erlebt, für uns war es das erste Mal.

Zum Auftakt erhielten wir alle ein Glas Champagner, dazu stellte man einige Amuse-Bouches auf den Tisch, die jedoch kaum der Rede wert waren. Dann kam die Weinkarte – ein Wälzer, in dem sich kaum jemand zurechtfindet.

Wir beschlossen, uns auf einen Weißwein zu konzentrieren und zum Fleisch  ein Glas Rotwein zu nehmen. Ich blätterte kurz in dem Wälzer und entschied mich für eine Flasche 2018 Domaine Jacques Prieur Meursault 1er Cru Santenots. Den Rotwein, ein Hermitage 2021 Domaine du Colombier, schenkte man uns dann auch zum Käsegang ein.

Frühlingsfrikassee vom Blauen Hummer mit Gemüse der Saison

Das Gericht vereint den feinen Geschmack des Blauen Hummers mit frischem Saisongemüse wie grünem Spargel und jungen Karotten. Die leichte, aromatische Zubereitung betont die Natürlichkeit der Zutaten. Diese Frische und Harmonie überzeugen, auch wenn ein Vergleich mit einem ähnlichen Gericht gestern Abend von Keller in Oberbergen zeigt, dass dort Würze und Textur noch etwas besser gelingen. Dennoch bleibt das Frühlingsfrikassee am Paul Bocuse ein gelungenes Geschmackserlebnis.

Mit der Angel gefangener Gelbflossen-Seehecht, cremige Muschelsoße, garniert mit Vichyssoise

Der Gelbflossen-Seehecht beeindruckt mit zarter Textur und feinem Aroma, wurde jedoch etwas trocken serviert. Die cremige Muschelsoße mit mildem Meeresgeschmack harmoniert hervorragend mit dem Fisch und gleicht den Mangel aus. Die Beilage irritiert jedoch: Statt der klassischen Vichyssoise, einer kalten Kartoffel-Sahnesuppe, kam eine einfache Salzkartoffel auf den Teller – vermutlich ein Fehler in der Menübeschreibung. Diese Diskrepanz trübte den ansonsten stimmigen Eindruck.

Geflügel aus Bresse (AOP) mit Estragonessig, Lyoner Kartoffeln

Die Volaille de Bresse, eine der edelsten Geflügelspezialitäten Frankreichs, überzeugt hier mit butterzartem Fleisch und intensivem Geschmack. Das Tranchieren der Brust am Tisch setzt das Produkt gekonnt in Szene. Die Sauce mit Estragonessig bringt eine frische, leicht herbe Note, die perfekt mit dem würzigen Geflügel harmoniert. Die gut gewürzten Keulen und die klassischen pommes lyonnaises ergänzen das Gericht ideal. Diese Kombination aus Tradition, Raffinesse und handwerklicher Präzision macht es zu einem Höhepunkt für Liebhaber der französischen Küche.

Frische und gereifte Käsesorten aus unserer Region

Ein seltener Genuss: Der Käsewagen wird vorgefahren. Aus den gereiften Sorten wähle ich drei regionale Spezialitäten. Der Service berät dabei kompetent und freundlich.

Kulinarische Köstlichkeiten, präsentiert auf unserem Servierwagen

Auch der süße Abschluss des Menüs überzeugt. Ein kräftiges Schokoladentörtchen begeistert mit intensiven Aromen. Danach folgen ein Espresso und eine Mirabelle. Die Petit Fours lasse ich mir einpacken – ein schöner Ausklang.

Fazit: Die Auberge bewahrt das Erbe der klassischen französischen Küche und setzt dabei behutsam moderne Akzente. Die Atmosphäre atmet Tradition und Respekt vor den Wurzeln, was manche als altmodisch empfinden mögen. Doch gerade diese Hingabe an klassische Techniken und Zutaten verleiht dem Haus seinen unverwechselbaren Charme. Trotz gelegentlicher Kritik bleibt das Restaurant eine Institution der Kulinarik. Der hohe Personalaufwand unterstreicht den Anspruch.

