Troisgros – Ouches 2026-04-23

Die Gourmet-Tour ging am nächsten Mittag weiter. Ziel war das Drei-Sterne-Haus Troisgros in Ouches, in der Nähe von Roanne. Über Autobahnen und Département-Straßen erreichten wir das Haus. Es liegt irgendwo im Nirgendwo.

Vom sonnenbeschienenen Eingangshof mit duftenden Blumen und Kräutern führt der Weg zunächst durch einen recht dunklen, schmalen Flur. Rechts und links lagern Weinflaschen. Dann geht es weiter zum Empfangsraum und in die Küche.

Die Küche ist sehr groß und bietet einen Blick in die Natur. Ob die vielen fleißigen Hände das genauso sehen?

Hier empfing uns Küchenchef César Troisgros, Jahrgang 1986, sehr herzlich. Seine Mannschaft arbeitete bereits an den verschiedenen Vorspeisen. Bei einem Teller sah ich genau hin: Der Koch zählte die vorhandenen Gemüse Teile sehr sorgfältig ab.

Weiter ging es in den Speisesaal. Der gläserne, U-förmige Raum lässt die Gäste fühlen, als säßen sie mitten in der Natur. In der Mitte des U ragt ein beeindruckender, 150 Jahre alter Baum empor. Er gibt dem Raum seine unverwechselbare Atmosphäre.

Das Design nimmt den Bezug zur Natur auf. Metallsäulen erinnern an Baumstämme und verbinden die Architektur mit der Umgebung. Der Holzboden verstärkt das Naturerlebnis und lässt die Gäste die Nähe zur Umwelt spüren.

Die Gestaltung erinnerte mich an das Restaurant La Grenouillère in La Madelaine-sous-Montreuil. Auch dort verschmelzen Innenraum und Natur nahtlos. Dieses Restaurant haben wir 2015 besucht und in den „Hütten“ auch übernachtet. Eine genauere Recherche zeigt: Beide Bauwerke stammen vom Architekten Patrick Bouchain. Er ist bekannt für seine Fähigkeit, Räume zu schaffen, die Natur und Architektur harmonisch verweben.

Mit einem Glas Champagner „Billecart-Salmon starteten wir ins Menü.

Dazu reichte man uns verschiedene Amuse-Bouches, die hier liebevoll „Premières choses“ hießen. Besonders beeindruckten die hauchdünnen, gefüllten Tartelettes – eine wahre Gaumenfreude. Eines der Häppchen, wohl als Hommage an den berühmten Lachs, war Sauerampfer. Das Highlight bildete ein frittiertes Element, gekrönt von einem kleinen, frischen Blatt, das optisch wie geschmacklich glänzte. Dazu noch Brioche und Brot. Ein perfekter Auftakt zu einem kulinarischen Erlebnis.

Der erste Gang des Menüs hat mich begeistert – ein kleines Meisterwerk auf dem Teller! Die tiefrote Sauce, deren intensive Farbe sofort ins Auge springt, verbindet sich großartig mit den hauchdünn geschnittenen Jakobsmuscheln. Besonders beeindruckt hat mich der zarte Schleier aus Jakobsmuschelfond: Er wirkt nicht nur filigran, sondern rundet das Gericht geschmacklich perfekt ab. Seine intensive Jakobsmuschel-Note harmoniert wunderbar mit der Sauce und hebt den reinen Geschmack der Meeresfrucht hervor. Ein Auftakt, der Appetit auf mehr macht!

Beim nächsten Gang stehen die Blüten klar im Mittelpunkt – ein farbenfroher Akzent, der dem Gericht Leichtigkeit verleiht. Doch der grüne Spargel, die eigentliche Hauptzutat, fehlt auf der Karte. Dabei kommt er bereits vorgeschnitten und perfekt al dente auf den Teller. Darauf türmen sich Blüten, bedeckt von einer hauchdünnen Scheibe weißen Specks, vermutlich Lardo. Eine geschmacklich reizvolle Kombination, doch die Karte sollte das Gericht vollständig beschreiben – Spargel und Speck gehören nicht nur auf den Teller, sondern auch ins Menü. So wüsste man bei der Bestellung genau, was einen erwartet.

