Storchen – Bad Krozingen 2026-04-24

Die letzte Station unserer Gourmet-Tour war das Restaurant Storchen in Bad Krozingen-Schmidhofen. Das etablierte Haus trägt einen Michelin-Stern. Er steht für Qualitätsbewusstsein und Konstanz. Kreative Interpretationen ergänzen die regionale Herkunft der Zutaten. So entstehen ausgewogene Geschmackserlebnisse. Der Service wirkte fachkundig und aufmerksam. Eine passende Weinbegleitung unterstützt ihn. Der badische Gasthof von 1764 hat geschmackvolle Stuben die ländlich eingerichtet sind. Ein alter Kachelofen und die umlaufende Holtäfelung unterstreichen diesen Stil. Vater und Sohn Helfesrieder stehen mit zusätzlichen Personal in der Küche, während die Ehefrauen servieren.

Das Menü verbindet regionale Tradition mit moderner Küche in perfekter Balance. Mit Liebe zum Detail entstehen neu interpretierte Klassiker:

Als Amuse-Bouche gab es hausgebackenes Brot mit Griebenschmalz und Kräuter-Hüttenkäse – ein rustikaler Auftakt.

Es folgte hausgebeizter Island-Saibling mit Spargel, Buttermilch und Kräutern.

Besonders beeindruckte das raffinierte Storchenwirt’s Sandwich, das Hummer und Schwarzwaldhuhn in einem harmonischen Zusammenspiel vereint.

Junge Karotten mit Hummus und der feinen Bitterkeit von Berberitzen spielten gekonnt mit süß-säuerlichen Aromen.

Der Zander brachte die Frische heimischer Gewässer auf den Teller.

Eine kleine Erfrischung bereitete den Gaumen auf das Finale vor:

Dreierlei vom Glottertäler Weiderind, begleitet von cremiger Kartoffel mit Waldkräutern, Erbsen und gebratenem Spargel – ein Fest für die Sinne.

Den süßen Abschluss bildete eine dekonstruierte Version des Bienenstichs: Topfenmousse, geschorter Rhabarber und erfrischendes Sauerampfer-Eis. Ein zartes, doch ausdrucksstarkes Finale, das den Abend stilvoll abrundete.

Gesamzeindruck: ein guter Stern 7.3/10. Es war ein verlässlicher, hochwertiger Abschluss einer Reise durch die feine Küche. Ruhig, konzentriert und genussvoll. Ein Muss für Liebhaber stilvoller, regional inspirierter Kreationen in gehobenem Ambiente.

Troisgros – Ouches 2026-04-23

Die Gourmet-Tour ging am nächsten Mittag weiter. Ziel war das Drei-Sterne-Haus Troisgros in Ouches, in der Nähe von Roanne. Über Autobahnen und Département-Straßen erreichten wir das Haus. Es liegt irgendwo im Nirgendwo.

Vom sonnenbeschienenen Eingangshof mit duftenden Blumen und Kräutern führt der Weg zunächst durch einen recht dunklen, schmalen Flur. Rechts und links lagern Weinflaschen. Dann geht es weiter zum Empfangsraum und in die Küche.

Die Küche ist sehr groß und bietet einen Blick in die Natur. Ob die vielen fleißigen Hände das genauso sehen?

Hier empfing uns Küchenchef César Troisgros, Jahrgang 1986, sehr herzlich. Seine Mannschaft arbeitete bereits an den verschiedenen Vorspeisen. Bei einem Teller sah ich genau hin: Der Koch zählte die vorhandenen Gemüse Teile sehr sorgfältig ab.

Weiter ging es in den Speisesaal. Der gläserne, U-förmige Raum lässt die Gäste fühlen, als säßen sie mitten in der Natur. In der Mitte des U ragt ein beeindruckender, 150 Jahre alter Baum empor. Er gibt dem Raum seine unverwechselbare Atmosphäre.

Das Design nimmt den Bezug zur Natur auf. Metallsäulen erinnern an Baumstämme und verbinden die Architektur mit der Umgebung. Der Holzboden verstärkt das Naturerlebnis und lässt die Gäste die Nähe zur Umwelt spüren.

Die Gestaltung erinnerte mich an das Restaurant La Grenouillère in La Madelaine-sous-Montreuil. Auch dort verschmelzen Innenraum und Natur nahtlos. Dieses Restaurant haben wir 2015 besucht und in den „Hütten“ auch übernachtet. Eine genauere Recherche zeigt: Beide Bauwerke stammen vom Architekten Patrick Bouchain. Er ist bekannt für seine Fähigkeit, Räume zu schaffen, die Natur und Architektur harmonisch verweben.

Mit einem Glas Champagner „Billecart-Salmon starteten wir ins Menü.

Dazu reichte man uns verschiedene Amuse-Bouches, die hier liebevoll „Premières choses“ hießen. Besonders beeindruckten die hauchdünnen, gefüllten Tartelettes – eine wahre Gaumenfreude. Eines der Häppchen, wohl als Hommage an den berühmten Lachs, war Sauerampfer. Das Highlight bildete ein frittiertes Element, gekrönt von einem kleinen, frischen Blatt, das optisch wie geschmacklich glänzte. Dazu noch Brioche und Brot. Ein perfekter Auftakt zu einem kulinarischen Erlebnis.

