Brüssel im September 2026

Drei Tage Brüssel – das klingt nach einer ordentlichen Portion Hauptstadt. Doch zwei davon gingen fast vollständig für An- und Abreise drauf. Übrig blieben zwei Übernachtungen, ein voller Tag mit Programm und eine Einladung in der belgischen Hauptstadt. Viel war das nicht, aber genug, um einen ersten Eindruck von Brüssel zu gewinnen.

Die Anreise mit der Deutschen Bahn begann entspannt. Von Kassel ging es nach Frankfurt, dann direkt weiter nach Brüssel Nord. Fast wären wir pünktlich angekommen – doch in Köln stürmten Rucksacktouristen ohne Sitzplatzreservierung die Abteile. Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis alle entweder einen Platz gefunden hatten oder den Zug wieder verließen.

Nach dem Einchecken im Motel ONE blieb Zeit für einen ersten Spaziergang durch die Stadt. Brüssel wirkt geschäftig und zugleich gemütlich: prächtige Fassaden säumen enge Straßen, dazwischen reihen sich Cafés – und überall locken belgische Schokolade und Waffeln.

Zum Abendessen ging es ins Restaurant Aux Armes de Bruxelles. Dazu folgt ein eigener Bericht.

Am nächsten Morgen gab es in der nahen Patisserie Paul ein kleines Frühstück: Croissants, Pain au chocolat und Pain aux raisins, dazu einen Cappuccino.

Vor dem offiziellen Termin blieb noch Zeit, die Stadt auf sich wirken zu lassen. Der Weg führte an der Kathedrale St. Michael und St. Gudula sowie am Parc de la statue roi Baudouin vorbei. Zunächst ging es zur Noordzee, einem Bistro und Fischladen am Rand des Grand-Place. Dort bestellte ich eine Portion Austern.

Der Ablauf dort ist unkompliziert. Man bestellt und bezahlt direkt am Tresen. Sobald das Essen fertig ist, rufen die Mitarbeiter den Namen laut über den Platz. Gegessen wird anschließend an hohen Stehtischen unter freiem Himmel, am besten mit einem Glas kühlem Weißwein.

Gerade rund um den Grand-Place zeigte sich Brüssel von seiner schönsten Seite. Die historische Kulisse ist wirklich beeindruckend, auch wenn natürlich viele Besucher unterwegs waren.  Ein Stadtrundgang macht hungrig. Zum Glück fand ich in der Nähe des Grand-Place ein japanisches Restaurant. Es gab Sake, frisches Sashimi und leckeres Sushi – genau das Richtige nach einem langen Spaziergang.

Am Abend ging es zur Einladung in die Hessische Landesvertretung in Brüssel. Sie rundete den Tag ab. Seit einigen Jahren bekomme ich diese Einladung und nutze sie. Rund 350 Gäste waren an diesem Dienstagabend in die Hessische Landesvertretung in Brüssel gekommen. Ministerpräsident Rhein und Europaminister Pentz, beide CDU, warben dort für ein „starkes und geeintes Europa“.

Besonders Ministerpräsident Boris Rhein sprach sich in seiner Rede für eine starke europäische Verteidigungsfähigkeit aus. Deutschland und Europa müssten angesichts der wachsenden sicherheitspolitischen Herausforderungen handlungsfähig sein, sagte Rhein. „Das große Versprechen Europas ist ein Leben in Frieden und Freiheit. Gerade in Zeiten multipler Bedrohungen müssen wir unsere Freiheit selbst sichern und dafür mehr Resilienz, mehr Sicherheit und eine starke Industrie schaffen“, so Boris Rhein.

Bei kleinen Häppchen aus den hessischen Regionen, Wein aus hessischen Weingütern und interessanten Gesprächen verging die Zeit schnell.

Auf der Rückreise wurde noch ein Zwischenstopp in Köln eingelegt. Das gab der kurzen Reise einen zusätzlichen Höhepunkt: Nach Brüssels internationalem Flair ging es noch für einige Stunden in die Domstadt, bevor schließlich die Heimreise anstand. (Siehe separaten Bericht)

Für eine ausführliche Stadterkundung in Brüssel blieb zwar kaum Raum. Aber gerade die Mischung aus Programm, Begegnungen und kleinen Momenten dazwischen machte den Aufenthalt abwechslungsreich.

Tag 7 – Sylt im August 2026

Sylt Tag 7

Kaum zu glauben, aber unser Sylt-Urlaub 2026 ist tatsächlich vorbei! Diesmal waren es leider nur acht Tage auf dieser traumhaften Insel – und doch war fast alles dabei.  Wir haben die Sonne genossen, an den herrlichen Stränden entspannt und natürlich war auch ein Regentag dabei. Das wechselhafte Wetter gehört zu Sylt und macht den besonderen Reiz der Insel aus.