Das nächste Gericht polarisiert. Manche verabscheuen Kutteln, andere – wie ich – lieben sie. Sofort denke ich an Kuttelgerichte aus der Normandie oder an die Küche von Vincent Klink. „Textures, l’une avec l’autre“ präsentiert Kutteln aber in einer modernen, eleganten Form, die sie kaum wiedererkennen lässt. Die Kombination aus Kutteln, Morcheln und hellem Gemüse ist ein Meisterwerk der Kontraste – puristisch und raffiniert zugleich.

Hier versteht man, warum dieses Haus seit 50 Jahren drei Sterne trägt – und das über drei Generationen hinweg. Für mich ein Gericht, das ich mit 10 von 10 Punkten bewerte.

Ein vegetarisches Gericht, das mit Worten spielt: Muscade, roule en Bouche. Hier rollt nicht riskant viel Muskat, sondern verschiedene Komponenten buchstäblich „im Mund“. Das Gericht lebt vom Gleichgewicht aus Textur und Präzision.

Weiter geht’s mit Zander. Sein zartes, helles Fleisch passt perfekt zu Gerichten, die Zurückhaltung mit Raffinesse vereinen. Besonders saftig wird er, wenn man ihn, wie hier, schonend gart. So entfaltet er seinen milden, leicht süßlichen Geschmack.

Das i-Tüpfelchen: die aromatisch-pikante Tomatenbutter. Sie bringt Frische und eine angenehme Würze, ergänzt den zarten Zander und lässt ihm dennoch den Vortritt.

Ein Gericht von schlichter Eleganz – ideal für alle, die feine Aromen lieben.

Wieder eine Innerei, die begeistert und polarisiert: Kalbsbries mit Strohkartoffeln. Diese Kombination verwöhnt den Gaumen. Das zarte, buttrige Bries entfaltet seinen einzigartigen Geschmack und harmoniert perfekt mit den knusprig-goldbraunen Kartoffeln. Ein delikates Kräuteröl verleiht Frische und Aroma, während ein Hauch Orange das Gericht elegant abrundet und ihm Raffinesse schenkt. Dieses Meisterwerk zeigt, wie vielseitig und köstlich Innereien sein können – ein Genuss, der überzeugt und jeden Feinschmecker begeistert! 10 von 10

Ein unvergesslicher Nachmittag, der kulinarisch und atmosphärisch begeistert. Der Käsewagen bot eine beeindruckend breite Auswahl regionaler Sorten, die in Qualität und Stil das hohe Niveau des Menüs hielten. Desserts und Petit Fours rundeten das Erlebnis harmonisch ab, bevor der Genuss im wunderschönen Garten seinen perfekten Abschluss fand.

Weinbegleitung: Die Weine harmonierten hervorragend mit den Gerichten und unterstrichen die Aromen jeder Speise. Ob kräftige Weißweine oder leichte, aromatische Tropfen im Hintergrund – die Auswahl prägte die Gesamtstimmung entscheidend.

Gesamteindruck: Ein durchweg gelungenes Essen, das den Anspruch eines Drei-Sterne-Plus-Erlebnisses mit entspannter Gartenatmosphäre vereint. Eine klare Empfehlung für Feinschmecker, die die perfekte Balance von Speisen, Wein und Ambiente schätzen.

Bewertung: 9/10

Terra The Magic Place – Südtirol

Das magische Plätzchen: Dem Himmel so nah

Inmitten der beeindruckenden Alpen, auf 1600 Metern Höhe, thront dieses Restaurant und Hotel, ausgezeichnet mit zwei Michelin-Sternen. Schon die Anfahrt war ein Erlebnis. Nach einer erholsamen Nacht und einem Frühstück im Restaurant Kuppelrain sollte es eigentlich nach Bozen oder Meran zur Stadtbesichtigung gehen. Doch der Regen machte einen Strich durch die Pläne. Bereits beim Beladen des Autos wurde man klatschnass. Auf der Fahrt durch den Vinschgau nahm der Regen weiter zu. In Bozen wurde die Straße eng, und erst nach dem neuen Tunnel öffnete sich der Blick ins Sarntal. Hier ließ der Regen endlich nach.

In Sarntheim begann der kurvenreiche Aufstieg zum Hotel. Die Straße – eher Wald- und Feldwege – schlängelt sich durch grüne Wiesen und dichten Wald. Endlich tauchte der erste Hinweis zum Hotel auf, allerdings noch mit dem alten Namen „Auerer Hof“. Mit jedem zurückgelegten Kilometer wuchs die Vorfreude, bis man schließlich vor dem Hotel und Restaurant stand. Das Gebäude fügt sich harmonisch in die alpine Landschaft ein: Holz und Stein prägen das Erscheinungsbild, große Fenster geben den Blick auf die umliegenden Gipfel frei.

