Ab sofort wird das Kochen am eigenen Herd, sowie Einkaufen usw. wieder im Blog https://alwikocht.wordpress.com/ publiziert.
Reisen und Restaurantbesuche im Blog https://alwisgenussreisen.com/

Genuss, Reisen und mehr
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Am Montagabend hatten viele Restaurants geschlossen – darunter auch das Sternerestaurant Comme chez Soi. Andere machten noch Betriebsferien oder lagen zu weit von meinem Hotel entfernt. Schließlich wählte ich das Aux Armes de Bruxelles, ein legendäres Traditionshaus im historischen Herzen Brüssels. Den Hinweg ging ich zu Fuß, zurück nahm ich ein Taxi.
Die Brasserie, 1921 gegründet, steht im Viertel Ilôt Sacré, nur wenige Schritte von der Grand-Place entfernt, und gilt als echte Brüsseler Institution. Ich wollte Austern, Muscheln und ein gutes Steak mit Pommes – also genau die Klassiker, für die Brüssel berühmt ist.
Ich hatte reserviert und wurde herzlich empfangen. Von meinem Platz aus blickte ich in einen der beiden Gasträume. Der Abend begann mit leisem Stimmengewirr, an den Tischen herrschte konzentrierte Gelassenheit. Gäste aus nah und fern genossen den Moment, bevor die Kellner mit routinierter, aber aufmerksamer Präsenz erschienen.

Auf einen Aperitif verzichtete ich und bestellte zunächst drei Austern und ein Glas Muscadet sur Lie. Beides kam nach angenehmer Wartezeit in perfekter Temperatur auf den Tisch. Dazu reichte man Baguette und Salzbutter.

Nach den Austern folgte eine dampfende Schüssel Muscheln in Weißwein-Sauce. Die Muscheln zeigten sofort ihren salzigen Charakter, gepaart mit der feinen Säure des Weins. Dazu gab es ein weiteres Glas Muscadet sur Lie. Vor vielen Jahren hatte ich in Brüssel gelernt, wie man Muscheln isst: ganz einfach mit der Hand. Die erste Muschel löst man für den ersten Bissen ausnahmsweise mit einer Gabel. Die leere Doppelschale dient dann als kleine Zange. Mit dieser „Schalenzange“ zieht man die nächsten Muscheln mit einer leichten Drehung heraus.

Als Hauptgericht kam ein zartes Steak, medium rare, mit einer großzügigen Portion Pommes Frites. Das Fleisch war leicht marmoriert, sämig im Kern und außen fein angegrillt. Dazu gab es einen kleinen Salat und eine gefüllte Tomate. Die Pommes waren außen extrem knusprig, innen wunderbar weich und luftig – so, wie man sie in Belgien erwartet.

Dazu trank ich eine 0,375-l-Flasche Rotwein aus Saint-Émilion.

Zum Abschluss ein Klassiker der französischen Küche: Crêpes Suzette mit einer Kugel Vanilleeis. Der Kellner bereitete das Dessert gekonnt am Tisch zu.
Fazit: Ein schöner, ruhiger Abend in angenehmem Ambiente. Es müssen nicht immer Sterne über dem Restaurant schweben.

Drei Tage Brüssel – das klingt nach einer ordentlichen Portion Hauptstadt. Doch zwei davon gingen fast vollständig für An- und Abreise drauf. Übrig blieben zwei Übernachtungen, ein voller Tag mit Programm und eine Einladung in der belgischen Hauptstadt. Viel war das nicht, aber genug, um einen ersten Eindruck von Brüssel zu gewinnen.
Die Anreise mit der Deutschen Bahn begann entspannt. Von Kassel ging es nach Frankfurt, dann direkt weiter nach Brüssel Nord. Fast wären wir pünktlich angekommen – doch in Köln stürmten Rucksacktouristen ohne Sitzplatzreservierung die Abteile. Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis alle entweder einen Platz gefunden hatten oder den Zug wieder verließen.
Nach dem Einchecken im Motel ONE blieb Zeit für einen ersten Spaziergang durch die Stadt. Brüssel wirkt geschäftig und zugleich gemütlich: prächtige Fassaden säumen enge Straßen, dazwischen reihen sich Cafés – und überall locken belgische Schokolade und Waffeln.