Der erste Gang des Menüs hat mich begeistert – ein kleines Meisterwerk auf dem Teller! Die tiefrote Sauce, deren intensive Farbe sofort ins Auge springt, verbindet sich großartig mit den hauchdünn geschnittenen Jakobsmuscheln. Besonders beeindruckt hat mich der zarte Schleier aus Jakobsmuschelfond: Er wirkt nicht nur filigran, sondern rundet das Gericht geschmacklich perfekt ab. Seine intensive Jakobsmuschel-Note harmoniert wunderbar mit der Sauce und hebt den reinen Geschmack der Meeresfrucht hervor. Ein Auftakt, der Appetit auf mehr macht!

Beim nächsten Gang stehen die Blüten klar im Mittelpunkt – ein farbenfroher Akzent, der dem Gericht Leichtigkeit verleiht. Doch der grüne Spargel, die eigentliche Hauptzutat, fehlt auf der Karte. Dabei kommt er bereits vorgeschnitten und perfekt al dente auf den Teller. Darauf türmen sich Blüten, bedeckt von einer hauchdünnen Scheibe weißen Specks, vermutlich Lardo. Eine geschmacklich reizvolle Kombination, doch die Karte sollte das Gericht vollständig beschreiben – Spargel und Speck gehören nicht nur auf den Teller, sondern auch ins Menü. So wüsste man bei der Bestellung genau, was einen erwartet.

Das nächste Gericht polarisiert. Manche verabscheuen Kutteln, andere – wie ich – lieben sie. Sofort denke ich an Kuttelgerichte aus der Normandie oder an die Küche von Vincent Klink. „Textures, l’une avec l’autre“ präsentiert Kutteln aber in einer modernen, eleganten Form, die sie kaum wiedererkennen lässt. Die Kombination aus Kutteln, Morcheln und hellem Gemüse ist ein Meisterwerk der Kontraste – puristisch und raffiniert zugleich.

Hier versteht man, warum dieses Haus seit 50 Jahren drei Sterne trägt – und das über drei Generationen hinweg. Für mich ein Gericht, das ich mit 10 von 10 Punkten bewerte.

Ein vegetarisches Gericht, das mit Worten spielt: Muscade, roule en Bouche. Hier rollt nicht riskant viel Muskat, sondern verschiedene Komponenten buchstäblich „im Mund“. Das Gericht lebt vom Gleichgewicht aus Textur und Präzision.

Weiter geht’s mit Zander. Sein zartes, helles Fleisch passt perfekt zu Gerichten, die Zurückhaltung mit Raffinesse vereinen. Besonders saftig wird er, wenn man ihn, wie hier, schonend gart. So entfaltet er seinen milden, leicht süßlichen Geschmack.

Das i-Tüpfelchen: die aromatisch-pikante Tomatenbutter. Sie bringt Frische und eine angenehme Würze, ergänzt den zarten Zander und lässt ihm dennoch den Vortritt.

Ein Gericht von schlichter Eleganz – ideal für alle, die feine Aromen lieben.

Wieder eine Innerei, die begeistert und polarisiert: Kalbsbries mit Strohkartoffeln. Diese Kombination verwöhnt den Gaumen. Das zarte, buttrige Bries entfaltet seinen einzigartigen Geschmack und harmoniert perfekt mit den knusprig-goldbraunen Kartoffeln. Ein delikates Kräuteröl verleiht Frische und Aroma, während ein Hauch Orange das Gericht elegant abrundet und ihm Raffinesse schenkt. Dieses Meisterwerk zeigt, wie vielseitig und köstlich Innereien sein können – ein Genuss, der überzeugt und jeden Feinschmecker begeistert! 10 von 10

Ein unvergesslicher Nachmittag, der kulinarisch und atmosphärisch begeistert. Der Käsewagen bot eine beeindruckend breite Auswahl regionaler Sorten, die in Qualität und Stil das hohe Niveau des Menüs hielten. Desserts und Petit Fours rundeten das Erlebnis harmonisch ab, bevor der Genuss im wunderschönen Garten seinen perfekten Abschluss fand.

Weinbegleitung: Die Weine harmonierten hervorragend mit den Gerichten und unterstrichen die Aromen jeder Speise. Ob kräftige Weißweine oder leichte, aromatische Tropfen im Hintergrund – die Auswahl prägte die Gesamtstimmung entscheidend.

Gesamteindruck: Ein durchweg gelungenes Essen, das den Anspruch eines Drei-Sterne-Plus-Erlebnisses mit entspannter Gartenatmosphäre vereint. Eine klare Empfehlung für Feinschmecker, die die perfekte Balance von Speisen, Wein und Ambiente schätzen.

Bewertung: 9/10

L’Auberge du Pont de Collonges 2026-04-22

Paul Bocuse

40 Rue de la plage

69660 Collonges-au-Mont-d’Or

Der Mythos Paul Bocuse lebt – auch acht Jahre nach dem Tod des Jahrhundertkochs und sechs Jahre nach dem Verlust des dritten Michelin-Sterns. Doch was ist das Haus Paul Bocuse heute? Bröckelt hier ein Denkmal, wirkt es wie ein kulinarisches Museum oder bewahrt es die klassische französische Küche? Nach meinem Besuch sage ich: von allem etwas. Vor allem, aber bleibt die Frage: Muss ein Gourmet einmal im Leben hier gewesen sein?