Kulinarisch blieben ein paar Wünsche offen. Kein Besuch im eleganten Söl’ring Hof in Rantum, auch Sansibar und Samoa standen diesmal nicht auf dem Programm. Trotzdem: Jede Mahlzeit in den anderen Restaurants war ein Genuss. Nach langer Zeit kehrten wir auch wieder in die Kupferkanne ein.

Den letzten Abend verbrachten wir wie fast immer im Hause JM. Irmtraud stieß mit einem Glas Champagner an, ich wählte den Hauscocktail. Es folgte Beef Tatar mit Reibekuchen und Crème fraîche – fein gewürzt, die Crème herrlich frisch. Danach „Dreierlei von der Gänseleber“ mit hausgebackenem Brioche und Apfelsalat.

Natürlich durften die hausgemachte Maultasche und die Lammbratwurst mit Kartoffelsalat nicht fehlen. Zum Abschluss genossen wir ein Weinbergpfirsich-Sorbet, aufgegossen mit Champagner.  Ben empfahl uns dazu einen Riesling von der Mosel und einen Rotwein von der Rhone.  Den Abend ließen wir in der Bar bei „Mo“ mit einem Zibärtle ausklingen. Der Service war wie immer erstklassig: Ben, sein Schwager Jan-Sören und natürlich die Chefin Jane Müller, die im Hintergrund leise und souverän alles lenkte.

Am Samstag ging es nach dem Frühstück unter bedecktem Himmel zurück in Richtung Heimat.

Fazit: Sylt hat unsere Erwartungen wieder übertroffen. Wir nehmen wunderbare Erinnerungen mit. Nach Sylt ist vor Sylt. Bis bald, Sylt!

Tag 6 – Sylt im August 2026

Sylt Tag 6

Nach dem Frühstück startete ich erneut zu einer Walking-Tour. Bei angenehmen Temperaturen führt uns der Weg auch heute zum Strand. Als der Hunger kam, machten wir einen Abstecher ins provisorische „Zeltlager“, das für den Surf Cup am Wochenende errichtet wurde. Im Zelt des Gogärtchens gab es Pinza, belegt mit Ziegenkäse, Walnüssen und Feigen, dazu einen Grauburgunder vom Weingut Fritz Waßmer.

Am Abend wartete ein reservierter Tisch im Boddendorf in Tinnum.

Bodendorf in Tinnum – ein Abend mit gemischten Eindrücken

Mein Fazit vom Juni-Besuch lautete: „Insgesamt ein gelungener Abend. Mal sehen, ob ich im August einen Termin finde. “ Tatsächlich ließ sich ein Abend einrichten – allerdings auf Kosten eines Besuchs im Söl’ring Hof.

Unser Besuch Ende August im Bodendorf in Tinnum hinterließ gemischte Gefühle. Der Restaurantbereich, stilvoll gestaltet, wirkte dennoch kühl – nicht zuletzt, weil von etwa 20 Plätzen nur sieben besetzt waren.

Restaurantleiter Benjamin Paul empfing uns freundlich, der Service blieb den ganzen Abend über aufmerksam. Mit einem Glas Perrier-Jouët Rosé starteten wir. Diesmal wählten wir ein 6-Gänge-Menü, und auch bei der Weinauswahl beriet uns Paul hervorragend.

Wachtel

Beim ersten Gang hatten wir die Wahl: Irmtraud entschied sich für Hummer, ich für Miral-Wachtel. Die Wachtel kam in zwei Varianten: als gefüllte Roulade und als Ragout mit Erbsen und Pfifferlingen, abgerundet von einem Hauch Schaum. Besonders die Sauce zur Roulade überzeugte.

Ravioli

Es folgte eine offene Ravioli mit glacierten Jakobsmuscheln, mariniertem Spitzkraut, Mispel und Verjus. Die Nudelplatten waren hauchdünn, die Jakobsmuscheln leicht glasig. Der Verjus verlieh der Sauce eine feine Säure. Dazu gab es einen Wein von Salwey vom Kaiserstuhl.

Rotbarsch und Seezunge

Der nächste Gang: geflämmter Rotbarsch in Bouillabaisse mit Bohnencreme und jodigem Meeresfenchel. Die mineralische Note des Fenchels verband die Komponenten harmonisch.