Für Gourmets, die die Geschichte und Entwicklung der französischen Haute Cuisine erleben möchten, bietet das Haus eine einzigartige Erfahrung. Es ist kein verstaubtes Denkmal, sondern ein lebendiges Museum der Kochkunst, das Tradition pflegt und bewahrt. Jeder Gourmet sollte diesen Ort besuchen, um die Essenz der klassischen französischen Küche zu erleben und den Geist des Jahrhundertkochs Paul Bocuse zu spüren.

Bewertung: Knapp über 8/10, also ein schwacher zweiter Stern. Der Fischgang ein Stern, dafür der Fleischgang nahe an drei Sternen.

Schwarzer Adler, Oberbergen – 2026-04-21

 Franz Keller

Ein Aufenthalt der besonderen Art. Eine Gasstätte Mitten im Ort gelegen wie so viele in Deutschland. Die meisten dieser Gaststätten bieten aber meistens nur Speis und Trank aus der Gefriertruhe oder servieren für viel Geld Convenience -Produkten an.

Dieses Haus ist aus der Art geschlagen. Weine, Restaurant und Hotel unter einem Dach. Diese Reihenfolge ist vom Haus  Keller wahrscheinlich auch bewusst gewählt. In erster Linie ein Weingut mit nationaler und internationaler Bedeutung. Dann eine örtliche Gaststätte, aus der im Laufe der Jahre und Jahrzehnte ein anerkanntes Restaurant wurde und da man nach dem Weingenuss nicht mehr aus dem Haus muss, gibt es auch entsprechende Zimmer. Seit 1969 leuchten die Sterne des Guide Michelin über dem Haus.  Mit einer Ausnahme.

1969: Erster Michelin-Stern unter Irma Keller.

1974–1976: Das Restaurant hielt unter Franz Keller jun. zwei Sterne

2020: Der Stern wurde nicht mehr vergeben.

2021: Ein Jahr später bekam man wieder den Stern

Hat man sich zu einem Besuch im Schwarzen Adler durchgerungen, sollte man folgendes beachten:

Natürlich einen Tisch bestellen und gleichzeitig auch ein Zimmer reservieren. Die Weinkarte im Internet herunterladen und aufmerksam studieren. Es ist fast unmöglich diesen dicken Wälzer am Tisch in Ruhe durchzulesen. Auch sollte man die Speisekarte im Internet lesen. Man wird, so wie wir, einen unvergesslichen Abend erleben. Besser wäre es  vielleicht, dieses Vergnügen auf den Mittag legen und dann im Sommer auf dem Freisitz zu speisen.

Zuerst wird aber die berühmte WM-Ecke angesehen. Der Patenonkel von Fritz Keller ist ja Fritz Walter. Er feierte mit der Nationalmannschaft 1954 den WM-Sieg im Restaurant Schwarzer Adler in Oberbergen

Das Menü umfasst fünf bis sieben Gänge. Zu jedem Gang gibt es einen passenden Wein. À la carte stehen drei Vorspeisen oder Zwischengänge, zwei Hauptgerichte, ein Käsegang und Desserts zur Wahl. Für zwei Personen gibt es Spezialitäten wie Bresse-Huhn von Odefey & Töchter oder Huhn in der Blase.

Wir wählen sechs Gänge von der Karte, lassen den Käsegang aus und teilen uns die ersten beiden. Schließlich wissen wir, was die nächsten drei Tage bringen.

Zum Start trinken wir ein Glas Grande Cuvée aus dem Hause Keller, 0,1 Liter. Dazu kommt eine Scheibe Ententerrine. Brot und Butter folgen rasch. Vorab knabbern wir an Blätterteigstangen.

