2026-04-22 L’Auberge du Pont de Collonges

Paul Bocuse

40 Rue de la plage

69660 Collonges-au-Mont-d’Or

Der Mythos Paul Bocuse lebt – auch acht Jahre nach dem Tod des Jahrhundertkochs und sechs Jahre nach dem Verlust des dritten Michelin-Sterns. Doch was ist das Haus Paul Bocuse heute? Bröckelt hier ein Denkmal, wirkt es wie ein kulinarisches Museum oder bewahrt es die klassische französische Küche? Nach meinem Besuch sage ich: von allem etwas. Vor allem, aber bleibt die Frage: Muss ein Gourmet einmal im Leben hier gewesen sein?

Paul Bocuse war eine unbestrittene Legende der Gastronomie. Sein Name steht für Spitzenküche, Innovation und die Pflege französischer Kochtradition. Sein Restaurant in Lyon galt und gilt als Pilgerstätte für Feinschmecker aus aller Welt. Der Verlust des dritten Sterns im Michelin-Führer 2020 wurde von vielen als Zäsur empfunden – doch ist der Mythos damit wirklich verblasst?

Hannes Buchner vom Gourmet-Portal organisierte die Fahrt bei Lyon. Wir übernachteten im Hotel Pullman nahe dem Bahnhof Lyon-Part-Dieu. Folgende Besuche standen auf dem Programm: Am ersten Abend wählten wir zwischen den Restaurants La Mère Brazier und Paul Bocuse. Am nächsten Tag aßen wir gemeinsam im Drei-Sterne-Restaurant Troisgros in Ouches zu Mittag. Auch das Restaurant Marcon in Saint-Bonnet-le-Froid stand zur Auswahl, doch wir verzichteten darauf. Acht Personen hatten sich für die Reise angemeldet. Am ersten Abend speisten jeweils vier von uns bei Bocuse und Brazier, das Mittagessen am nächsten Tag genossen wir alle zusammen. Hannes Buchner organisierte alles hervorragend.

Ein Bus brachte uns vier in etwa 20 Minuten vom Hotel zum Restaurant. Am Eingang empfing uns der Wagenmeister und führte uns zum Restauranteingang. Am Restaurant angekommen, ging alles plötzlich sehr schnell. Ich wollte eigentlich ein Foto von der offenen Küche machen, die eine Glasscheibe vom Eingangsbereich trennt. Doch das Personal brachte uns zügig an unseren Tisch. Kurz darauf lag die Speisekarte vor uns; das Menü „Tradition“ war für uns bereits vorbestellt. Da ich aber Interesse an der „Volaille de Bresse“ hatte, änderte man für mich den Hauptgang. Drei von uns wählten diesen Gang, einer das angebotene Filet. Die Auswahl zog sich etwas hin, da wir eine bunt gemischte Gruppe waren. Unsere Mitfahrer hatten solche Fahrten mit Hannes schon öfter erlebt, für uns war es das erste Mal.

Zum Auftakt erhielten wir alle ein Glas Champagner, dazu stellte man einige Amuse-Bouches auf den Tisch, die jedoch kaum der Rede wert waren. Dann kam die Weinkarte – ein Wälzer, in dem sich kaum jemand zurechtfindet.

Wir beschlossen, uns auf einen Weißwein zu konzentrieren und zum Fleisch  ein Glas Rotwein zu nehmen. Ich blätterte kurz in dem Wälzer und entschied mich für eine Flasche 2018 Domaine Jacques Prieur Meursault 1er Cru Santenots. Den Rotwein, ein Hermitage 2021 Domaine du Colombier, schenkte man uns dann auch zum Käsegang ein.

Frühlingsfrikassee vom Blauen Hummer mit Gemüse der Saison

Das Gericht vereint den feinen Geschmack des Blauen Hummers mit frischem Saisongemüse wie grünem Spargel und jungen Karotten. Die leichte, aromatische Zubereitung betont die Natürlichkeit der Zutaten. Diese Frische und Harmonie überzeugen, auch wenn ein Vergleich mit einem ähnlichen Gericht gestern Abend von Keller in Oberbergen zeigt, dass dort Würze und Textur noch etwas besser gelingen. Dennoch bleibt das Frühlingsfrikassee am Paul Bocuse ein gelungenes Geschmackserlebnis.