Paul Bocuse war eine unbestrittene Legende der Gastronomie. Sein Name steht für Spitzenküche, Innovation und die Pflege französischer Kochtradition. Sein Restaurant in Lyon galt und gilt als Pilgerstätte für Feinschmecker aus aller Welt. Der Verlust des dritten Sterns im Michelin-Führer 2020 wurde von vielen als Zäsur empfunden – doch ist der Mythos damit wirklich verblasst?

Hannes Buchner vom Gourmet-Portal organisierte die Fahrt bei Lyon. Wir übernachteten im Hotel Pullman nahe dem Bahnhof Lyon-Part-Dieu. Folgende Besuche standen auf dem Programm: Am ersten Abend wählten wir zwischen den Restaurants La Mère Brazier und Paul Bocuse. Am nächsten Tag aßen wir gemeinsam im Drei-Sterne-Restaurant Troisgros in Ouches zu Mittag. Auch das Restaurant Marcon in Saint-Bonnet-le-Froid stand zur Auswahl, doch wir verzichteten darauf. Acht Personen hatten sich für die Reise angemeldet. Am ersten Abend speisten jeweils vier von uns bei Bocuse und Brazier, das Mittagessen am nächsten Tag genossen wir alle zusammen. Hannes Buchner organisierte alles hervorragend.

Ein Bus brachte uns vier in etwa 20 Minuten vom Hotel zum Restaurant. Am Eingang empfing uns der Wagenmeister und führte uns zum Restauranteingang. Am Restaurant angekommen, ging alles plötzlich sehr schnell. Ich wollte eigentlich ein Foto von der offenen Küche machen, die eine Glasscheibe vom Eingangsbereich trennt. Doch das Personal brachte uns zügig an unseren Tisch. Kurz darauf lag die Speisekarte vor uns; das Menü „Tradition“ war für uns bereits vorbestellt. Da ich aber Interesse an der „Volaille de Bresse“ hatte, änderte man für mich den Hauptgang. Drei von uns wählten diesen Gang, einer das angebotene Filet. Die Auswahl zog sich etwas hin, da wir eine bunt gemischte Gruppe waren. Unsere Mitfahrer hatten solche Fahrten mit Hannes schon öfter erlebt, für uns war es das erste Mal.

Zum Auftakt erhielten wir alle ein Glas Champagner, dazu stellte man einige Amuse-Bouches auf den Tisch, die jedoch kaum der Rede wert waren. Dann kam die Weinkarte – ein Wälzer, in dem sich kaum jemand zurechtfindet.

Wir beschlossen, uns auf einen Weißwein zu konzentrieren und zum Fleisch  ein Glas Rotwein zu nehmen. Ich blätterte kurz in dem Wälzer und entschied mich für eine Flasche 2018 Domaine Jacques Prieur Meursault 1er Cru Santenots. Den Rotwein, ein Hermitage 2021 Domaine du Colombier, schenkte man uns dann auch zum Käsegang ein.

Frühlingsfrikassee vom Blauen Hummer mit Gemüse der Saison

Das Gericht vereint den feinen Geschmack des Blauen Hummers mit frischem Saisongemüse wie grünem Spargel und jungen Karotten. Die leichte, aromatische Zubereitung betont die Natürlichkeit der Zutaten. Diese Frische und Harmonie überzeugen, auch wenn ein Vergleich mit einem ähnlichen Gericht gestern Abend von Keller in Oberbergen zeigt, dass dort Würze und Textur noch etwas besser gelingen. Dennoch bleibt das Frühlingsfrikassee am Paul Bocuse ein gelungenes Geschmackserlebnis.

Mit der Angel gefangener Gelbflossen-Seehecht, cremige Muschelsoße, garniert mit Vichyssoise

Der Gelbflossen-Seehecht beeindruckt mit zarter Textur und feinem Aroma, wurde jedoch etwas trocken serviert. Die cremige Muschelsoße mit mildem Meeresgeschmack harmoniert hervorragend mit dem Fisch und gleicht den Mangel aus. Die Beilage irritiert jedoch: Statt der klassischen Vichyssoise, einer kalten Kartoffel-Sahnesuppe, kam eine einfache Salzkartoffel auf den Teller – vermutlich ein Fehler in der Menübeschreibung. Diese Diskrepanz trübte den ansonsten stimmigen Eindruck.

Geflügel aus Bresse (AOP) mit Estragonessig, Lyoner Kartoffeln

Die Volaille de Bresse, eine der edelsten Geflügelspezialitäten Frankreichs, überzeugt hier mit butterzartem Fleisch und intensivem Geschmack. Das Tranchieren der Brust am Tisch setzt das Produkt gekonnt in Szene. Die Sauce mit Estragonessig bringt eine frische, leicht herbe Note, die perfekt mit dem würzigen Geflügel harmoniert. Die gut gewürzten Keulen und die klassischen pommes lyonnaises ergänzen das Gericht ideal. Diese Kombination aus Tradition, Raffinesse und handwerklicher Präzision macht es zu einem Höhepunkt für Liebhaber der französischen Küche.

Frische und gereifte Käsesorten aus unserer Region

Ein seltener Genuss: Der Käsewagen wird vorgefahren. Aus den gereiften Sorten wähle ich drei regionale Spezialitäten. Der Service berät dabei kompetent und freundlich.

Kulinarische Köstlichkeiten, präsentiert auf unserem Servierwagen

Auch der süße Abschluss des Menüs überzeugt. Ein kräftiges Schokoladentörtchen begeistert mit intensiven Aromen. Danach folgen ein Espresso und eine Mirabelle. Die Petit Fours lasse ich mir einpacken – ein schöner Ausklang.