Der Frühling meldet sich auf dem Teller. Gebeizter Wolfsbarsch, hauchdünn geschnitten und kunstvoll angerichtet, trifft auf knackige Mairübchen und die sanft pfeffrige Frische der Brunnenkresse. Die Sauce verbindet alles. Chorizo-Öl bringt würzige Tiefe. Ein Frühlingsgruß, der die Sinne weckt und das Menü eröffnet.

Der zweite Gang vereint die feinen Aromen der blauen Garnele mit der Würze einer Café-de-Paris-Butter. Gewürfelter Kalbskopf bringt eine herzhafte Note ein, Hechtklößchen eine leichte fischige Nuance. Frische grüne Erbsen setzen farbliche Akzente und sorgen für angenehm süße Frische. Zusammen ergibt das eine stimmige Komposition. Dazu kommt ein Weißburgunder „Scherben“ 2022 vom Weingut am Klotz im Markgräflerland. Der Wein überzeugt mit feiner Säure und einer dezent zitronigen Frucht.

Der Seeteufel ist fest im Biss und zugleich wunderbar zart. Grüne Oliven, Dal-Linsen und Joghurt begleiten ihn. Seine besondere Textur bringt den Geschmack des Meeres klar zur Geltung, ohne an Saftigkeit zu verlieren. Die Oliven und Linsen setzen einen angenehmen Kontrast. Ihre weiche Konsistenz harmoniert mit der Bissfestigkeit des Fisches. Der Joghurt fügt eine frische, cremige Note hinzu. Das Gericht verbindet unterschiedliche Elemente zu einem ausgewogenen Geschmackserlebnis. Dazu passt ein Château Carbonnieux blanc 2013, ein würziger, leuchtender Weißwein mit intensiven Pfirsichnoten und mineralischem Charakter. Vollmundig und lebendig durch seine frische Säure.

Das Kalbsbries ist für mich der Höhepunkt des Menüs. Zart und fein fängt es die Frische des Frühlings perfekt ein. Frische Morcheln und knackiger grüner Spargel ergänzen das Gericht mit erdigen und grünen Aromen. Eine mit Vin Jaune verfeinerte Sauce gibt dem Ganzen nussige Tiefe und rundet die Aromen harmonisch ab. Dazu wird ein Grauburgunder Selection „A“ 2002 vom eigenen Weingut serviert. Der Wein zeigt sich komplex und tiefgründig, mit kaum noch spürbarer Säure. Sein Charakter erinnert an Sherry und macht die Kombination mit dem Kalbsbries und der delikaten Sauce zu einem unvergesslichen Genuss. Ein Frühlingsgruß auf dem Teller und im Glas.

Der nächste Gang, Wachtel aus Challans im Blätterteig, wirkt dagegen etwas schwer. Das Fleisch ist zwar perfekt gegart, doch der Teig überdeckt die feine Zartheit. Bärlauch, Kohlrabi und Shiitake begleiten das Gericht. Ein Château Nenin 1992 rundet es ab. Er hat eine brillante Farbe und entfaltet ein fruchtig-frisches, blumiges Bouquet.

Auf den Käsegang verzichten wir. Wir wissen ja, was in den nächsten Tagen auf uns zukommen soll.

Statt der Gariguette-Erdbeere wählen wir aus dem À-la-carte-Programm Tarte Tatin flambée mit Vanilleeis und Calvados. Ich bekenne: Normandie-Fan; deshalb die Tarte Tatin – flambiert, mit Calvados.

Ein Gläschen Calvados und ein Espresso runden den süßen Abschluss eines Menüs ab, das nach meiner Auffassung knapp unterhalb des zweiten Sternes steht. 7.6 von 10

Speisekarte https://speisekarten.wordpress.com/2026/04/27/schwarzer-adler-oberbergen/

Vier Tagen-sieben Michelin-Sterne

Hinter uns liegt eine faszinierende Reise. In vier Tagen besuchten wir vier außergewöhnliche Restaurants und genossen insgesamt sieben Michelin-Sterne.