Mit der Angel gefangener Gelbflossen-Seehecht, cremige Muschelsoße, garniert mit Vichyssoise

Der Gelbflossen-Seehecht beeindruckt mit zarter Textur und feinem Aroma, wurde jedoch etwas trocken serviert. Die cremige Muschelsoße mit mildem Meeresgeschmack harmoniert hervorragend mit dem Fisch und gleicht den Mangel aus. Die Beilage irritiert jedoch: Statt der klassischen Vichyssoise, einer kalten Kartoffel-Sahnesuppe, kam eine einfache Salzkartoffel auf den Teller – vermutlich ein Fehler in der Menübeschreibung. Diese Diskrepanz trübte den ansonsten stimmigen Eindruck.

Geflügel aus Bresse (AOP) mit Estragonessig, Lyoner Kartoffeln

Die Volaille de Bresse, eine der edelsten Geflügelspezialitäten Frankreichs, überzeugt hier mit butterzartem Fleisch und intensivem Geschmack. Das Tranchieren der Brust am Tisch setzt das Produkt gekonnt in Szene. Die Sauce mit Estragonessig bringt eine frische, leicht herbe Note, die perfekt mit dem würzigen Geflügel harmoniert. Die gut gewürzten Keulen und die klassischen pommes lyonnaises ergänzen das Gericht ideal. Diese Kombination aus Tradition, Raffinesse und handwerklicher Präzision macht es zu einem Höhepunkt für Liebhaber der französischen Küche.

Frische und gereifte Käsesorten aus unserer Region

Ein seltener Genuss: Der Käsewagen wird vorgefahren. Aus den gereiften Sorten wähle ich drei regionale Spezialitäten. Der Service berät dabei kompetent und freundlich.

Kulinarische Köstlichkeiten, präsentiert auf unserem Servierwagen

Auch der süße Abschluss des Menüs überzeugt. Ein kräftiges Schokoladentörtchen begeistert mit intensiven Aromen. Danach folgen ein Espresso und eine Mirabelle. Die Petit Fours lasse ich mir einpacken – ein schöner Ausklang.

Fazit: Die Auberge bewahrt das Erbe der klassischen französischen Küche und setzt dabei behutsam moderne Akzente. Die Atmosphäre atmet Tradition und Respekt vor den Wurzeln, was manche als altmodisch empfinden mögen. Doch gerade diese Hingabe an klassische Techniken und Zutaten verleiht dem Haus seinen unverwechselbaren Charme. Trotz gelegentlicher Kritik bleibt das Restaurant eine Institution der Kulinarik. Der hohe Personalaufwand unterstreicht den Anspruch.

Für Gourmets, die die Geschichte und Entwicklung der französischen Haute Cuisine erleben möchten, bietet das Haus eine einzigartige Erfahrung. Es ist kein verstaubtes Denkmal, sondern ein lebendiges Museum der Kochkunst, das Tradition pflegt und bewahrt. Jeder Gourmet sollte diesen Ort besuchen, um die Essenz der klassischen französischen Küche zu erleben und den Geist des Jahrhundertkochs Paul Bocuse zu spüren.

Bewertung: Knapp über 8/10, also ein schwacher zweiter Stern. Der Fischgang ein Stern, dafür der Fleischgang nahe an drei Sternen.

2026-04-21 Schwarzer Adler, Oberbergen

 Franz Keller

Ein Aufenthalt der besonderen Art. Eine Gasstätte Mitten im Ort gelegen wie so viele in Deutschland. Die meisten dieser Gaststätten bieten aber meistens nur Speis und Trank aus der Gefriertruhe oder servieren für viel Geld Convenience -Produkten an.

Dieses Haus ist aus der Art geschlagen. Weine, Restaurant und Hotel unter einem Dach. Diese Reihenfolge ist vom Haus  Keller wahrscheinlich auch bewusst gewählt. In erster Linie ein Weingut mit nationaler und internationaler Bedeutung. Dann eine örtliche Gaststätte, aus der im Laufe der Jahre und Jahrzehnte ein anerkanntes Restaurant wurde und da man nach dem Weingenuss nicht mehr aus dem Haus muss, gibt es auch entsprechende Zimmer. Seit 1969 leuchten die Sterne des Guide Michelin über dem Haus.  Mit einer Ausnahme.