Zum Abendessen ging es ins Restaurant Aux Armes de Bruxelles. Dazu folgt ein eigener Bericht.

Am nächsten Morgen gab es in der nahen Patisserie Paul ein kleines Frühstück: Croissants, Pain au chocolat und Pain aux raisins, dazu einen Cappuccino.


Vor dem offiziellen Termin blieb noch Zeit, die Stadt auf sich wirken zu lassen. Der Weg führte an der Kathedrale St. Michael und St. Gudula sowie am Parc de la statue roi Baudouin vorbei. Zunächst ging es zur Noordzee, einem Bistro und Fischladen am Rand des Grand-Place. Dort bestellte ich eine Portion Austern.



Der Ablauf dort ist unkompliziert. Man bestellt und bezahlt direkt am Tresen. Sobald das Essen fertig ist, rufen die Mitarbeiter den Namen laut über den Platz. Gegessen wird anschließend an hohen Stehtischen unter freiem Himmel, am besten mit einem Glas kühlem Weißwein.
Gerade rund um den Grand-Place zeigte sich Brüssel von seiner schönsten Seite. Die historische Kulisse ist wirklich beeindruckend, auch wenn natürlich viele Besucher unterwegs waren. Ein Stadtrundgang macht hungrig. Zum Glück fand ich in der Nähe des Grand-Place ein japanisches Restaurant. Es gab Sake, frisches Sashimi und leckeres Sushi – genau das Richtige nach einem langen Spaziergang.
Am Abend ging es zur Einladung in die Hessische Landesvertretung in Brüssel. Sie rundete den Tag ab. Seit einigen Jahren bekomme ich diese Einladung und nutze sie. Rund 350 Gäste waren an diesem Dienstagabend in die Hessische Landesvertretung in Brüssel gekommen. Ministerpräsident Rhein und Europaminister Pentz, beide CDU, warben dort für ein „starkes und geeintes Europa“.
Besonders Ministerpräsident Boris Rhein sprach sich in seiner Rede für eine starke europäische Verteidigungsfähigkeit aus. Deutschland und Europa müssten angesichts der wachsenden sicherheitspolitischen Herausforderungen handlungsfähig sein, sagte Rhein. „Das große Versprechen Europas ist ein Leben in Frieden und Freiheit. Gerade in Zeiten multipler Bedrohungen müssen wir unsere Freiheit selbst sichern und dafür mehr Resilienz, mehr Sicherheit und eine starke Industrie schaffen“, so Boris Rhein.
Bei kleinen Häppchen aus den hessischen Regionen, Wein aus hessischen Weingütern und interessanten Gesprächen verging die Zeit schnell.
Auf der Rückreise wurde noch ein Zwischenstopp in Köln eingelegt. Das gab der kurzen Reise einen zusätzlichen Höhepunkt: Nach Brüssels internationalem Flair ging es noch für einige Stunden in die Domstadt, bevor schließlich die Heimreise anstand. (Siehe separaten Bericht)
Für eine ausführliche Stadterkundung in Brüssel blieb zwar kaum Raum. Aber gerade die Mischung aus Programm, Begegnungen und kleinen Momenten dazwischen machte den Aufenthalt abwechslungsreich.