Fazit: Die Auberge bewahrt das Erbe der klassischen französischen Küche und setzt dabei behutsam moderne Akzente. Die Atmosphäre atmet Tradition und Respekt vor den Wurzeln, was manche als altmodisch empfinden mögen. Doch gerade diese Hingabe an klassische Techniken und Zutaten verleiht dem Haus seinen unverwechselbaren Charme. Trotz gelegentlicher Kritik bleibt das Restaurant eine Institution der Kulinarik. Der hohe Personalaufwand unterstreicht den Anspruch.

Für Gourmets, die die Geschichte und Entwicklung der französischen Haute Cuisine erleben möchten, bietet das Haus eine einzigartige Erfahrung. Es ist kein verstaubtes Denkmal, sondern ein lebendiges Museum der Kochkunst, das Tradition pflegt und bewahrt. Jeder Gourmet sollte diesen Ort besuchen, um die Essenz der klassischen französischen Küche zu erleben und den Geist des Jahrhundertkochs Paul Bocuse zu spüren.

Bewertung: Knapp über 8/10, also ein schwacher zweiter Stern. Der Fischgang ein Stern, dafür der Fleischgang nahe an drei Sternen.

Schwarzer Adler, Oberbergen – 2026-04-21

 Franz Keller

Ein Aufenthalt der besonderen Art. Eine Gasstätte Mitten im Ort gelegen wie so viele in Deutschland. Die meisten dieser Gaststätten bieten aber meistens nur Speis und Trank aus der Gefriertruhe oder servieren für viel Geld Convenience -Produkten an.

Dieses Haus ist aus der Art geschlagen. Weine, Restaurant und Hotel unter einem Dach. Diese Reihenfolge ist vom Haus  Keller wahrscheinlich auch bewusst gewählt. In erster Linie ein Weingut mit nationaler und internationaler Bedeutung. Dann eine örtliche Gaststätte, aus der im Laufe der Jahre und Jahrzehnte ein anerkanntes Restaurant wurde und da man nach dem Weingenuss nicht mehr aus dem Haus muss, gibt es auch entsprechende Zimmer. Seit 1969 leuchten die Sterne des Guide Michelin über dem Haus.  Mit einer Ausnahme.

1969: Erster Michelin-Stern unter Irma Keller.

1974–1976: Das Restaurant hielt unter Franz Keller jun. zwei Sterne

2020: Der Stern wurde nicht mehr vergeben.

2021: Ein Jahr später bekam man wieder den Stern

Hat man sich zu einem Besuch im Schwarzen Adler durchgerungen, sollte man folgendes beachten:

Natürlich einen Tisch bestellen und gleichzeitig auch ein Zimmer reservieren. Die Weinkarte im Internet herunterladen und aufmerksam studieren. Es ist fast unmöglich diesen dicken Wälzer am Tisch in Ruhe durchzulesen. Auch sollte man die Speisekarte im Internet lesen. Man wird, so wie wir, einen unvergesslichen Abend erleben. Besser wäre es  vielleicht, dieses Vergnügen auf den Mittag legen und dann im Sommer auf dem Freisitz zu speisen.

Zuerst wird aber die berühmte WM-Ecke angesehen. Der Patenonkel von Fritz Keller ist ja Fritz Walter. Er feierte mit der Nationalmannschaft 1954 den WM-Sieg im Restaurant Schwarzer Adler in Oberbergen

Das Menü umfasst fünf bis sieben Gänge. Zu jedem Gang gibt es einen passenden Wein. À la carte stehen drei Vorspeisen oder Zwischengänge, zwei Hauptgerichte, ein Käsegang und Desserts zur Wahl. Für zwei Personen gibt es Spezialitäten wie Bresse-Huhn von Odefey & Töchter oder Huhn in der Blase.

Wir wählen sechs Gänge von der Karte, lassen den Käsegang aus und teilen uns die ersten beiden. Schließlich wissen wir, was die nächsten drei Tage bringen.

Zum Start trinken wir ein Glas Grande Cuvée aus dem Hause Keller, 0,1 Liter. Dazu kommt eine Scheibe Ententerrine. Brot und Butter folgen rasch. Vorab knabbern wir an Blätterteigstangen.

Der Frühling meldet sich auf dem Teller. Gebeizter Wolfsbarsch, hauchdünn geschnitten und kunstvoll angerichtet, trifft auf knackige Mairübchen und die sanft pfeffrige Frische der Brunnenkresse. Die Sauce verbindet alles. Chorizo-Öl bringt würzige Tiefe. Ein Frühlingsgruß, der die Sinne weckt und das Menü eröffnet.

Der zweite Gang vereint die feinen Aromen der blauen Garnele mit der Würze einer Café-de-Paris-Butter. Gewürfelter Kalbskopf bringt eine herzhafte Note ein, Hechtklößchen eine leichte fischige Nuance. Frische grüne Erbsen setzen farbliche Akzente und sorgen für angenehm süße Frische. Zusammen ergibt das eine stimmige Komposition. Dazu kommt ein Weißburgunder „Scherben“ 2022 vom Weingut am Klotz im Markgräflerland. Der Wein überzeugt mit feiner Säure und einer dezent zitronigen Frucht.