Unsere Tour begann im Schwarzen Adler in Oberbergen, einem idyllischen Ort, der uns mit seiner Stille und malerischen Landschaft sofort verzauberte.

Von dort ging es weiter nach Lyon, die französische Metropole, die kulturell und kulinarisch beeindruckt. Hier verbrachten wir zwei Nächte.

Ein Höhepunkt war das legendäre L’Auberge du Pont de Collonges, einst geführt vom verstorbenen Paul Bocuse. Mit seinen zwei Michelin-Sternen bleibt es ein Tempel der Kochkunst. Die zubereiteten Gerichte und die elegante Atmosphäre hinterließen trotz kleiner Schwächen einen bleibenden Eindruck.

Weiter führte uns die Reise nach Ouches, wo das mit drei Sternen ausgezeichnete Troisgros auf uns wartete. Hier verschmolzen regionale Zutaten und kreative Kochkunst zu einem unvergesslichen Erlebnis, das unsere kulinarische Entdeckungsreise krönte.

Zum Abschluss kehrten wir in Bad Krozingen ein, einem charmanten Kurort, dessen gemütliche Gasthäuser uns mit herzlicher Gastfreundschaft empfingen. Im Sternerestaurant Storchen fanden wir den perfekten Ausklang für diese genussreichen Tage.

Fünf Tage voller kulinarischer Höhepunkte und bezaubernder Landschaften – eine Erfahrung, die uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

2026-04-03 Restaurante la Aquarela

Apartamentos Aquamarina,

35129 Barranco de la Verga, Las Palmas, Spanien

Auf Gran Canaria leuchten derzeit fünf Michelin-Sterne über ebenso vielen Restaurants. Drei davon befinden sich in der Inselhauptstadt, eines in Mogán und eines in Barranco de la Verga. In den touristischen Zentren wie Playa del Inglés und Maspalomas/Meloneras sucht man Sternerestaurants jedoch vergeblich.

Das Restaurant La Aquarela liegt in Barranco de la Verga, eingebettet in den Apartmentkomplex Aquamarina – ein ungewöhnlicher Standort. Es zu finden, war eine Herausforderung: Unsere Taxifahrerin setzte uns am Ende des Komplexes ab, wo ein Schild auf das Restaurant hinweist. Doch der Wegweiser führt in die Irre. Der Zugang erfolgt über den Eingang der Apartments, der keinen Hinweis auf das Lokal bietet. Von dort führt eine Treppe hinunter zum Restaurant. Trotz dieser versteckten Lage zählt La Aquarela heute zu den Spitzenadressen der Inselgastronomie. Nach einem freundlichen Empfang wurden wir auf die Terrasse geleitet. Von hier schweift der Blick über den Atlantik und einen markanten Hotelkomplex, der an einem steilen Hang thront. Vom Tisch aus sahen wir zudem das Schwimmbecken der Anlage. Das Restaurant selbst beeindruckt mit moderner, klarer Innengestaltung.

Die Speisekarte, präsentiert auf einem Tablett, bietet drei Menüs: „Erfahrung“ mit acht Gängen, zwei Desserts und Amuse-Bouche, ein reduziertes Menü mit „weniger Erfahrung“ und das vegetarische Menü „Ernte“. Wir entschieden uns für die volle „Erfahrung“. Auf die Weinbegleitung verzichteten wir und wählten stattdessen eine Flasche kanarischen Wein. Für die Fleischgänge bestellten wir zusätzlich offene Weine von den Kanaren. Der Abend begann mit einem gut gekühlten Glas Cava 2023 Corpinnat Brut Reserva von Llopart.

Dazu wurden drei Amuse-Bouche gereicht: Makrele und geräucherte Sardine, überraschend neu interpretiert. Ein gelungener Auftakt.