Sylt Tag 7
Kaum zu glauben, aber unser Sylt-Urlaub 2026 ist tatsächlich vorbei! Diesmal waren es leider nur acht Tage auf dieser traumhaften Insel – und doch war fast alles dabei. Wir haben die Sonne genossen, an den herrlichen Stränden entspannt und natürlich war auch ein Regentag dabei. Das wechselhafte Wetter gehört zu Sylt und macht den besonderen Reiz der Insel aus.
Kulinarisch blieben ein paar Wünsche offen. Kein Besuch im eleganten Söl’ring Hof in Rantum, auch Sansibar und Samoa standen diesmal nicht auf dem Programm. Trotzdem: Jede Mahlzeit in den anderen Restaurants war ein Genuss. Nach langer Zeit kehrten wir auch wieder in die Kupferkanne ein.
Den letzten Abend verbrachten wir wie fast immer im Hause JM. Irmtraud stieß mit einem Glas Champagner an, ich wählte den Hauscocktail. Es folgte Beef Tatar mit Reibekuchen und Crème fraîche – fein gewürzt, die Crème herrlich frisch. Danach „Dreierlei von der Gänseleber“ mit hausgebackenem Brioche und Apfelsalat.
Natürlich durften die hausgemachte Maultasche und die Lammbratwurst mit Kartoffelsalat nicht fehlen. Zum Abschluss genossen wir ein Weinbergpfirsich-Sorbet, aufgegossen mit Champagner. Ben empfahl uns dazu einen Riesling von der Mosel und einen Rotwein von der Rhone. Den Abend ließen wir in der Bar bei „Mo“ mit einem Zibärtle ausklingen. Der Service war wie immer erstklassig: Ben, sein Schwager Jan-Sören und natürlich die Chefin Jane Müller, die im Hintergrund leise und souverän alles lenkte.
Am Samstag ging es nach dem Frühstück unter bedecktem Himmel zurück in Richtung Heimat.
Fazit: Sylt hat unsere Erwartungen wieder übertroffen. Wir nehmen wunderbare Erinnerungen mit. Nach Sylt ist vor Sylt. Bis bald, Sylt!






Sylt Tag 6
Nach dem Frühstück startete ich erneut zu einer Walking-Tour. Bei angenehmen Temperaturen führt uns der Weg auch heute zum Strand. Als der Hunger kam, machten wir einen Abstecher ins provisorische „Zeltlager“, das für den Surf Cup am Wochenende errichtet wurde. Im Zelt des Gogärtchens gab es Pinza, belegt mit Ziegenkäse, Walnüssen und Feigen, dazu einen Grauburgunder vom Weingut Fritz Waßmer.
Am Abend wartete ein reservierter Tisch im Boddendorf in Tinnum.



Bodendorf in Tinnum – ein Abend mit gemischten Eindrücken
Mein Fazit vom Juni-Besuch lautete: „Insgesamt ein gelungener Abend. Mal sehen, ob ich im August einen Termin finde. “ Tatsächlich ließ sich ein Abend einrichten – allerdings auf Kosten eines Besuchs im Söl’ring Hof.
Unser Besuch Ende August im Bodendorf in Tinnum hinterließ gemischte Gefühle. Der Restaurantbereich, stilvoll gestaltet, wirkte dennoch kühl – nicht zuletzt, weil von etwa 20 Plätzen nur sieben besetzt waren.
Restaurantleiter Benjamin Paul empfing uns freundlich, der Service blieb den ganzen Abend über aufmerksam. Mit einem Glas Perrier-Jouët Rosé starteten wir. Diesmal wählten wir ein 6-Gänge-Menü, und auch bei der Weinauswahl beriet uns Paul hervorragend.


Wachtel
Beim ersten Gang hatten wir die Wahl: Irmtraud entschied sich für Hummer, ich für Miral-Wachtel. Die Wachtel kam in zwei Varianten: als gefüllte Roulade und als Ragout mit Erbsen und Pfifferlingen, abgerundet von einem Hauch Schaum. Besonders die Sauce zur Roulade überzeugte.



Ravioli
Es folgte eine offene Ravioli mit glacierten Jakobsmuscheln, mariniertem Spitzkraut, Mispel und Verjus. Die Nudelplatten waren hauchdünn, die Jakobsmuscheln leicht glasig. Der Verjus verlieh der Sauce eine feine Säure. Dazu gab es einen Wein von Salwey vom Kaiserstuhl.