Gisela Schneider empfing uns herzlich. Sie führt das Haus gemeinsam mit ihrem Bruder Heinrich. Das Zimmer bot einen direkten Zugang zum Garten und einen atemberaubenden Blick auf die Berge. Die Einrichtung: gemütlich und stilvoll. Selbst Irmtrauds Beschwerden – Schwindel durch die kurvenreiche Anfahrt und die Höhenlage – verschwanden glücklicherweise mit Beginn des Abendmenüs.

Um 19.00 Uhr begann das Abendmenü. Der Speisesaal ein feines gelungenes architektonisches Gesamtkunstwerk. Offen bis unter das mit Holz verkleidete Dach, eine große Fensterfront sowohl in Richtung Eingang als auch in Richtung Garten mit Blick auf die Spitzen der umliegenden Alpen. Hier hatte man das Gefühl der Himmel sei greifbar nahe. Die Tische mit angenehm großem Abstand

Die Speiskarte liegt im blauen Briefumschlag schon auf dem Tisch. Sie wechselt je nach Saison und bietet regionale Spezialitäten, die auf eine moderne Art und Weise interpretiert werden. Jedes Gericht erzählt eine Geschichte und trägt das Flair der Berge in sich. Ob Fleischgerichte mit Kräutern aus der Region oder frisch gefangener Fisch – hier trifft Tradition auf Innovation.

Ich werde nicht auf alle Details des Essens eingehen. Erwähnen muss man aber, jedes einzelne Gericht enthielt mindestens ein wildes Kraut aus der Region.

Die Auswahl an Amuse-Bouche kombiniert kreative Ideen mit klassischen Techniken und hebt jede Zutat hervor. Jedes Gericht ein Fest der Aromen und erzählt seine eigene Geschichte und sorgt dafür, dass man ein unvergessliches Geschmackserlebnis genießen darf. Besonders gefallen hat uns der  kunstvoll gefertigte Rote Bete Macaron. Seine erdige Süße wird durch den leichten Traminer Reisschaum perfekt in Szene gesetzt

Marinierte Regenbogenforelle mit Sauerrahmousse und eingelegte Zwiebel

Südtirol ist bekannt für seine kulinarischen Hochgenüsse, und die beiden Fischgänge mit Regenbogenforelle und Bachforelle spiegeln dies auf beeindruckende Weise wider. Es ist interessant zu beobachten, dass hier bewusst auf Meeresfisch verzichtet wird. Stattdessen werden die frischen, regionalen Fische in den Mittelpunkt gerückt. Zur Regenbogenforelle gehörte noch  leicht geräucherte Forellenkaviar, serviert in einer charmanten Cornetto-Tüte, dies nicht nur ein optischer Genuss, sondern auch ein geschmacklicher Höhepunkt. Der Kaviar liefert eine subtile Rauchnote. Separat dazu wird noch ein Trompetenpilzbrot mit Rentierflechte gereicht. Hier wird jedoch die geographische Grenze der Region überschritten.

Trompetenpilzbrot gebackene Rentierflechte Cornetto mit geräuchertem Forellenkaviar

Emulgierte Bachforelle mit Dill, Kamille und Heidekraut

Die Bachforelle ist elegant unter einem hauchdünnen Dillgelee versteckt, welches dem Gericht eine erfrischende Leichtigkeit verleiht. Diese kreative Präsentation zeigt, wie vielschichtig und raffiniert die regionale Küche in Südtirol sein kann.

Hausgemachtes Roggen-Sauerteigbrot mit Fichtensprossensalz und Öl

Rote Bete Spagetti mit Schafsgarbe und karamellisierter Hefe

Saibling mit weißer Melisse Infusion und Weizengrasöl- gelierte Tarte mit 5 Wildkräutern

The Forest Tea“ Raviolo von Kräutern und Igelstachelbart-Pilz und Sphären vom Bergkäse

26 Stunden gegarte Spannrippe vom heimischen Rind mit Gewürzglace und Waldmeister, Hafercreme, Brennnessel-Öl und Minze Jogurt, Roh mariniert mit Felchen, Felsen-Fetthenne und gebrannter Milch.