1969: Erster Michelin-Stern unter Irma Keller.

1974–1976: Das Restaurant hielt unter Franz Keller jun. zwei Sterne

2020: Der Stern wurde nicht mehr vergeben.

2021: Ein Jahr später bekam man wieder den Stern

Hat man sich zu einem Besuch im Schwarzen Adler durchgerungen, sollte man folgendes beachten:

Natürlich einen Tisch bestellen und gleichzeitig auch ein Zimmer reservieren. Die Weinkarte im Internet herunterladen und aufmerksam studieren. Es ist fast unmöglich diesen dicken Wälzer am Tisch in Ruhe durchzulesen. Auch sollte man die Speisekarte im Internet lesen. Man wird, so wie wir, einen unvergesslichen Abend erleben. Besser wäre es  vielleicht, dieses Vergnügen auf den Mittag legen und dann im Sommer auf dem Freisitz zu speisen.

Zuerst wird aber die berühmte WM-Ecke angesehen. Der Patenonkel von Fritz Keller ist ja Fritz Walter. Er feierte mit der Nationalmannschaft 1954 den WM-Sieg im Restaurant Schwarzer Adler in Oberbergen

Das Menü umfasst fünf bis sieben Gänge. Zu jedem Gang gibt es einen passenden Wein. À la carte stehen drei Vorspeisen oder Zwischengänge, zwei Hauptgerichte, ein Käsegang und Desserts zur Wahl. Für zwei Personen gibt es Spezialitäten wie Bresse-Huhn von Odefey & Töchter oder Huhn in der Blase.

Wir wählen sechs Gänge von der Karte, lassen den Käsegang aus und teilen uns die ersten beiden. Schließlich wissen wir, was die nächsten drei Tage bringen.

Zum Start trinken wir ein Glas Grande Cuvée aus dem Hause Keller, 0,1 Liter. Dazu kommt eine Scheibe Ententerrine. Brot und Butter folgen rasch. Vorab knabbern wir an Blätterteigstangen.

Der Frühling meldet sich auf dem Teller. Gebeizter Wolfsbarsch, hauchdünn geschnitten und kunstvoll angerichtet, trifft auf knackige Mairübchen und die sanft pfeffrige Frische der Brunnenkresse. Die Sauce verbindet alles. Chorizo-Öl bringt würzige Tiefe. Ein Frühlingsgruß, der die Sinne weckt und das Menü eröffnet.

Der zweite Gang vereint die feinen Aromen der blauen Garnele mit der Würze einer Café-de-Paris-Butter. Gewürfelter Kalbskopf bringt eine herzhafte Note ein, Hechtklößchen eine leichte fischige Nuance. Frische grüne Erbsen setzen farbliche Akzente und sorgen für angenehm süße Frische. Zusammen ergibt das eine stimmige Komposition. Dazu kommt ein Weißburgunder „Scherben“ 2022 vom Weingut am Klotz im Markgräflerland. Der Wein überzeugt mit feiner Säure und einer dezent zitronigen Frucht.

Der Seeteufel ist fest im Biss und zugleich wunderbar zart. Grüne Oliven, Dal-Linsen und Joghurt begleiten ihn. Seine besondere Textur bringt den Geschmack des Meeres klar zur Geltung, ohne an Saftigkeit zu verlieren. Die Oliven und Linsen setzen einen angenehmen Kontrast. Ihre weiche Konsistenz harmoniert mit der Bissfestigkeit des Fisches. Der Joghurt fügt eine frische, cremige Note hinzu. Das Gericht verbindet unterschiedliche Elemente zu einem ausgewogenen Geschmackserlebnis. Dazu passt ein Château Carbonnieux blanc 2013, ein würziger, leuchtender Weißwein mit intensiven Pfirsichnoten und mineralischem Charakter. Vollmundig und lebendig durch seine frische Säure.