Weniger überzeugend war die bretonische Seezunge. Zwar gefielen der luftige Kartoffelschaum und die Rotweinbutter, doch der Fisch, diesmal als senkrecht gestellte Roulade mit Rettichfüllung, verlor durch die Anrichteweise seinen typischen feinen Geschmack.

Wagyu-Beef

Der Hauptgang wurde zum Höhepunkt: japanisches A5-Strip-Loin, begleitet von Shiitake-Pilzen, verbranntem Lauch und Pflaumen-Confit. Das Fleisch, die höchste Qualitätsstufe von Rind, schmeckte nussig-süßlich, fein marmoriert – purer Luxus auf dem Teller.

Dessert

Das Pre-Dessert, Ziegenkäseeis mit Aprikose, überzeugte wie schon im Juni. Das Dessert – Weinbergpfirsich mit Himbeersorbet, Mandeln und Cheesecake – bot einen fruchtig-kühlen Abschluss. Danach folgten Espresso und kleine Süßigkeiten.

Der Preis für das 6-Gänge-Menü liegt bei 264 Euro pro Person. Damit bewegt sich das Restaurant am oberen Ende der Preisskala für 1-Sterne-Häuser – wohl der exklusiven Insellage und den hochwertigen Produkten geschuldet.

Fazit: Ein Abend mit positiven Ansätzen, der atmosphärisch und in der Detailpräsentation noch Luft nach oben lässt.

Die Weine:

Tag 5 – Sylt im August 2026

Tag 5

Der Patron ist tot, es lebe die Familie

Der Patron ist tot: Jörg Müller, über Jahrzehnte der Inbegriff des klassischen Gastgebers, prägte mit seinem Hotel & Restaurant in Westerland Sylts Ruf als Gourmet-Insel wie kaum ein anderer. Als Mitbegründer der neuen deutschen Küche, neben Größen wie Eckart Witzigmann, setzte er Maßstäbe.

Es lebe die Familie: Sein Lebenswerk bleibt in festen Händen. Seine Frau Barbara starb 2023, doch die Familie führt das Erbe weiter. Tochter Jane und ihr Mann Benjamin Birkholz-Müller sowie Sohn Jan-Sören übernehmen die Verantwortung und sichern die Zukunft des Hauses.

Auch in der Küche bleibt alles im Fluss. Jörg Müller sorgte zu Lebzeiten für einen reibungslosen Übergang. André Kuhlmeyer, seit über 20 Jahren im Haus, verkörpert Müllers Philosophie der klassischen, produktfokussierten Spitzenküche wie kein Zweiter. Er führt die Tradition unverändert fort. Während Kuhlmeyer am Herd das kulinarische Erbe bewahrt, leitet Schwiegersohn Benjamin Birkholz-Müller den Service und den legendären Weinkeller – einen der besten der Welt.

In Küche und Service bleibt alles stabil: Die Familie steht.

So erlebten wir den fünften Tag unseres Aufenthalts: Beide Restauranträume waren voll, im Wintergarten saß eine größere Gruppe, und auch die Bar war bis auf den letzten Platz besetzt.

Für den Aperitif gehen wir in die Bar. Irmtraud bestellt wie immer einen Champagner Rosé, ich nehme meinen Hausaperitif.

An diesem Abend fiel uns auf, dass zusätzliche junge Frauen im Service arbeiteten. Neugierig fragte ich nach. Die jungen Damen absolvieren im Rahmen ihrer österreichischen Tourismus- oder Hotelfachausbildung – etwa an der HLW, HLT oder Berufsschule – ein Pflichtpraktikum auf Sylt. Sie machten ihre Arbeit hervorragend.

Nun aber zum Essen.

Amuse Bouche

Der Abend begann mit einem Amuse-Bouche: Eine Scheibe Schinken und frische Gemüsestangen wie Karotte und Stangensellerie, einfach, frisch und dennoch bemerkenswert.

Tataki vom Färöer Lachs mit Gurken

Dazu passt ein trockener, mineralischer Riesling Feinherb, wie Ben vorschlug. Eigentlich mag ich Riesling nicht, doch dieser harmonierte ausgezeichnet mit dem Gericht. Entscheidend sind die Qualität des Lachses, die Frische der Gurke und die feine Säure des Suds – sie sollen im Mittelpunkt stehen. Ein Gurkensorbet brachte mit seiner Kühle den letzten Schliff.

Gänseleber, Kirsch, Kartoffelpüree

Gönne es mit immer wieder, wenn ich auf der Karte dieses Gericht entdecke!!!