Der Seeteufel ist fest im Biss und zugleich wunderbar zart. Grüne Oliven, Dal-Linsen und Joghurt begleiten ihn. Seine besondere Textur bringt den Geschmack des Meeres klar zur Geltung, ohne an Saftigkeit zu verlieren. Die Oliven und Linsen setzen einen angenehmen Kontrast. Ihre weiche Konsistenz harmoniert mit der Bissfestigkeit des Fisches. Der Joghurt fügt eine frische, cremige Note hinzu. Das Gericht verbindet unterschiedliche Elemente zu einem ausgewogenen Geschmackserlebnis. Dazu passt ein Château Carbonnieux blanc 2013, ein würziger, leuchtender Weißwein mit intensiven Pfirsichnoten und mineralischem Charakter. Vollmundig und lebendig durch seine frische Säure.

Das Kalbsbries ist für mich der Höhepunkt des Menüs. Zart und fein fängt es die Frische des Frühlings perfekt ein. Frische Morcheln und knackiger grüner Spargel ergänzen das Gericht mit erdigen und grünen Aromen. Eine mit Vin Jaune verfeinerte Sauce gibt dem Ganzen nussige Tiefe und rundet die Aromen harmonisch ab. Dazu wird ein Grauburgunder Selection „A“ 2002 vom eigenen Weingut serviert. Der Wein zeigt sich komplex und tiefgründig, mit kaum noch spürbarer Säure. Sein Charakter erinnert an Sherry und macht die Kombination mit dem Kalbsbries und der delikaten Sauce zu einem unvergesslichen Genuss. Ein Frühlingsgruß auf dem Teller und im Glas.

Der nächste Gang, Wachtel aus Challans im Blätterteig, wirkt dagegen etwas schwer. Das Fleisch ist zwar perfekt gegart, doch der Teig überdeckt die feine Zartheit. Bärlauch, Kohlrabi und Shiitake begleiten das Gericht. Ein Château Nenin 1992 rundet es ab. Er hat eine brillante Farbe und entfaltet ein fruchtig-frisches, blumiges Bouquet.

Auf den Käsegang verzichten wir. Wir wissen ja, was in den nächsten Tagen auf uns zukommen soll.

Statt der Gariguette-Erdbeere wählen wir aus dem À-la-carte-Programm Tarte Tatin flambée mit Vanilleeis und Calvados. Ich bekenne: Normandie-Fan; deshalb die Tarte Tatin – flambiert, mit Calvados.

Ein Gläschen Calvados und ein Espresso runden den süßen Abschluss eines Menüs ab, das nach meiner Auffassung knapp unterhalb des zweiten Sternes steht. 7.6 von 10

Speisekarte https://speisekarten.wordpress.com/2026/04/27/schwarzer-adler-oberbergen/

Vier Tagen-sieben Michelin-Sterne

Hinter uns liegt eine faszinierende Reise. In vier Tagen besuchten wir vier außergewöhnliche Restaurants und genossen insgesamt sieben Michelin-Sterne.

Unsere Tour begann im Schwarzen Adler in Oberbergen, einem idyllischen Ort, der uns mit seiner Stille und malerischen Landschaft sofort verzauberte.

Von dort ging es weiter nach Lyon, die französische Metropole, die kulturell und kulinarisch beeindruckt. Hier verbrachten wir zwei Nächte.

Ein Höhepunkt war das legendäre L’Auberge du Pont de Collonges, einst geführt vom verstorbenen Paul Bocuse. Mit seinen zwei Michelin-Sternen bleibt es ein Tempel der Kochkunst. Die zubereiteten Gerichte und die elegante Atmosphäre hinterließen trotz kleiner Schwächen einen bleibenden Eindruck.

Weiter führte uns die Reise nach Ouches, wo das mit drei Sternen ausgezeichnete Troisgros auf uns wartete. Hier verschmolzen regionale Zutaten und kreative Kochkunst zu einem unvergesslichen Erlebnis, das unsere kulinarische Entdeckungsreise krönte.

Zum Abschluss kehrten wir in Bad Krozingen ein, einem charmanten Kurort, dessen gemütliche Gasthäuser uns mit herzlicher Gastfreundschaft empfingen. Im Sternerestaurant Storchen fanden wir den perfekten Ausklang für diese genussreichen Tage.

Fünf Tage voller kulinarischer Höhepunkte und bezaubernder Landschaften – eine Erfahrung, die uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Sylt, November 2025

November auf Sylt:

Eine kulinarische Reise beim Island Food Festival.

Im November zeigt sich Sylt von seiner ruhigen Seite. Die geschäftige Sommersaison klingt aus, viele Restaurants und Geschäfte schließen vorübergehend, um vor Weihnachten neue Kraft zu tanken. Doch Feinschmecker müssen nicht darben: Das „Island Food Festival“ sorgt für genussvolle Abwechslung.

Holger Bodendorf, der kreative Kopf hinter dem Landhaus Stricker, hat auch in diesem Jahr ein Fest für die Sinne organisiert. Über mehrere Tage präsentieren die besten Küchenchefs der Insel ihre Kreationen und laden spannende Gastköche ein. Bodendorf steht dabei nicht allein – eine Riege erstklassiger Gastgeber macht das Festival zu einem besonderen Erlebnis.

Wer sind diese Gastgeber? Da ist das Hotel & Restaurant Jörg Müller, ein Sylter Klassiker, der Tradition und Innovation vereint. Der Söl’Ring Hof unter Jan-Philipp Berner glänzt mit kreativer Küche, und erstmals dabei ist der Dorfkrug Bar und Grill von Thomas Samson, wo rustikale Gerichte moderne Akzente erhalten.