Das Kalbsbries ist für mich der Höhepunkt des Menüs. Zart und fein fängt es die Frische des Frühlings perfekt ein. Frische Morcheln und knackiger grüner Spargel ergänzen das Gericht mit erdigen und grünen Aromen. Eine mit Vin Jaune verfeinerte Sauce gibt dem Ganzen nussige Tiefe und rundet die Aromen harmonisch ab. Dazu wird ein Grauburgunder Selection „A“ 2002 vom eigenen Weingut serviert. Der Wein zeigt sich komplex und tiefgründig, mit kaum noch spürbarer Säure. Sein Charakter erinnert an Sherry und macht die Kombination mit dem Kalbsbries und der delikaten Sauce zu einem unvergesslichen Genuss. Ein Frühlingsgruß auf dem Teller und im Glas.

Der nächste Gang, Wachtel aus Challans im Blätterteig, wirkt dagegen etwas schwer. Das Fleisch ist zwar perfekt gegart, doch der Teig überdeckt die feine Zartheit. Bärlauch, Kohlrabi und Shiitake begleiten das Gericht. Ein Château Nenin 1992 rundet es ab. Er hat eine brillante Farbe und entfaltet ein fruchtig-frisches, blumiges Bouquet.

Auf den Käsegang verzichten wir. Wir wissen ja, was in den nächsten Tagen auf uns zukommen soll.

Statt der Gariguette-Erdbeere wählen wir aus dem À-la-carte-Programm Tarte Tatin flambée mit Vanilleeis und Calvados. Ich bekenne: Normandie-Fan; deshalb die Tarte Tatin – flambiert, mit Calvados.

Ein Gläschen Calvados und ein Espresso runden den süßen Abschluss eines Menüs ab, das nach meiner Auffassung knapp unterhalb des zweiten Sternes steht. 7.6 von 10

Speisekarte https://speisekarten.wordpress.com/2026/04/27/schwarzer-adler-oberbergen/

2026/02 Land Gasthaus Kraft – Schauenburg Breitenbach

Bereits der erste Gang war ein Meisterwerk der Küche. Zwei Königsberger Klopse aus feinstem Hirschfleisch, kunstvoll zubereitet, verwöhnten Auge und Gaumen gleichermaßen. Die zarte Konsistenz der Klopse verschmolz mit der cremigen Rahmschwarzwurzel, die dem Gericht eine feine, erdige Note verlieh. Die Schwarzwurzel behielt einen leichten Biss, der das Geschmackserlebnis perfekt abrundete.

Eine samtige Velouté vollendete das Ensemble und verband die Aromen zu einem harmonischen Ganzen. Jeder Bissen zeugte von der Sorgfalt und dem Können des Küchenchefs. Dieses Gericht war mehr als eine Mahlzeit – eine kulinarische Reise mit geschmacklichen Höhen. Eine exzellente Neuinterpretation eines deutschen Klassikers, der traditionell aus Kalbfleisch besteht, hier jedoch in einer edlen Variation glänzte.

Auch der nächste Gang hielt das hohe Niveau. Ein geschmorter Rinderbraten aus der Schulter, zart und saftig, harmonierte mit cremigem Rahmwirsing. Ein fluffige Kartoffelknödel rundeten das Gericht ab. Dazu reichte man einen intensiven Jus, der mit seiner Umami-Tiefe jedem Bissen zusätzliche Raffinesse verlieh.

Den krönenden Abschluss bildete ein weißes Schokoladenmousse, begleitet von einer fruchtigen Pflaumensauce und einem dunklen Schokosorbet. Diese Kombination, wenn auch nicht ganz auf dem Niveau der vorherigen Gänge, bot dennoch ein genussvolles Finale. Das Dessert war nicht nur eine Gaumenfreude, sondern auch ein optisches Vergnügen. Die cremige Textur des Mousse verband sich mit der Frische der Pflaume und der Bitterkeit des Sorbets. Hier zeigte sich erneut die Kreativität des Küchenchefs, der traditionelle Elemente mit außergewöhnlichen Zutaten verfeinerte.