Wachtelcrépinette auf Périgord-Trüffel-Risotto

Wachtelcrépinette auf Périgord-Trüffel-Risotto

Auf diesen Gang hatte ich mich lange gefreut. Schon im Juni fragte ich, ob man ihn mir im August servieren könne. Küche und Service machten es möglich – eine besondere Freude. Erinnerungen wurden wach: Um die Jahrhundertwende bereitete ich dieses Gericht, damals als Wachtelkotelett bekannt, selbst in meinen Kochkursen zu. Die heutige Version ähnelt der damaligen, nur das Schweinenetz fehlt. Die Unterschenkel der Keulen verarbeitete die Küche zu einer Farce, ein großes Spinatblatt dient nun als Hülle.

Ben stellte dazu einen 2023er Verduno Pelaverga Burlotto auf den Tisch. Am Ende des Abends war die Flasche leer.

Jürgen Dollase dokumentierte dieses Gericht im Mai 2025 in Westerland zusammen mit Jörg Müller. Die Aufnahme findet sich im „Deutschen Archiv der Kulinarik“.

Gebackene Zwetschgen auf Armagnacschaum mit Walnuss – Krokant Eis

Ein schlichtes, elegantes Tellerbild, kaum Dekor. Die Produkte standen im Fokus. Klare, saubere Kontraste: die warme, fruchtige Zwetschge und das kalte Eis.

Fazit: Die neuen Inhaber sind auf dem richtigen Weg. Wir (Stamm) Gäste sollten sie dabei unterstützen.

Tag 4 – Sylt im August 2026

Nach dem Frühstück steht eine Walking-Tour an. Bei angenehmen Temperaturen führt uns der Weg heute zum Strand. Da wir keine Fans von Strandkörben sind, machen wir es uns auf den Bänken bequem. Ein kurzer Spaziergang durch den Sand bis ans Wasser rundet den Ausflug ab. Die frische Meeresluft und der Blick auf die Wellen entspannen – und machen schnell wieder hungrig.  Da wir am Abend im „Web Christel“ reserviert haben, begnügen wir uns mit einem Crêpe mit Zimt und Zucker und einem Glas Weißwein.

Sylt Tag 4

Unsere Reservierung für 17.30 Uhr war natürlich bestätigt, doch man wies uns mehrfach darauf hin, dass wir nach zwei Stunden fertig sein müssten. Diese ständigen Wiederholungen nervten. Bei schönem Wetter saßen wir draußen unter einem großen Schirm. Nach dem obligatorischen Brot mit Griebenschmalz folgte ein Carpaccio aus Jakobsmuschel und Lachs. Mit der Rollentechnik gelingen hauchdünne Scheiben, das Mango-Limetten-Dressing unterstrich den feinen Geschmack des Fisches. Ob der kleine Salat dazu nötig war, sei dahingestellt. Gestört haben mich der Dill und die unvermeidlichen Erbsensprossen.

Die Tafelspitzconsommé mit Sherry war gut abgeschmeckt, voller Umami, doch der Sherry blieb geschmacklich unauffällig. Dazu gab es ein gefülltes Strudelteigtäschchen.

Das Rinderfilet kam wie bestellt medium rare auf den Tisch, begleitet von frischen Pfifferlingen und Kartoffelgratin. Der Soße fehlte jedoch die Tiefe.

Zum Dessert gab es ein schmelzendes Tonkabohnenparfait mit Beeren.

Als Weißwein wählte ich einen Sauvignon Blanc, der leider nicht zum Carpaccio passte – mein Fehler. Der 2022er Spätburgunder R vom Weingut Hansjörg Rebholz (0,375 l) harmonierte hingegen perfekt mit dem Filet. Erfreulich: Die Weinkarte bot viele 0,375-l-Flaschen, sowohl Weiß- als auch Rotwein – eine Seltenheit in Restaurants. Als Abschluss noch eine Wildkirsch vom Martin Albrecht. Weder verwandt noch verschwägert – leider.

Fazit: Gemütliches Ambiente, starke Weinauswahl in halben Flaschen, solide Küche mit Luft bei Saucen, ideal für sommerliche Abende draußen.

Tag 3 – Sylt im August 2026

Tag 3 – Sylt

Nach dem Frühstück ließ ich meine Walking-Tour ausfallen. Stattdessen fuhr ich um 10.30 Uhr nach Wenningstedt zur Friesenkapelle. Dort begann um 11.00 Uhr die Trauerfeier für Jörg Müller, der nach langer Krankheit im Alter von 79 Jahren gestorben war.