Rotbarsch und Seezunge
Der nächste Gang: geflämmter Rotbarsch in Bouillabaisse mit Bohnencreme und jodigem Meeresfenchel. Die mineralische Note des Fenchels verband die Komponenten harmonisch.
Weniger überzeugend war die bretonische Seezunge. Zwar gefielen der luftige Kartoffelschaum und die Rotweinbutter, doch der Fisch, diesmal als senkrecht gestellte Roulade mit Rettichfüllung, verlor durch die Anrichteweise seinen typischen feinen Geschmack.


Wagyu-Beef
Der Hauptgang wurde zum Höhepunkt: japanisches A5-Strip-Loin, begleitet von Shiitake-Pilzen, verbranntem Lauch und Pflaumen-Confit. Das Fleisch, die höchste Qualitätsstufe von Rind, schmeckte nussig-süßlich, fein marmoriert – purer Luxus auf dem Teller.

Dessert
Das Pre-Dessert, Ziegenkäseeis mit Aprikose, überzeugte wie schon im Juni. Das Dessert – Weinbergpfirsich mit Himbeersorbet, Mandeln und Cheesecake – bot einen fruchtig-kühlen Abschluss. Danach folgten Espresso und kleine Süßigkeiten.


Der Preis für das 6-Gänge-Menü liegt bei 264 Euro pro Person. Damit bewegt sich das Restaurant am oberen Ende der Preisskala für 1-Sterne-Häuser – wohl der exklusiven Insellage und den hochwertigen Produkten geschuldet.
Fazit: Ein Abend mit positiven Ansätzen, der atmosphärisch und in der Detailpräsentation noch Luft nach oben lässt.
Die Weine:






Tag 5
Der Patron ist tot, es lebe die Familie
Der Patron ist tot: Jörg Müller, über Jahrzehnte der Inbegriff des klassischen Gastgebers, prägte mit seinem Hotel & Restaurant in Westerland Sylts Ruf als Gourmet-Insel wie kaum ein anderer. Als Mitbegründer der neuen deutschen Küche, neben Größen wie Eckart Witzigmann, setzte er Maßstäbe.
Es lebe die Familie: Sein Lebenswerk bleibt in festen Händen. Seine Frau Barbara starb 2023, doch die Familie führt das Erbe weiter. Tochter Jane und ihr Mann Benjamin Birkholz-Müller sowie Sohn Jan-Sören übernehmen die Verantwortung und sichern die Zukunft des Hauses.
Auch in der Küche bleibt alles im Fluss. Jörg Müller sorgte zu Lebzeiten für einen reibungslosen Übergang. André Kuhlmeyer, seit über 20 Jahren im Haus, verkörpert Müllers Philosophie der klassischen, produktfokussierten Spitzenküche wie kein Zweiter. Er führt die Tradition unverändert fort. Während Kuhlmeyer am Herd das kulinarische Erbe bewahrt, leitet Schwiegersohn Benjamin Birkholz-Müller den Service und den legendären Weinkeller – einen der besten der Welt.
In Küche und Service bleibt alles stabil: Die Familie steht.
So erlebten wir den fünften Tag unseres Aufenthalts: Beide Restauranträume waren voll, im Wintergarten saß eine größere Gruppe, und auch die Bar war bis auf den letzten Platz besetzt.
Für den Aperitif gehen wir in die Bar. Irmtraud bestellt wie immer einen Champagner Rosé, ich nehme meinen Hausaperitif.
An diesem Abend fiel uns auf, dass zusätzliche junge Frauen im Service arbeiteten. Neugierig fragte ich nach. Die jungen Damen absolvieren im Rahmen ihrer österreichischen Tourismus- oder Hotelfachausbildung – etwa an der HLW, HLT oder Berufsschule – ein Pflichtpraktikum auf Sylt. Sie machten ihre Arbeit hervorragend.
Nun aber zum Essen.
Amuse Bouche