Auch Jan Nissen-Hünding vom Samoa Seepferdchen und Max Westphal aus Severin’s Resort & Spa bereichern das Festival. Gemeinsam gestalten sie ein Programm, das mit regionalen Zutaten, saisonalen Menüs und innovativen Ideen jeden Gaumen begeistert.

Wir hatten erneut bei Jörg Müller gebucht. Besonders lockte uns neben der neuen griechischen Küche von Nikos Billis das außergewöhnliche Angebot für Weinliebhaber: eine Verkostung ausgewählter Bordeaux-Raritäten. Doch drei Tage vor dem Termin sagte man die Veranstaltung ab, weil mehrere Teilnehmer abgesprungen waren. Stattdessen begann unser Aufenthalt bei Müller mit einem typisch griechischen Tavernenmenü.

Das Festival startete mit einem kulinarischen Abend im Severin’s Resort & Spa. Sylter Gastgeber, Gastköche, Produzenten und Gäste der teilnehmenden Häuser trafen sich dort zu einem genussreichen Auftakt. Neben den Sylter Gastgebern präsentierten auch Partnerbetriebe von der Insel ihre regionalen Produkte. Ein gelungener Start.

Der erste Abend bei Jörg Müller stand unter dem Motto „Taverna Müller – eine Nacht in Hella“. Eine Reise durch die Vielfalt der griechischen Küche, ohne die klassischen Gerichte wie Gyros, Souvlaki, Bauernsalat oder Bifteki zu servieren. Gastkoch Nikos Billis und sein Team verwandelten die Taverne mit ihren Gerichten in eine moderne griechische Oase. Teller um Teller landete auf dem Tisch, und jeder griff nach Lust und Appetit zu. Ein Abend voller lebendiger Aromen und mediterraner Leichtigkeit. Die „Meze“ wurden durch Weine vom Weingut Dr. Heger ergänzt, die überraschend gut dazu passten. Darauf ein Yamas!

Am zweiten Abend entführte uns Nikos Billis in die Welt des „Greek Fine Dining“: präzise, elegant und voller Überraschungen. Seine Lehrjahre bei Spitzenadressen wie Noma, Miramar, De Librije und zuletzt im W Costa Navarino, wo er nun Küchenchef ist, spiegelten sich in jedem Detail wider. Die griechische Küche zeigte sich in einem völlig neuen Licht.

Den letzten Abend auf Sylt verbrachten wir nicht auf der Abschlussfete in Tinnum, sondern blieben in Westerland. Da wir früh heimkehren wollten, entschieden wir uns für diesen ruhigen Abend ohne viel Alkohol.

Leber mit Zwetschgen, Steinbuttravioli und Garnele, danach Lammhaxe bzw. Seezunge. Zum Abschluss dann ein Apfelküchlein.

Dazu Weiß- und Rotwein (je 0,375 l) von Domaine Jacques Prieur. Auf den „Absacker“ an der Bar verzichteten wir diesmal.

Es waren ereignisreiche und bewegte Tage, die viel zu schnell vorbei gingen. Nach Sylt ist vor Sylt.

Philipp Soldan-Frankenberg

Freitagabend im Gourmetrestaurant Philipp Soldan – ein Fest für die Sinne. Das Menü entführt auf eine köstliche Reise, bei der mutige und raffinierte Geschmackskombinationen ein unverwechselbares Erlebnis schaffen. Jeder Gang begeistert: Texturen, Aromen und Timing harmonieren perfekt.

Der Service glänzt mit Professionalität, Herzlichkeit und unaufdringlicher Eleganz. Das Team umsorgt die Gäste aufmerksam und kompetent, ohne je aufdringlich zu wirken. Wir fühlten uns rundum willkommen und bestens betreut.

Ein Highlight ist die offene Küche. Zwar trennt eine Glasscheibe sie vom Gastraum, doch erlaubt sie spannende Einblicke. Die Köche arbeiten ruhig und konzentriert, während sie die Gerichte kunstvoll anrichten. Unter Hochdruck entstehen kreative Kompositionen, und Chefkoch Erik Arnecke bleibt dabei stets der ruhende Pol.

Auch die Weinkarte beeindruckt und lädt zu einer Entdeckungsreise ein. Dank des Coravin-Systems können selbst edelste Weine glasweise genossen werden, ohne die Flasche zu öffnen. So lassen sich exklusive Tropfen probieren, die sonst unerschwinglich blieben. Die Preise für 0,1 Liter reichten von 12 bis 38 Euro und bieten eine exquisite Auswahl, die perfekt zu den Gerichten passt.

Fazit: Eine außergewöhnliche kulinarische Reise – kreative Küche, makelloser Service, spannende Einblicke in die offene Küche und eine Weinauswahl, die überrascht und begeistert. Ein Ort für Genießer, die das Besondere suchen und sich gerne über Zutaten, Techniken und Aromen austauschen.