1992 besuchte ich zum ersten Mal sein Restaurant. Zwischen 1995 und 2004 nahm ich regelmäßig an seinen Kochkursen teil, die jeweils vier Tage dauerten. Die Termine lagen im Februar oder November, wenn es auf Sylt ruhiger zuging. Die Themen reichten von „Seminar für Fortgeschrittene“ über „Italienische Küche“ bis zu „Spezialitäten von Land und Meer“. Übernachtet wurde stets im Hotel, das zum Restaurant gehörte. Trotz des Stresses waren es immer angenehme Tage.

Müller leitete die Kurse persönlich, obwohl er gleichzeitig das Tagesgeschäft bewältigen musste. Damals hatte sein Restaurant auch mittags geöffnet. Er erklärte jeden Gang, gab Zubereitungstipps und achtete darauf, dass während der Vorbereitungen kein Alkohol floss. Beeindruckend war sein wirtschaftliches Denken: Ohne Sponsor musste er seine Investitionen selbst erwirtschaften. Anhand eines Lammgerichts zeigte er, wie er vorging. Er kaufte ein ganzes Lamm von der Insel und verwertete es vollständig. Das Gourmetrestaurant bekam den Rücken, während Schulter und Keule im „Pesel“, seinem Bistro, landeten. Die Knochen schabte er gründlich ab und verarbeitete sie zu Lammfrikadellen oder seinen legendären Bratwürsten, die er auch als Amuse-Bouche im Gourmetrestaurant servierte. Aus den Knochen kochte er in einem aufwendigen Verfahren eine sämige Sauce.

Viele Jahre waren wir Gäste in seinem Restaurant und später auch im Hotel. Es waren stets schöne Aufenthalte. Hoffen wir, dass es ohne ihn weitergeht – ich bin zuversichtlich.

Am späten Nachmittag kehrten wir ins „Fisch Hüs“ ein. Eigentlich wollte Irmtraud bei Blum „Grüne Heringe“ essen, doch die gab es an diesem Tag nicht.

Sie bestellte stattdessen Wolfsbarsch, der gut gebraten und gewürzt war.

Ich wählte eine Bouillabaisse aus Nordseefischen, die leider etwas Würze vermissen ließ,

und anschließend Labskaus. Dazu tranken wir einen Grauburgunder vom Weingut Dr. von Bassermann-Jordan. Auf der Karte entdeckte ich den Wildkirsch Nr. 1 von Ziegler – in den 1980er-Jahren ein Kult-Digestif. Natürlich bestellte ich ihn, und Erinnerungen wurden wach. Es war ein angenehmer Aufenthalt auf der Terrasse.

Tag 2 – Sylt im August 2026

Tag 2 – Sylt

Uns erwartet ein ausgiebiges Frühstück. Das Buffet ist reichhaltig und liebevoll angerichtet. Es bietet herzhafte Spezialitäten, frischen Fisch und süße Leckereien. So findet jeder etwas nach seinem Geschmack.

Frisch aufgebrühter Kaffee kommt an den Tisch. Den Tee kann sich jeder nach den eigenen Vorlieben selbst zubereiten. Auch die Eierspeisen werden frisch und individuell zubereitet, ob Rührei, Spiegelei oder Omelett.

Zum Auftakt des Morgens stoßen wir gemeinsam mit einem Glas Champagner auf den Urlaub an. Ein schöner Beginn für einen entspannten und genussvollen Tag.

Nach einer kurzen Verschnaufpause mache ich mich zunächst auf meine Walking-Tour. Am Ende zeigt meine Uhr rund 9.000 Schritte an. Danach gehe ich noch einmal unter die Dusche, und wir machen uns fertig, denn Hanne und Herbert wollen uns gegen 13 Uhr abholen. Die beiden sind bereits seit einer Woche mit dem Auto auf der Insel unterwegs. Wir haben also fast immer unser eigenes Taxi.

Diesmal geht es in den Süden, nach Hörnum. Wir kommen an Samoa und Sansibar vorbei. Beide stehen dieses Jahr allerdings nicht auf dem Programm. In Hörnum ist es gar nicht so einfach, einen Parkplatz zu finden. Gut, dass Handy und App helfen. Danach machen wir einen kleinen Spaziergang zur Südspitze der Insel.

Nach so viel frischer Luft meldet sich bald der kleine Hunger. Hanne schlägt das Café und Restaurant „Sonniger Süden“ vor. Im „Lund“ waren wir schließlich schon sehr oft. An der Kuchentheke bestellen wir jeder ein Stück Kuchen und dazu einen Pott Kaffee.

Nach der Rückkehr ins Hotel ruhen wir uns ein wenig aus. Die beiden letzten Tage waren ganz schön stressig, und die Seeluft tut ein Übriges. Irmtraud möchte auf dem Zimmer bleiben. Ich habe aber noch Lust auf etwas Deftiges und auf einen Schluck guten Rotwein.