Der Abend begann mit einem Amuse-Bouche: Eine Scheibe Schinken und frische Gemüsestangen wie Karotte und Stangensellerie, einfach, frisch und dennoch bemerkenswert.
Tataki vom Färöer Lachs mit Gurken

Dazu passt ein trockener, mineralischer Riesling Feinherb, wie Ben vorschlug. Eigentlich mag ich Riesling nicht, doch dieser harmonierte ausgezeichnet mit dem Gericht. Entscheidend sind die Qualität des Lachses, die Frische der Gurke und die feine Säure des Suds – sie sollen im Mittelpunkt stehen. Ein Gurkensorbet brachte mit seiner Kühle den letzten Schliff.
Gänseleber, Kirsch, Kartoffelpüree

Gönne es mit immer wieder, wenn ich auf der Karte dieses Gericht entdecke!!!
Wachtelcrépinette auf Périgord-Trüffel-Risotto

Wachtelcrépinette auf Périgord-Trüffel-Risotto
Auf diesen Gang hatte ich mich lange gefreut. Schon im Juni fragte ich, ob man ihn mir im August servieren könne. Küche und Service machten es möglich – eine besondere Freude. Erinnerungen wurden wach: Um die Jahrhundertwende bereitete ich dieses Gericht, damals als Wachtelkotelett bekannt, selbst in meinen Kochkursen zu. Die heutige Version ähnelt der damaligen, nur das Schweinenetz fehlt. Die Unterschenkel der Keulen verarbeitete die Küche zu einer Farce, ein großes Spinatblatt dient nun als Hülle.
Ben stellte dazu einen 2023er Verduno Pelaverga Burlotto auf den Tisch. Am Ende des Abends war die Flasche leer.
Jürgen Dollase dokumentierte dieses Gericht im Mai 2025 in Westerland zusammen mit Jörg Müller. Die Aufnahme findet sich im „Deutschen Archiv der Kulinarik“.
Gebackene Zwetschgen auf Armagnacschaum mit Walnuss – Krokant Eis

Ein schlichtes, elegantes Tellerbild, kaum Dekor. Die Produkte standen im Fokus. Klare, saubere Kontraste: die warme, fruchtige Zwetschge und das kalte Eis.
Fazit: Die neuen Inhaber sind auf dem richtigen Weg. Wir (Stamm) Gäste sollten sie dabei unterstützen.

Nach dem Frühstück steht eine Walking-Tour an. Bei angenehmen Temperaturen führt uns der Weg heute zum Strand. Da wir keine Fans von Strandkörben sind, machen wir es uns auf den Bänken bequem. Ein kurzer Spaziergang durch den Sand bis ans Wasser rundet den Ausflug ab. Die frische Meeresluft und der Blick auf die Wellen entspannen – und machen schnell wieder hungrig. Da wir am Abend im „Web Christel“ reserviert haben, begnügen wir uns mit einem Crêpe mit Zimt und Zucker und einem Glas Weißwein.

Sylt Tag 4
Unsere Reservierung für 17.30 Uhr war natürlich bestätigt, doch man wies uns mehrfach darauf hin, dass wir nach zwei Stunden fertig sein müssten. Diese ständigen Wiederholungen nervten. Bei schönem Wetter saßen wir draußen unter einem großen Schirm. Nach dem obligatorischen Brot mit Griebenschmalz folgte ein Carpaccio aus Jakobsmuschel und Lachs. Mit der Rollentechnik gelingen hauchdünne Scheiben, das Mango-Limetten-Dressing unterstrich den feinen Geschmack des Fisches. Ob der kleine Salat dazu nötig war, sei dahingestellt. Gestört haben mich der Dill und die unvermeidlichen Erbsensprossen.

Die Tafelspitzconsommé mit Sherry war gut abgeschmeckt, voller Umami, doch der Sherry blieb geschmacklich unauffällig. Dazu gab es ein gefülltes Strudelteigtäschchen.

Das Rinderfilet kam wie bestellt medium rare auf den Tisch, begleitet von frischen Pfifferlingen und Kartoffelgratin. Der Soße fehlte jedoch die Tiefe.