Der erste Gang zeigte die Handschrift von Küchenchef Germán Ortega, der in Schweden, England und Spanien (El Bulli) sein Handwerk verfeinerte. Blumenkohl, außen glatt und fest wie eine Schale, verbarg im Inneren eine luftige Mousse. Obenauf thronte eine Nocke Kaviar.

Es folgte klassisches Thunfischtatar, abgeschmeckt mit Sardine und Ingwer.

Der nächste Gang irritierte zunächst: Ein weißer, unbekannter Ballen und eine Sauce im separaten Schälchen. Auf der Karte stand „Breaking Rules“ – Regeln brechen. Der Service forderte uns auf, mit den Händen zu essen. Ich hob den Zuckerwatten artigen Ballen, tunkte ihn in die Mojo-Sauce und biss ab: erst süß, dann knackiger Pak-Choi, schließlich Lachs. Ein mutiger Gang, bei dem die Süße weder Gemüse noch Fisch überdeckte.

Weiter ging es mit gebratenen Tintenfisch sowie Garnelen aus Mogán, serviert in einem schaumigen Sud, der die Frische und feine Meeresnote der Garnelen bewahrte.

Danach begeisterte ein Basilikum-Risotto: bissfester Reis, intensive Kräuteraromen und dezente Würze durch kanarischen Käse. Leicht und locker angerichtet, weckte es den Wunsch nach mehr.

Bis dahin genossen wir unseren Favoritenwein von Lanzarote, El Griffo. Sein Bouquet aus tropischen Früchten und die frische, harmonische Note passten perfekt zu Fisch und Meeresfrüchten. Für die Fleischgänge wechselten wir zu einem Rotwein, dem 2023 Almirez Toro. Mit Aromen von reifen roten Früchten, edlen Gewürzen und Bitterschokolade harmonierte er ausgezeichnet mit den folgenden Gerichten.

Zart gebratenes kanarisches Schweinefleisch mit krosser Kruste, begleitet von aromatischer Pflaumensauce und würzigem kanarischen Käse, überzeugte durch die gelungene Balance aus herzhaft, fruchtig und würzig. Danach folgte glasierte Milchlammschulter, zart und saftig, serviert mit cremigem Püree und einer intensiven Lammsauce, verfeinert mit Senfkörnern. Ein Gericht, das durch Tiefe und feine Schärfe bestach.

Den Abschluss bildeten die Desserts: Apfel mit Sauerampfer und Gewürzen sowie Schokolade mit Mandel und Banane. Espresso und Petits Fours rundeten den Abend ab. Auf einen Digestif verzichtete ich diesmal.

Die Küche von La Aquarela verbindet mediterrane und kanarische Einflüsse mit Kreativität und hochwertigen Zutaten. Tradition und Moderne verschmelzen zu einem besonderen Geschmackserlebnis. Die internationalen Erfahrungen von Germán Ortega und die Aromen der Kanaren machen den Abend zu einem kulinarischen Höhepunkt in entspannter Atmosphäre.

Bamira 2026-04-02

Ein Besuch im Restaurante Bamira auf Gran Canaria wird 2026 zu einem besonderen Erlebnis. Das Lokal ist eng mit der Geschichte und dem Schicksal der Inhaberfamilie Eder verbunden.

Bamira März 2019

Seit 2005 kennen wir Anna und Herbert Eder und waren stets begeistert. Unser letzter Besuch lag 2019, vor der Pandemie. Danach scheiterten Treffen immer wieder an Terminkonflikten. Im Januar 2025 erreichte uns die Nachricht: Anna Eder war gestorben. Die Umstände blieben unklar. Im April 2025, zurück auf Gran Canaria, wollten wir das Restaurant besuchen. Doch Herbert Eder schrieb, er sei erst im Mai wieder da. Wieder kein Wiedersehen.