Bewertung: 7.5 von 10

Statt Champagner, nach langer Zeit wieder mal ein Sherry als Aperitif

Käsecreme – Schnittlauch Öl – Butter dazu selbstgebackenes Brot

Amuse Bouche

Amuse Bouche – Rindertatar – Salat (fast ein zusätzlicherGang)

In Nussbutter marinierter Kingfisch – Austernmousse – Kaviar

Getauchte Norwegische Jakobsmuschel – Sepia – Risotto Nero

Crepinet vom mild geräucherte. Perlhuhn – Mangold – Trauben Sauce

Sorbet

Duett vom Angnus Beef – Mais – Pfifferlinge

Eingeweckte Zuckeraprikosen – Mandeleis – Fenchelsud

Petit Four

Hotel Sonne in Frankenberg/Eder

Unser Aufenthalt im Hotel Sonne in Frankenberg war ein voller Erfolg. Die Erwartungen wurden weitgehend erfüllt, besonders bei Service und Atmosphäre. Das Hotel strahlt eine wohltuende Ruhe aus, die Entspannung und Erholung mühelos macht.

Mit seiner harmonischen Gestaltung lädt das Haus sofort zum Abschalten ein. Die Zimmer sind großzügig und stilvoll eingerichtet, sodass man sich auf Anhieb wohlfühlt. Anfang 2025 renovierte das Hotel die Räume und schloss dafür fast zwei Monate.

Das Personal war stets freundlich und hilfsbereit, was unseren Aufenthalt zusätzlich bereicherte.

Die Angebote des Hauses überzeugen durch Vielfalt und Qualität. Ob das üppige Frühstücksbuffet oder die erholsamen Wellnessanwendungen – hier findet jeder etwas Passendes. Auch der Spa-Bereich wurde modernisiert. Die zentrale Lage des Hotels, direkt neben dem historischen Rathaus von Frankenberg, macht es ideal für Gäste, die dem Alltag entfliehen und neue Kraft tanken möchten. Trotz der Innenstadtstraße blieb es angenehm ruhig.

Ein Höhepunkt war das Gourmetrestaurant Philipp Soldan unter der Leitung von Chefkoch Erik Arnecke, dass wir am ersten Abend besuchten. Der Stern ist absolut verdient. Die kunstvolle Präsentation der Speisen und die harmonischen Aromen überzeugten auf ganzer Linie. Die Gerichte waren nicht nur ein Genuss für den Gaumen, sondern auch fürs Auge. Der professionelle Service rundete das kulinarische Erlebnis perfekt ab.

Im Vergleich dazu fiel der Besuch in den „Sonne Stuben“ ab. Hier gibt es noch viel Luft nach oben. Die Speisen waren solide, doch fehlte das gewisse Etwas, das man in einem gehobenen Restaurant erwartet. Eine überarbeitete Speisekarte oder ein stärkerer Fokus auf regionale Zutaten könnten helfen, das Niveau zu heben und die Gäste mehr zu begeistern.

Fazit: Insgesamt war es ein gelungener Aufenthalt im Hotel und Spa, gekrönt von einem kulinarischen Höhepunkt im Gourmetrestaurant Philipp Soldan. Die Sonne Stuben bieten noch Potenzial zur Verbesserung, doch hoffe ich, dass künftige Besuche dort eine positive Entwicklung zeigen.

Sylt 09/2025-5 Söl’ring Hof

Der kulinarische Höhepunkt unseres Sylt-Aufenthalts im September 2025 war, wie schon in den Jahren zuvor, der „Söl’ring Hof“ in Rantum. Dieses herausragende 2-Sterne-Restaurant mit angeschlossenem Luxushotel liegt abgeschieden in den Dünen, umgeben von einer Landschaft, die mit endlosen Sandstränden auf beiden Seiten kaum zu übertreffen ist.

Jan-Philipp Berner, sein Küchenchef Jan Fehling  und sein Team verwandeln ihre Leidenschaft für beste Zutaten in wahre Meisterwerke. Die Speisekarten folgen dem Rhythmus der Natur und setzen auf saisonale und regionale Produkte. Mit jeder Jahreszeit erfindet sich die Küche des „Söl’ring Hofs“ neu und überrascht mit aufregenden Kreationen. Berner und Fehling legen großen Wert auf authentische Sylter Zutaten: Frisches Gemüse stammt aus den hauseigenen Gärten, würzige Kräuter von den Salzwiesen und heimische Fischer liefern fangfrische Meeresfrüchte. All das mündet in sechs-, sieben- oder achtgängigen Degustationsmenüs – ein Fest für die Sinne.

Nach einem herzlichen Empfang durch Restaurantleiterin Bärbel Ring wurden wir liebevoll ins Restaurant begleitet. Sie kennt ihre Gäste gut und erinnerte sich, dass wir vor zwei Jahren das Sofa nicht mochten. Kurz darauf brachte eine junge Dame den Aperitifwagen und stellte uns die köstlichen Optionen vor. Wir entschieden uns erneut für Champagner, diesmal in der Rosé-Variante. Auch Hausherr Jan-Philipp Berner ließ es sich nicht nehmen, uns persönlich zu begrüßen und einen wundervollen Abend zu wünschen.

Nach kurzer Überlegung wählten wir das empfohlene 6-Gang Menü. Zuvor verwöhnten uns fünf Amuse-Bouches, und zum Abschluss des Menüs servierte man uns fünf kleine Petit Fours.