Zum Dessert gab es ein schmelzendes Tonkabohnenparfait mit Beeren.

Als Weißwein wählte ich einen Sauvignon Blanc, der leider nicht zum Carpaccio passte – mein Fehler. Der 2022er Spätburgunder R vom Weingut Hansjörg Rebholz (0,375 l) harmonierte hingegen perfekt mit dem Filet. Erfreulich: Die Weinkarte bot viele 0,375-l-Flaschen, sowohl Weiß- als auch Rotwein – eine Seltenheit in Restaurants. Als Abschluss noch eine Wildkirsch vom Martin Albrecht. Weder verwandt noch verschwägert – leider.
Fazit: Gemütliches Ambiente, starke Weinauswahl in halben Flaschen, solide Küche mit Luft bei Saucen, ideal für sommerliche Abende draußen.




Tag 3 – Sylt
Nach dem Frühstück ließ ich meine Walking-Tour ausfallen. Stattdessen fuhr ich um 10.30 Uhr nach Wenningstedt zur Friesenkapelle. Dort begann um 11.00 Uhr die Trauerfeier für Jörg Müller, der nach langer Krankheit im Alter von 79 Jahren gestorben war.

1992 besuchte ich zum ersten Mal sein Restaurant. Zwischen 1995 und 2004 nahm ich regelmäßig an seinen Kochkursen teil, die jeweils vier Tage dauerten. Die Termine lagen im Februar oder November, wenn es auf Sylt ruhiger zuging. Die Themen reichten von „Seminar für Fortgeschrittene“ über „Italienische Küche“ bis zu „Spezialitäten von Land und Meer“. Übernachtet wurde stets im Hotel, das zum Restaurant gehörte. Trotz des Stresses waren es immer angenehme Tage.
Müller leitete die Kurse persönlich, obwohl er gleichzeitig das Tagesgeschäft bewältigen musste. Damals hatte sein Restaurant auch mittags geöffnet. Er erklärte jeden Gang, gab Zubereitungstipps und achtete darauf, dass während der Vorbereitungen kein Alkohol floss. Beeindruckend war sein wirtschaftliches Denken: Ohne Sponsor musste er seine Investitionen selbst erwirtschaften. Anhand eines Lammgerichts zeigte er, wie er vorging. Er kaufte ein ganzes Lamm von der Insel und verwertete es vollständig. Das Gourmetrestaurant bekam den Rücken, während Schulter und Keule im „Pesel“, seinem Bistro, landeten. Die Knochen schabte er gründlich ab und verarbeitete sie zu Lammfrikadellen oder seinen legendären Bratwürsten, die er auch als Amuse-Bouche im Gourmetrestaurant servierte. Aus den Knochen kochte er in einem aufwendigen Verfahren eine sämige Sauce.
Viele Jahre waren wir Gäste in seinem Restaurant und später auch im Hotel. Es waren stets schöne Aufenthalte. Hoffen wir, dass es ohne ihn weitergeht – ich bin zuversichtlich.

Am späten Nachmittag kehrten wir ins „Fisch Hüs“ ein. Eigentlich wollte Irmtraud bei Blum „Grüne Heringe“ essen, doch die gab es an diesem Tag nicht.

Sie bestellte stattdessen Wolfsbarsch, der gut gebraten und gewürzt war.

Ich wählte eine Bouillabaisse aus Nordseefischen, die leider etwas Würze vermissen ließ,

und anschließend Labskaus. Dazu tranken wir einen Grauburgunder vom Weingut Dr. von Bassermann-Jordan. Auf der Karte entdeckte ich den Wildkirsch Nr. 1 von Ziegler – in den 1980er-Jahren ein Kult-Digestif. Natürlich bestellte ich ihn, und Erinnerungen wurden wach. Es war ein angenehmer Aufenthalt auf der Terrasse.