Inzwischen hat Herbert Eder einen Neuanfang gewagt – auf der Terrasse. Er führt das Restaurant in kleinerem Rahmen weiter. Der Innenraum bleibt geschlossen, der Service konzentriert sich auf die Terrasse. Gemeinsam mit seiner langjährigen Mitarbeiterin Theresa bewirtet er täglich nur 15 bis 17 Gäste. Für ihn ist die Arbeit Trost und zugleich ein Weg, den Verlust zu verarbeiten.

Kulinarisch bleibt die „Adventure Cuisine“ das Markenzeichen – eine kreative Mischung aus regionalen Zutaten und weltweiten Einflüssen, inspiriert von den Reisen des Paares. Herbert erzählte, dass er und Anna über 180 Länder bereist haben.

Der Abend begann wie gewohnt: mit einer Suppe. Diesmal eine Kartoffel-Kresse-Suppe, fein mit Muskat gewürzt. Das Muskat verlieh ihr eine warme, leicht nussige Note. Ein einfaches, aber perfekt abgestimmtes Zusammenspiel von Aromen, das den Abend stimmungsvoll einleitete.

Herbert Eder bietet neben einer kleinen festen Karte mit 10 bis 15 Gerichten auch eine handgeschriebene Tageskarte an, die den aktuellen Einkauf widerspiegelt.

Wir entschieden uns für Fisch mit dicken weißen Bohnen, verfeinert mit Gewürzen aus Fernost.

Dazu ein Gulasch vom Iberico-Schwein mit dezenter Kräuternote.

Zum Abschluss gab es Crêpes mit Eis und Schokolade. Nach dem Espresso lud uns Herbert Eder zu einem Glas Marille aus seiner Heimat ein.

Dabei erzählte er von Annas Tod. Sie erkrankte in Sierra Leone an der schwersten Form von Malaria und verlor den Kampf. Sie starb an ihrem 60. Geburtstag. „Es war eigentlich nur eine Kurzreise“, sagte er. „Zehn fantastische Tage, wie im Paradies – und dann diese Endgültigkeit. “

Besuchstipp: Wegen der begrenzten Plätze sollte man mehrere Tage im Voraus reservieren. Etwas für Entdecker, die Ruhe und individuelle Küche suchen.

Das Ambiente beeindruckt weiterhin mit seiner individuellen, fast musealen Dekoration, die Anna Eder einst mit großer Liebe zum Detail gestaltete.

Bevir – Lopesan Costa Meloneras 2026-04-01

„Alles Garten, alles Meer“

Die Lopesan-Gruppe erweitert ihr kulinarisches Angebot im Süden Gran Canarias – besonders im Lopesan Costa Meloneras Resort, Spa & Casino. An der Promenade liegt das Restaurant Kabuki, das japanisch-mediterrane Küche serviert. Neu hinzugekommen ist das Restaurante Bevir. Ursprünglich in Las Palmas mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet, zog es 2025 nach Maspalomas und wird nun gemeinsam mit der Lopesan-Gruppe geführt.

Wir hatten über das Schwesterhotel Faro reserviert und betraten um 19 Uhr als erste Gäste das Restaurant. Es beeindruckt mit minimalistischer Ästhetik, während große Fenster den Blick auf einen Innenhof freigeben.

„Alles Garten, alles Meer“ lautet das Motto des Küchenchefs – Fleisch steht nicht auf der Karte. Stattdessen gibt es zwei Degustationsmenüs mit modernem Ansatz: „Fortunata“ (11 Gänge) und „Jacinta“ (14 Gänge). Wir wählten „Jacinta“. Die Gerichte basieren überwiegend auf lokalen Zutaten der Kanaren, die modern interpretiert werden. Die Küche zeigt Ehrgeiz und Kreativität, es sind aber auch Schwächen vorhanden.

Zwei Beispiele: Der erste Gang verdeutlicht das Problem.