Amuse Bouche: Sylter Rose/Rosenöl/rote Bete/Melisse – Tatar/Pommes Soufle/Kieler Sprotte – Kapuziner/Makrele/Radieschen – Rosenfrucht/gelbe Bete/Buchweizen – Siebkrabbe/Heilbutt/Dill

Kartoffelbrot und Sauerrahmbutter

Blumenkohl/Saiblingsrogen/Schnittlauch/Malz

Kaisergranat/Kürbisgewächs/Verbene/Hühnerhaut

Fjordforelle/Kopfsalat/Tomate/Liebstöckel Kabeljau & Hummer/ Mais/Bohnenkraut

Taube, Brust und Keule/Junger Kohl/Kürbiskern/Brombeere

Pflaume/Sauerampfer/Walnuss/Lavendel

Petit four: Sylter Rose/Buttermilch – Rantumer Kranz/Buchecker – Sanddorn/Nougat – Kiefer/weiße Schokolade – Pfirsich/Minze

Fazit: Ein wunderbarer Abend, der seinen Preis hatte – doch jeder Cent war es wert. Die beeindruckende Küche von Berner und seinem talentierten Team durften wir schon in den vergangenen Jahren genießen, und ich freue mich, dass die Qualität stetig steigt. Vom Geschmack bis zur Präsentation: einfach großartig!

Die Ente 2025

Die Ente Wiesbaden Nassauer Hof

Im Herzen von Wiesbaden, im renommierten Nassauer Hof, liegt das Restaurant „Ente“, seit Jahrzehnten eine Institution der Kulinarik. Hier entsteht nicht bloß Essen, sondern Kunst. Wer erinnert sich z.B. noch an „Dialog von Früchten“. Die Verbindung von Tradition und Offenheit für moderne Einflüsse macht die „Ente“ zu einem besonderen Ziel für Feinschmecker.

Seit 1980 trägt das Restaurant ununterbrochen einen Stern im Guide Michelin – ein Beweis für die Qualität der Speisen und die Leidenschaft, die in jedem Gericht steckt. Küchenchefs wie Hans-Peter Wodarz, Herbert Langendorf, Gerd M. Eis und der heutige Chef Michael Kammermeier haben der „Ente“ ihren Stempel aufgedrückt und sie geprägt.

Michael Kammermeier, der seit 2006 die Küche führt, hat das Restaurant mit Hingabe und höchsten Ansprüchen weiterentwickelt. Unter seiner Leitung verbindet die „Ente“ Tradition mit neuer Innovation. Seine Kreationen begeistern die Sinne und zeigen Kreativität und Feinsinn. Im August 2023 übernahm Jimmy Ledemazel die Rolle des Restaurantchefs. Mit Erfahrung und Enthusiasmus bringt er frische Impulse und bereichert das kulinarische Angebot.

Auch das Ambiente beeindruckt: Die stilvolle Einrichtung und die elegante Treppe, die die beiden Ebenen des Gastraums verbindet, schaffen eine exklusive Atmosphäre.

Bei unseren Besuchen in der „Ente“ haben wir uns in den letzten Jahren durch die Köstlichkeiten probiert – ob à la carte, das Entenmenü oder das opulente 7-Gang-Menü. Dieses Mal fiel unsere Wahl auf ein ganz besonderes Gericht:

Die Barbarie-Maisente „Prince de Dombes Jean Claude Miéral“.

Dieses Gericht für zwei Personen wird in drei Gängen serviert. Die Ente wird am Tisch präsentiert und anschließend tranchiert.

Zum Auftakt gab es kleine Amuse-Bouches und auf meinen besonderen Wunsch eine „Escalope“ von der Leber mit gebratenem Pfirsich. Dazu genossen wir einen 2023er Grauburgunder vom Weingut Kopp.

Der erste Gang: ein Brustteil, halbiert und in einer raffinierten Sauce serviert. Dazu frisches Gemüse und knusprige Beilagen. Das Gemüse – eine bissfeste Spitzkohlroulade – unterstreicht den vollmundigen Geschmack der Ente, die durch artgerechte Aufzucht und sorgfältige Zubereitung überzeugt.

Nach angemessener Pause folgte der zweite Gang: das zweite Brustteil. Außen knusprig, innen saftig – die Qualität blieb makellos. Als Beilagen gab es wilden Brokkoli, Wirsingblätter, Pfifferlinge und einen kleinen Knödel.

Der dritte Gang brachte die Keulen, zart und saftig, das Fleisch löste sich mühelos vom Knochen. Schwarze Trüffelscheiben veredelten diesen großartigen Abschluss.

Mit einem feinen Rotwein wurde das Gericht zum unvergesslichen Erlebnis. Gemeinsam mit dem Sommelière Sebastian Schupp wählten wir eine Flasche Spätburgunder Cuvée Max trocken, Jahrgang 2014, vom Weingut August Kesseler. Der Wein überzeugte mit reifen Beerennoten, mineralischer Tiefe und kräutriger Würze.

Zum krönenden Abschluss genossen wir das Dessert: die „kalte Ente“. Diese kreative Nachspeise überraschte mit Leichtigkeit und Frische. Sie rundete das Menü harmonisch ab. Besonders amüsant: das Sorbet in Entenform. Zum Schluss gab es noch Süßigkeiten – teils ebenfalls in Entenform –, Espresso und eine 2019er Mirabelle vom Guglhof.

Fazit: Dieses Menü ist nicht nur ein Fest für den Gaumen, sondern auch ein Abend voller Genuss und Geselligkeit. Die geschmorte Barbarie-Maisente „Prince de Dombes“ bleibt unvergesslich. Hier speist man nicht nur hervorragend, sondern genießt auch die Zeit in einem besonderen Rahmen. Die Kombination aus exzellenter Küche, erstklassigem Service und stilvollem Ambiente macht die „Ente“ zu einem Erlebnis, das lange nachhallt.