The Blue Box: Sandorn-Fenchel-Drink mit Schaum getrockneten Sarner Holunderblüten, Himbeer Tartelette mit Fichtencreme und Meringue von getrockneten Rosen.

Sehr interessant „The Blue Box“. Dabei sollte man eine gewisse Zutat erraten. Während der Sanddorn-Fenchel-Drink und die Holunderblüten auf den ersten Blick nichts Außergewöhnliches boten, war es die Tartelette, die mich wirklich ins Grübeln brachte. Mit einem leicht kribbelnden Gefühl auf der Zunge offenbarte sich mir eine verborgene Zutat. Gisela Schneider, die Gastgeberin des Abends, löste das Rätsel für uns: Im Teig versteckte sich das altbekannte „Brausepulver“. Eine brillante Idee, die das Dessert mit einer erfrischenden Note versah!

Wildkräutereis mit Blütenwaffel, Gundelrebe, Waldbeeren Coulis und Vanille Öl

Die kleine Teezermonie: Tee von 6 aromatischen Kräutern.

Kleine Probleme hatte ich bei der „Teezermonie. Verschiedene Kräuter wie Goldmelisse, Thymian und Nelke wurden verwendet, doch die einzelnen Aromen schienen im Gesamtgeschmack unterzugehen. Vielleicht hätte der Tee einfach länger ziehen müssen, um sein volles Potenzial zu entfalten

Schaumküsse vom grünen Apfel uns Waldmeister mit Kornblumen

Der „Weinkeller“ in luftiger Höhe.

Fazit: Ein Ort für Genießer

Gisela Schneider führte uns gekonnt durch den Abend und sorgte für eine angenehme Atmosphäre. Ich nutzte auch die Gelegenheit für ein kurzes Gespräch mit Bruder Heinrich, der ebenso charmant und sympathisch war wie seine Schwester.

Nach diesem exquisiten Abendmenü lud das Hotel dazu ein, die Sinne zur Ruhe kommen zu lassen. Morgens, beim Blick aus dem Fenster, durften wir erleben, wie die aufgehende Sonne der Landschaft einen besonderen  Glanz verlieh und den Tag mit positiver Energie einleitete.

Dieser magische Ort ist mehr als nur ein Restaurant oder Hotel; es ist ein Erlebnis für alle Sinne. Hier, wo man die Natur umarmen kann und der Himmel greifbar nahe scheint, finden Ruhe-Suchende und Gourmets ihren perfekten Rückzugsort. Es ist der ideale Platz, um dem Alltag zu entfliehen und sich von der alpinen Schönheit sowie der exquisiten Küche verzaubern zu lassen. Ein Besuch in diesem magischen Plätzchen ist nicht nur eine Reise, sondern ein unvergessliches Abenteuer in den Höhen der Alpen.

Petit Coq, 27500 Campigny

400 Chem. du Petit Coq, 27500 Campigny, Frankreich

Am Rande des kleinen Dorfes Campigny (Eure) steht dieses romantische Hotel in ruhiger Lage mit sehr freundlichem Personal und gutem  Essen. Unser Zimmer wohl recht klein, aber doch komfortablen. Getrennter WC-Dusch Bereich. Vorgelagerte kleine Terrasse mit Blick ins Grüne.  Anscheinend  war das Zimmern vor kurzen renoviert worden. Wieso häufig in diesen Hotels gibt es keine Kofferablage und nur eine durchgehende Bettdecke. Leider konnten wir, wegen Regen, den  romantischer Garten mit Pool und Liegemöglichkeiten nicht nutzen.

Das Abendessen entsprach unseren Erwartungen. Gute französische Küche auf Grundlage von saisonalen und   lokalen Produkten, kleine Schwächen eingeschlossen. Wir verzichteten diesmal auf das angebotene Menü und wählten a la Carte.

Zum Aperitif Champagner bzw. Kir Normand. Als Amuse Bouche eine Art „Salat Caprese“ . Der Salat (Rucola) nicht mehr ganz frisch. Dazu Brot und Blätterteighäppchen, also nichts Besonderes.

Als erste Gang dann ein Schnitzel von der Entenstopfleber mit einer Sauce von Cidre Balsamique. Auch in Frankreich wird diese Spezialität nicht mehr oft angeboten. Danach ein Gläschen Calva. Es folgte ein Steinbutt an Zitronen Thymian Sauce und einer Camembert Emulsion. Dazu ein 2019 Weißwein Côte de Beaune aus dem Hause Louis Jadot.