Wolfsbarsch mit grünem Tomatenwasser – bis hierhin stimmig. Doch wo war der angekündigte Wasabi? Nicht zu schmecken.

Der nächste Gang hingegen ein Höhepunkt: Rote Bete mit Beurre blanc und Dillöl. Aromen und Texturen harmonieren perfekt. Die Erdigkeit der roten Bete bleibt präsent, ohne zu dominieren.

Auch der Gang mit Ei und Pilzen überzeugt: Das Eigelb leicht gestockt, das Eiweiß als luftige Wolke serviert. Die Waldpilzbrühe – pure Umami.

Ambitioniert, mit einigen  Gängen auf Sternniveau, insgesamt noch Unebenheiten – Potenzial aber groß.

Für wen eignet sich das Bevir? Für alle, die auf Gran Canaria kulinarisch Neues entdecken und solche Küchenstile schätzen. Urteil? Ein zweiter Besuch wäre nötig, um das Potenzial des Hauses abschließend zu bewerten. Vielleicht beim nächsten Besuch auf Gran Canaria. Dieser wird kommen.

Amuse Bouche

Artischocke

Wrackbarsch- Kräuter

Steinbutt – Senf – Wildkräuter

Honigeis mit Kaviar

2026-03/04 Gran Canaria – Freitag bis Sonntag

Freitag bis Sonntag der Folgewoche inkl. Rückreise

Die Fahrt vom Flughafen zum Hotel dauert etwa 30 Minuten. Schon beim Betreten des Hotels spürt man: „Wir sind wieder da. “ Das Personal begrüßt uns herzlich, erledigt die Formalitäten schnell und reibungslos. Diesmal haben wir nur Übernachtung mit Frühstück gebucht. Das Team strahlt eine ansteckende Freude aus. Zur Begrüßung gibt es ein Glas gut gekühlten Cava. Wir fühlen uns sofort angekommen.

Die Lage bleibt unverändert: Der Blick schweift über den Sandstrand, und in weniger als einer Minute steht man im Meer. Doch der Strand hat sich nach dem Unwetter vor einer Woche stark verändert. Aus Erfahrung wissen wir, dass er sich erholen wird – wie lange, entscheidet allein die Natur.

Da wir diesmal nur Frühstück gebucht haben, mussten wir vorab überlegen, wo wir abends essen wollen. Neben unseren Stammrestaurants probierten wir auch neue Adressen aus.

Am Freitagabend führte uns der erste Weg ins „Casa Antonio“, direkt am Strand von Maspalomas. Es ist dieses unschlagbare Gefühl: Meeresrauschen, Salzluft und dazu frischer Fisch – ein Genuss.

Für Samstag hatten wir das „Cumbres“ in Playa del Inglés geplant. Doch schon im Taxi warnte uns der Fahrer: „Das wird nichts, Karneval! “ Wegen des Unwetters war er um eine Woche verschoben worden. Er behielt recht – kein Durchkommen. Also kehrten wir um und aßen im Hotel. Trotz der ungeplanten Änderung war das Abendessen wie immer hervorragend. Diesmal gab es ein Drei-Gänge-Menü: Bouillabaisse, Lachs mit Pastinake und Dill. Allerdings fehlte der angekündigte Lachsrogen, und die Küche reichte ihn trotz Reklamation nicht nach. Beim Dessert – weiße Schokolade, Joghurt-Biskuit und wilde Beeren – suchte ich vergeblich nach den wilden Beeren. Stattdessen gab es nur klein geschnittene Erdbeeren.