In der Bar komme ich auf meine Kosten. Mo kennt meine Wünsche, da wir oft Gast in der Bar sind. Schnell steht der Hausaperitif vor mir. Anschließend folgt meine geliebte Lammbratwurst mit Kartoffelsalat. Dazu ein 2010er Paul Jaboulet Aîné Crozes-Hermitage „Domaine de Thalabert“. Ein konzentrierter und kräftiger Wein mit herrlichen Würz- und Röstaromen.

Ich freue mich auf weitere interessante Tage auf Sylt.

Tag 1 -Sylt im August 2026

Tag 1 – Sylt

Die Koffer stehen bereit. Gegen 14.15 Uhr fahren wir zum Flughafen Kassel. Wir parken das Auto, geben das Gepäck auf und gehen durch die Sicherheitskontrolle. Alles läuft entspannt. Kein Stress.

Über den Wolken

Um 15.25 Uhr hebt unser Flieger ab. Um 16.30 Uhr landen wir in Westerland auf Sylt.

Anflug nach Sylt über den Weinberg

Hanne und Herbert holen uns wie immer freundlich ab. Nach einer kurzen Begrüßung fahren wir zuerst zu Gosch in List.

Dort bestellen wir eine Meeresfrüchteplatte und eine Flasche Sauvignon Blanc. Salz, Meer und frischer Fisch liegen in der Luft. Hurra, wir sind endlich wieder auf Sylt.

Danach fahren wir ins Hotel Restaurant Jörg Müller in Westerland. Für uns ist es seit Jahren ein vertrauter Ort. Wir packen die Koffer aus und gehen in die Bar. Über dem Haus liegt Trauer, denn Jörg Müller ist leider am 09. August im Alter von 79 Jahren verstorben. Trotzdem ist die Begrüßung wie immer sehr herzlich.

Sylt 11.-14. Juni 2026

Unterwegs mit der Regional Auswahl Nordhessen- Kicker mit Herz und Verstand

Viele Wege führen nach Sylt. Am schnellsten erreicht man die Insel per Flugzeug. Direktflüge von verschiedenen deutschen Flughäfen bieten sich an, wenn die Zeit knapp ist. Viele reisen auch mit dem Auto an. Über den Hindenburgdamm, der das Festland mit Sylt verbindet, gelangt man bequem und zügig auf die Insel. Wer eine andere Route bevorzugt, kann über Dänemark fahren und die Strecke mit einer Fährüberfahrt kombinieren. Diese reizvolle Alternative macht die Anreise abwechslungsreicher. Natürlich bietet auch die Deutsche Bahn eine Möglichkeit. Sie ist nicht nur umweltfreundlich, sondern schon die Fahrt selbst ein besonderes Erlebnis. Auf der An- und Abreise erlebt man kleine Abenteuer, die zwar nerven und Zeit kosten, aber die Vorfreude auf Sylt steigern. Egal, wie man anreist: Die Reise nach Sylt bleibt ein besonderes Erlebnis.

Donnerstag

Unsere Bahnfahrt nach Sylt begann fast pünktlich um 08:36 Uhr in Kassel Wilhelmshöhe, mit geplanter Ankunft um 15:03 Uhr in Westerland. Doch schon nach 15 Minuten standen wir unerwartet im dunklen Tunnel vor Göttingen. Auch die Weiterfahrt nach Hamburg verlief nicht planmäßig. Statt um 11:36 Uhr erreichten wir den Hamburger Hauptbahnhof erst weit nach 12:00 Uhr und verpassten den Anschlusszug nach Westerland um 12:02 Uhr. Das freundliche Zugpersonal sorgte jedoch dafür, dass der Zug fast 20 Minuten auf uns wartete. Mit uns reisten viele Erwachsene und vier Schulklassen aus dem Landkreis Kassel, die eine Woche im Jugendheim verbringen wollten. Glücklicherweise fand die Einfahrt auf Gleis 8 statt, und die Weiterfahrt sollte auf Gleis 9 erfolgen. Also schnell die Koffer geschnappt und in den bereitstehenden Zug gewechselt. Doch nach 20 Minuten kam die Bitte, den Zug zu verlassen, da sich die Türen nicht schließen ließen. Die Alternativen waren, die Regionalbahn zu nehmen oder eine Stunde auf den nächsten Zug zu warten. Wir entschieden uns für Letzteres und reservierten schnell Plätze. Nach weiteren 35 Minuten setzte sich der Zug langsam in Bewegung. Er war bis zum letzten Platz gefüllt.