Tag 2 – Sylt

Uns erwartet ein ausgiebiges Frühstück. Das Buffet ist reichhaltig und liebevoll angerichtet. Es bietet herzhafte Spezialitäten, frischen Fisch und süße Leckereien. So findet jeder etwas nach seinem Geschmack.

Frisch aufgebrühter Kaffee kommt an den Tisch. Den Tee kann sich jeder nach den eigenen Vorlieben selbst zubereiten. Auch die Eierspeisen werden frisch und individuell zubereitet, ob Rührei, Spiegelei oder Omelett.

Zum Auftakt des Morgens stoßen wir gemeinsam mit einem Glas Champagner auf den Urlaub an. Ein schöner Beginn für einen entspannten und genussvollen Tag.
Nach einer kurzen Verschnaufpause mache ich mich zunächst auf meine Walking-Tour. Am Ende zeigt meine Uhr rund 9.000 Schritte an. Danach gehe ich noch einmal unter die Dusche, und wir machen uns fertig, denn Hanne und Herbert wollen uns gegen 13 Uhr abholen. Die beiden sind bereits seit einer Woche mit dem Auto auf der Insel unterwegs. Wir haben also fast immer unser eigenes Taxi.
Diesmal geht es in den Süden, nach Hörnum. Wir kommen an Samoa und Sansibar vorbei. Beide stehen dieses Jahr allerdings nicht auf dem Programm. In Hörnum ist es gar nicht so einfach, einen Parkplatz zu finden. Gut, dass Handy und App helfen. Danach machen wir einen kleinen Spaziergang zur Südspitze der Insel.

Nach so viel frischer Luft meldet sich bald der kleine Hunger. Hanne schlägt das Café und Restaurant „Sonniger Süden“ vor. Im „Lund“ waren wir schließlich schon sehr oft. An der Kuchentheke bestellen wir jeder ein Stück Kuchen und dazu einen Pott Kaffee.

Nach der Rückkehr ins Hotel ruhen wir uns ein wenig aus. Die beiden letzten Tage waren ganz schön stressig, und die Seeluft tut ein Übriges. Irmtraud möchte auf dem Zimmer bleiben. Ich habe aber noch Lust auf etwas Deftiges und auf einen Schluck guten Rotwein.

In der Bar komme ich auf meine Kosten. Mo kennt meine Wünsche, da wir oft Gast in der Bar sind. Schnell steht der Hausaperitif vor mir. Anschließend folgt meine geliebte Lammbratwurst mit Kartoffelsalat. Dazu ein 2010er Paul Jaboulet Aîné Crozes-Hermitage „Domaine de Thalabert“. Ein konzentrierter und kräftiger Wein mit herrlichen Würz- und Röstaromen.

Ich freue mich auf weitere interessante Tage auf Sylt.
Tag 1 – Sylt
Die Koffer stehen bereit. Gegen 14.15 Uhr fahren wir zum Flughafen Kassel. Wir parken das Auto, geben das Gepäck auf und gehen durch die Sicherheitskontrolle. Alles läuft entspannt. Kein Stress.

Über den Wolken
Um 15.25 Uhr hebt unser Flieger ab. Um 16.30 Uhr landen wir in Westerland auf Sylt.

Anflug nach Sylt über den Weinberg
Hanne und Herbert holen uns wie immer freundlich ab. Nach einer kurzen Begrüßung fahren wir zuerst zu Gosch in List.

Dort bestellen wir eine Meeresfrüchteplatte und eine Flasche Sauvignon Blanc. Salz, Meer und frischer Fisch liegen in der Luft. Hurra, wir sind endlich wieder auf Sylt.

Danach fahren wir ins Hotel Restaurant Jörg Müller in Westerland. Für uns ist es seit Jahren ein vertrauter Ort. Wir packen die Koffer aus und gehen in die Bar. Über dem Haus liegt Trauer, denn Jörg Müller ist leider am 09. August im Alter von 79 Jahren verstorben. Trotzdem ist die Begrüßung wie immer sehr herzlich.