Der Sonntagabend hielt ein besonderes Highlight bereit: das Kabuki an der Promenade von Maspalomas. Zugegeben – ein japanisches Restaurant direkt am Strand von Gran Canaria klingt ungewöhnlich. Doch genau diese Kombination macht den Reiz aus. Das Kabuki liegt im stilvollen Hotel Lopesan Costa Meloneras und gehört zur renommierten Kabuki-Gruppe, bekannt für ihre kreative Fusion aus japanischer und mediterraner Küche. Schon beim Ankommen spürt man: Hier geht es nicht nur ums Essen, sondern um ein Erlebnis. Nachdem wir bei früheren Besuchen à la carte gegessen hatten, entschieden wir uns diesmal für das Menü – und überließen die Auswahl dem Chefkoch. Eine Entscheidung, die sich als Volltreffer erwies. Der Abend begann entspannt mit einem Sake als Aperitif, begleitet von einem perfekt passenden Wein von den Kanarischen Inseln. Dann nahm das Menü Fahrt auf: kunstvoll angerichtetes Sushi und Sashimi, gefolgt von zartem Thunfisch-Tatar. Besonders in Erinnerung blieben das knusprige Steinbutt-Tempura und die aromatischen Gyoza mit Entenfüllung. Ein echtes Highlight waren die hauchdünnen Scheiben vom Wagyu – butterzart und voller Geschmack. Jeder Gang überraschte, jede Kombination war durchdacht und harmonisch. Ein Abend, der nicht nur kulinarisch, sondern auch atmosphärisch in Erinnerung bleibt.

Schon am Montagmorgen war klar: Das wird kein gewöhnlicher Tag. Ein Blick aus dem Fenster bestätigte es – der berüchtigte Calima hatte die Insel fest im Griff. Feiner Saharastaub lag in der Luft, das Licht wirkte gedämpft, fast surreal, und alles schien in einen warmen Schleier gehüllt.

Am Abend zog es uns ins „Cumbres“ nach Playa del Inglés – ein bewusster Kontrast zur ruhigen, staubigen Stimmung des Tages. Hier war es lebendig, vertraut und angenehm geschäftig, genauso, wie wir es über die Jahre lieben gelernt haben. Kulinarisch blieben wir unserer Tradition treu: Pata Negra, zartes Lomo, Lammbries und eine herrlich aromatische Lammschulter kamen auf den Tisch. Dazu ein roter Hauswein – unkompliziert und genau richtig. Und wie so oft zeigte sich: Hier kann man nichts falsch machen. Zum Abschluss wurde es klassisch: eine feine Creme, ein kräftiger Espresso und – als nette Geste des Hauses – ein Brandy. Ein rundum stimmiger Abend, der den besonderen Charakter dieses Tages perfekt einfing.

Auch am Dienstag hielt sich der Calima, wenn auch abgeschwächt. Am Spätnachmittag kehrten wir ins „Casa Antonio“ zurück. Irmtraud wollte unbedingt wieder einen ganzen Fisch essen. Die Wahl fiel auf eine Dorade, die geteilt wurde. Vorher gab es Garnelen in Knoblauch und frittierte kleine Tintenfische. Dazu einen Weißwein aus Lanzarote.

Für die Besuche am Mittwoch: Bevir; Donnerstag: Bamira; Freitag: Aquarela. gibt es separate Berichte.

Am Samstag genossen wir mittags noch einmal kanarische Küche im „Casa Antonio“ und abends das „Cumbres“.

Hier hatten wir uns bereits für 19.00 Uhr angemeldet, da es am nächsten Morgen nach Hause ging. Bis 20.00 Uhr waren wir die einzigen Gäste. Dann füllte sich das Restaurant innerhalb von zehn Minuten. Wie man hören konnte, waren es überwiegend spanische Gäste.

Am Sonntag war der Urlaub leider zu Ende. Frühstück, Koffer packen, bezahlen – um 11.00 Uhr fuhr das Taxi Richtung Flughafen. Fast pünktlich hob der Flieger um 13.45 Uhr ab. Nach 4 Stunden und 5 Minuten landeten wir in Düsseldorf. Um 22.15 Uhr waren wir wieder zu Hause. Der nächste Urlaub auf Gran Canaria kann hoffentlich bald kommen.