Gegen 17:15 Uhr erreichten wir endlich Westerland, mit einer Verspätung von insgesamt 152 Minuten. Ab 120 Minuten Verspätung gibt es eine Entschädigung, die wir in Anspruch nahmen. 38,50 € wurden bereits meinem Konto gutgeschrieben.

Nach unserer Ankunft in Westerland trennten sich die Wege unserer sechsköpfigen Gruppe. Eine von uns hatte eine andere Unterkunft gebucht. Wir verabredeten uns, nach dem Abendessen in einer Bierkneipe in der Friedrichstraße zusammenzukommen, um das erste Spiel der WM zu sehen.

Meine Unterkunft überraschte mich. Offenbar hatte ich bei der Planung etwas missverstanden, denn statt wie gewohnt in Westerland zu übernachten, landete ich im Airport Hotel in Tinnum. Am nächsten Tag sollten dort auch die Fußballer einchecken, die am Banken-Cup-Turnier teilnehmen wollten.

Auf Sylt führt mich mein erster Weg stets ins Restaurant JM in Westerland. Über dieses Haus und seine Betreiber muss ich nicht erneut ausführlich berichten – ich habe schon oft darübergeschrieben.

Nach einem Besuch an der Bar, wo Barkeeper MO mich mit einem Hauscocktail begrüßte, ging es ins Restaurant. Die Speisekarte bot spannende Gerichte. Neben der obligatorischen Leber mit Kartoffelpüree wählte ich diesmal ein Carpaccio vom Kalbskopf mit Radieschen-Vinaigrette und als Hauptgang Kalbszunge in Schnittlauchsoße mit Erbsen, Möhren und hausgemachten Tagliatelle – Gerichte, die man selten in Restaurants dieser Klasse findet.

Das Carpaccio, hauchdünn geschnitten, überzeugte mit zarter Textur und milder Note. Die feine Marmorierung machte es saftig. Die Radieschen-Vinaigrette, frisch und nur dezent säuerlich, setzte mit ihrer Schärfe und Frische einen spannenden Kontrast. Ein rustikaler, zugleich eleganter Gang, ausgewogen und aromatisch.

Die Kalbszunge war zart und saftig, umhüllt von einer cremigen Schnittlauchsoße, deren frische Würze das Gericht harmonisch abrundete. Knackige Erbsen und süßliche Möhren bildeten ein farbenfrohes, geschmacklich stimmiges Gemüsearrangement. Die hausgemachten Tagliatelle mit ihrer samtigen Textur fingen die Soße perfekt auf und machten das Gericht zu einem runden, delikaten Erlebnis.

Wie immer bewies „Big Ben“ den richtigen Riecher und das passende Händchen. Er servierte zweimal Chardonnay: zum Carpaccio einen aus dem Burgund, zur Zunge einen aus Sizilien.

Nach Espresso und süßen Kleinigkeiten führte der Weg noch einmal zu MO. Dort gab es einen Absacker – ein Täfelchen Solaris-Trester vom nördlichsten Weinberg Deutschlands. MO schenkte nach, und diesen Nachschlag spürte ich noch am nächsten Morgen.

Freitag

Am Freitagmorgen begannen wir den Tag in Westerland mit einem entspannten Frühstück im Café Wien. Ich wählte das französische Frühstück, während die anderen sich Spiegelei, frische Krabben und ein Glas Sekt schmecken ließen – eine kräftige Stärkung für den Tag.

Danach fuhren wir mit dem Bus nach List und warteten dort auf unser Fußballteam. Die Spieler waren früh morgens in zwei Kleinbussen losgefahren und erreichten die Insel gegen 15 Uhr über Dänemark. Die „Alten Herren“ steckten die lange Fahrt gut weg und wollten nun Kalorien und Flüssigkeit auffüllen.

Ich selbst bestellte einen erfrischenden Sauvignon Blanc, einen knusprigen Krabben-Flammkuchen und Riesengarnelen – die ideale Kombination die schöne Zeit auf Sylt zu genießen.

Am Abend hatte ich dann ein „Rendezvous“ im Gourmet-Restaurant Bodendorf in Tinnum. Vom Hotel aus erreichte ich es bequem zu Fuß. Das für Sylt typische reetgedeckte Haus beherbergt nicht nur ein Luxushotel, sondern auch das Bistro siebzehn84 und das Gourmet-Restaurant. Ein Menü von Holger Bodendorf mit sechs bis neun Gängen ist Haute Cuisine vom Feinsten.