Es folgte der obligatorische Käsegang. Auch diesmal die drei großen der Normandie. Der mit servierte Salat sah auch hier nicht sehr frisch aus. Dazu eine Flasche Rotwein 0,375 l  Jahrgang 2014. Es folgte eine Schokoladenküchlein in Vanillesauce. Sehr schlicht, sehr einfach.  Zum Abschluss Espresso, einen Calvados von Adrien Camut 18 Jahre alt und statt Süßigkeiten eine kleine Schale Creme brûlée.

P.S. In meinen Unterlagen (Speisekartensammlung) habe ich entdeckt, dass wir bereits 2003 dieses Haus besucht haben.

Entenstopfleber
Steinbutt
Käse
Schokoküchlein

G.a. und David Goerne

Restaurant G.a. in Caudebec-en-Caux 2 Rue Saint-Clair, 76490 Rives-en-Seine, Frankreich

Der letzte Besuch bei David Goerne war im Mai 2014, man kann es kaum glauben, wie schnell die Zeit vergeht. Ich habe damals folgendes Fazit gezogen.  „David Goerne ist nach unserer Auffassung auf dem Weg zum Stern. Ein Menü ohne Schwachpunkte.“ Tatsächlich zwei Jahre später, also 2016, wurde ihm der Stern verliehen.  2020 kam dann auch noch der „Grüne Stern“ für Nachhaltigkeit dazu.  

Es wird ja immer wieder geschrieben, dass David der erste Deutsche ist, der einen Stern in Frankreich erkocht hätte. So ist es nicht. Michaela Peters 2005 (Elsass), Lutz Janisch 2009 (Bitche Lothringen) und Fabian Feldmann 2013 ( Biarritz) hatten vor David einen Michelin Stern.

Wir speisen nicht nur im Hause Goerne , sondern übernachten auch im Manoir de Retival.  Im Zimmer mit Blick auf die Seine bzw. in den Wald, herrscht eine moderne Rustikalität vor. Duschbereich und getrenntes WC sind auf dem neuesten Stand.

Bevor wir das Zimmer beziehen, gibt es zum Empfang erst einmal ein Glas Champagner und Scheiben vom spanischen Schinken. Von der  Terrasse hat man einen herrlichen Blick auf die Seine.

Auf der Terrasse beginnt dann auch um 19.00 Uhr das Abendmenü. Zum Auftakt Champagner und einer Sichuan Pfefferblume als ersten Gruß aus der Küche. Es folgt eine überbackene Auster mit Kaviar. Danach kommt ein Schälchen mit Blutwurst und einer Zwiebel Vinaigrette Sauce und Chawanmushi. Wildlachs mit Basilikumsorbet beenden die Auftakthäppchen aus der Küche.

Das folgende Menü ist auf der Höhe der Zeit. Die Gänge sind fein abgestimmt und das Produkt steht im Vordergrund.  Zart schmelzend die Variation von der Gänseleber, dann ein Teller mit bestimmt 20 verschiedenen Gemüsesorten. Der dann folgende Hummer ist auf den Punkt gegart. Nach einem Feigensorbet folgt eine Taubenbrust mit Kirschen und dann Bries mit wildem grünen Spargel. Als Dessert Himbeeren und Rhabarber. Dazwischen noch Käse aus der Normandie. Auf den Punkt gereift.   

Zwischen Bries und Käse habe ich mir noch eine Scheibe vom edlen Wagyu Beef a6 gegönnt. Absolut perfekt kam das nicht gerade billige Stück auf den Teller.

Fazit: Ein wunderbarer Auftakt unserer Normandie Tour. Der Stern völlig verdient. Es macht Spaß der Truppe um David Goerne bei der Arbeit in der offenen Küche zu zuschauen.

St. George – Dieterode 2020

Ein kleines Stückchen Frankreich im Herzen des  thüringischen Eichsfelds. In dem kleinen Örtchen Dieterode mit gerade mal 70 Bewohnern, hat Dr. Werner Freund, der aus Dieterode stammt, hat hier sein kleines Refugium erschaffen, zum Glück auch für seine Gäste.
Das Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert, ist von außen bei weitem nicht perfekt restauriert, könnte aber in jeder französischen Provinz stehen.  Auf der anderen Straßenseite eine kleine Auberge mit 7 Zimmern in ähnlichem Stil. Geöffnet ist das Haus von Mitte April bis Mitte Dezember. Aber nur am Wochenende und zwar Freitag und Samstag von 17.00 bis 23.00 Uhr und Sonntag von 12.00 bis 14.00 und von 17.00 bis 23.00 Uhr.
Mit dem Blick in den herrlichen Naturgarten wird von Silke Urbach erstmal eine gut gekühlte Flasche Weißwein geöffnet. Der Riesling vom Weingut Born (Saale-Unstrut) löscht auf angenehme Art den ersten Durst.
Nach einer kurzen Erholungspause in der Auberge ging es wieder in Richtung Restaurant. Im Eingangsbereich sitzt der Maître des Gartens mit Hut und einem Glas Wein in der Hand und begrüßt die Gäste. Er achtet aber auf die beiden Herde in denen die später teilweise die  leckeren Speisen zubereitet werden. Vorbei an der Küche, hier steht bereits Küchenchef Daniel Müller, geht es auf die Galerie. Von hier aus haben wir einen herrlichen Blick in den Garten.
Während Silke Urbach die Getränkewünsche bespricht,  kommt Dr. Werner Freund an den Tisch und zählt das Angebot des Abends auf. Wir entscheiden uns für ein sechs Gang Menü. Eins muss man wissen, da es weder eine Wein- noch Speisekarte gibt, weiß man erst am Ende, was der Abend gekostet hat. Mit Getränken muss man zwischen 100 und 150 € pro Person rechnen.
Leber mit Passionsfrucht.
Flammkuchen mit Birnen und Stilton-Käse. Gehört zum Standardprogramm. Dünner knuspriger Teig.
Baskische Fischsuppe. Gewürzt mit Pastis und Piment d‘Espelette. Hier ein kleiner Kritikpunkt. Der Fischanteil hätte etwas größer sein können.
Gratinierter Ziegenkäse mit Wildkräutern und Honig.
Lamm mit Bohnen, Tomaten und Kartoffelkuchen.
Karamellisierter Aprikosenkuchen aus dem Ofen
Blick von der Terrasse in den Garten.

Fazit: Wir wurden nicht enttäuscht. Kreativität, ausgewählte Produkte, gekonntes Handwerk in Küche und Service waren beeindruckend. Es wurde ein toller Abend der erst kurz vor 24 Uhr endete.

Sonntagsmenü 07.06.2020

Amuse Bouche, Lammbratwurst auf Katoffelpuffer
Wildkräuter, Champignon, Tomate Parmesan
Karottengrünsuppe
Ausgelöste Lammhaxe, Bohnen, Erbsenpüree aus frischen Erbsen, Kartoffel, Lammjus
Käse
Holunderpfannkuchen, der Holunder aus dem eigenen Garten.

Freitagsmenü

Es sind fast 20 verschiedene Gemüsesorten bzw. Gartenkräuter die hier auf dem Teller angerichtet wurden.
Ein wenig soll dieses Gericht an unsere Reise zu Sébastien und Michel Bras erinnern. Gargouillou [sprich: garguju]. nennen die beiden diesen Gang, den wir im Oktober 2015 serviert bekamen. Dutzende von Kräutern, Blüten und jungen Gemüsen wurden hierfür behutsam und präzise, Stück für Stück, auf dem Teller angerichtet.

Was wurde angerichtet: Bohnen, Zuckerschoten, Blätter vom Rosenkohl, hauchdünn gehobelter Fenchel, Tomate, Champignon, Löwenzahnblätter und – blüten, Bärlauch, Rauke, Knoblauchrauke, Minze, Vogelmiere, Schnittlauch mit Blüte, Giersch und und und.
Die jungen Kräuter und Blüten kamen aus dem eigenen Garten.
Dazu ein wenig gekochten Schinken aus Italien und Blauschimmelkäse. Dazu nur etwas Olivenöl.
Nordhessische Landgarnele (https://www.die-landgarnele.de/)
Die Garnelen im Rückgrat aufschneiden und den Darm entfernen. In einer sehr heißen Pfanne mit Olivenöl anbraten, nach dem wenden mit Noilly Prat und Pastis ablöschen. Pur servieren.
Kabeljau im Dampfgarer bei 60° für 25 Min. gegart. Gewürzt mit Salz und Pfeffer.  Dazu Brokkoli, ebenfalls im Dampfgarer gegart und in Butter fertiggestellt. Dazu eine Orangen Tomatensauce.
Blick von der Terrasse auf die blühende Felsenbirne.