Benjamin Paul und Chef Holger Bodendorf begrüßten mich herzlich. Mit einem Glas Perrier-Jouët Rosé begann der Abend. Auf das große Menü verzichtete ich, denn in List hatte ich schon reichlich gegessen. Stattdessen wählte ich nur eine Vorspeise, ein Hauptgericht und ein Dessert.

Holger Bodendorf eröffnete den Abend persönlich. Zum Champagner servierte er die ersten kleinen Amuse-Bouches: kleine Interpretationen von Wolfsbarsch, Thunfisch mit Nori-Algen und Kartoffeln.

Danach kam eine offene Ravioli mit glacierten Jakobsmuscheln, mariniertem Spitzkraut, Mispel und Verjus. Die Nudelplatten waren hauchdünn, die Jakobsmuscheln noch leicht glasig. Durch den Verjus hatte die Sauce eine leicht säuerliche Note. Gebratene Jakobsmuscheln stehen auf meiner Favoritenliste. Ich hatte also die richtige Wahl getroffen. Dazu trank ich einen Wein von Salwey vom Kaiserstuhl. Serviert und erläutert wurde der Gang von Oliver Laubinger. Er ist Junior Souschef im „Bodendorf“ und gehört im neuen „Feinschmecker“ 7/2026 zu den dreißig Talenten der Gastronomie in Deutschland.

Das Stück Rücken vom Salzwiesenlamm kam auf den Punkt, also medium, auf den Tisch. Die Beilagen, Powerade, mediterranes Gemüse und Safranfond, wurden in einem separaten Schälchen serviert. Die Lammsauce war würzig, hatte aber wie auch das Rückenstück kaum Lammgeschmack. Dieses Problem habe ich mit dem Service ausgiebig diskutiert. Serviert wurde der Gang vom Küchenchef Denis Brühl. Dazu gab es einen Rotwein von der Rhône.

Beim Dessert hatte ich so meine Probleme. Das Pre-Dessert, Ziegenkäseeis mit Aprikose, war ausgezeichnet. Das Dessert selbst hatte zu viele Komponenten, sodass ich auf Einzelheiten nicht eingehen kann.

Insgesamt war es ein gelungener Abend. Mal sehen, ob ich bei meinem Besuch auf der Insel im August einen Termin frei habe.

Samstag

Der Samstag stand ganz im Zeichen des Fußballs. Auf dem Sportgelände von Tinnum 66 waren 36 Teams aus ganz Deutschland angereist, um beim Sylter Bankencup den Sieger zu ermitteln. Es ist eines der gefragtesten Fußball-Kleinfeldturniere in Deutschland.

Die nordhessische Regionalauswahl war mit dreizehn Spielern und 23 Fans angereist, alles Fußball- und Sylt-Liebhaber. Unterstützung bekam das Team auch noch von Schülerinnen und Schülern der EKS Baunatal, die im Jugendheim Kassel ihre Freizeit verbrachten. Sie waren mit uns im Zug angereist, und ihr Lehrer war Spieler der Auswahl. Leider herrschte sogenanntes Fritz-Walter-Wetter. Regenschauer, Sonne und Sturm wechselten sich ab. Obwohl ich mein Gesicht mit Sonnencreme eingecremt hatte, ließ sich ein leichter Sonnenbrand nicht vermeiden.

Das Team um Teamchef Uwe Habedank und die Trainer Goce Malinov und Christopher Minne wurde Gruppensieger mit 13 von 15 Punkten und 12:0 Toren. Nach Siegen im Achtel- und Viertelfinale verlor man das Halbfinale gegen den TSV Friedland aus Mecklenburg, einen Gegner, der ein wenig jünger war. Das kleine Finale gegen den FC Plön konnte man allerdings gewinnen. Sieger wurde die Deutsche-Post-Nationalmannschaft.

Es war ein super Turnier. In den vergangenen vier Jahren belegte die Auswahl die Plätze 2, 1, 3 und wieder 3. Nordhessen wurde würdig vertreten.

Zum Abschluss am Samstagabend war ich wieder bei JM in Westerland und verabschiedete mich wie fast immer mit Lammbratwurst und Kartoffelsalat von der Insel.

Sonntag

Am Sonntag ging es um 10 Uhr von der Insel zurück, und wieder kam es zu Verspätungen. In Hamburg musste ich einen Zug nehmen, der eine Stunde später fuhr als der gebuchte. Mit etwas mehr als 60 Minuten Verspätung erreichte ich dann Kassel.

Fazit: Ich hatte großartige Tage auf Sylt mit Menschen, die Sylt und natürlich Fußball lieben. Auf zum nächsten Turnier, das am 19. Juni 2027 stattfindet.