Ein kräftiger Espresso und fünf handgemachte Pralinen rundeten den Abend ab. Diese kleinen Meisterwerke der Patisserie, jede ein Ausdruck von Handwerkskunst und Liebe zum Detail, erreichten erneut das hohe Niveau der vorangegangenen Gänge.

Der Abend verkörperte die Philosophie des Küchenchefs: Tradition achten und zugleich kreativ hinterfragen. Der Service war makellos. Ein Erlebnis, das geschmacklich und ästhetisch lange nachwirkte.

Lief alles perfekt? Gab es Kritikpunkte? Vielleicht einen – und daran trage ich eine Mitschuld. Beide Gemüse, Schwarzwurzel und Wirsing, waren mit Rahm zubereitet. Das hätte mir und auch Meik auffallen müssen.

Und nun fragen Sie sich sicher: Wo liegt dieser Gasthof, und wer führt ihn? Im Herzen von Breitenbach, einem Ortsteil der Gemeinde Schauenburg, etwa 20 Kilometer südwestlich von Kassel, steht der Landgasthof Kraft. Das historische Fachwerkhaus ist seit sieben Generationen in Familienbesitz. Seit 2019 führt Tim Kraft die Tradition fort und steht für Gastfreundschaft sowie hochwertige, saisonale und regionale Küche.

Seit Anfang 2020 leitet sein Bruder Meik Kraft die Küche. Er lernte bei Spitzenköchen wie Achim Hack und Michael Fell im Michelin-prämierten Egerner Hof in Rottach-Egern. Weitere Stationen führten ihn in renommierte Häuser wie die „Ente“ in Wiesbaden (ebenfalls Michelin-Stern) und das Frankfurter Restaurant „King Kamehameha“. Nach Erfahrungen im Elternhaus und dem Restaurant Voit in Kassel kehrte er zurück in den Familienbetrieb.

Die behutsame Modernisierung mit frischen, regionalen Produkten ist gelungen. Besonders Gerichte mit saisonalen Zutaten prägen die Karte. Klassiker wie Steaks und Schnitzel in verschiedenen Variationen bleiben erhalten, ebenso wie der knusprige Gänsebraten oder die Schlachteplatte aus eigener Schlachtung – je nach Jahreszeit.

Der Landgasthof Kraft verbindet gelebte Familientradition mit anspruchsvoller Kochkunst. Ein kulinarisches Erlebnis inmitten idyllischer Fachwerkromantik.

Die Weinkarte ist in den letzten Jahren stetig gewachsen und bietet vor allem deutsche Weine. Darunter finden sich Juwel Weine von Juliane Eller aus Rheinhessen sowie Grauburgunder und ein Rotweincuvée vom Weingut Manz, exklusiv abgefüllt unter dem Namen 7Kraft. Apfelsaft und Apfelschaumwein stammen von der Kellerei Döhne, die direkt gegenüber dem Landgasthof liegt. Aus dem Zapfhahn fließen Pülleken und Grevensteiner von Veltins. Ergänzt wird das Angebot durch eine bemerkenswerte Gin-Sammlung aus ganz Europa.

Terra The Magic Place – Südtirol

Das magische Plätzchen: Dem Himmel so nah

Inmitten der beeindruckenden Alpen, auf 1600 Metern Höhe, thront dieses Restaurant und Hotel, ausgezeichnet mit zwei Michelin-Sternen. Schon die Anfahrt war ein Erlebnis. Nach einer erholsamen Nacht und einem Frühstück im Restaurant Kuppelrain sollte es eigentlich nach Bozen oder Meran zur Stadtbesichtigung gehen. Doch der Regen machte einen Strich durch die Pläne. Bereits beim Beladen des Autos wurde man klatschnass. Auf der Fahrt durch den Vinschgau nahm der Regen weiter zu. In Bozen wurde die Straße eng, und erst nach dem neuen Tunnel öffnete sich der Blick ins Sarntal. Hier ließ der Regen endlich nach.

In Sarntheim begann der kurvenreiche Aufstieg zum Hotel. Die Straße – eher Wald- und Feldwege – schlängelt sich durch grüne Wiesen und dichten Wald. Endlich tauchte der erste Hinweis zum Hotel auf, allerdings noch mit dem alten Namen „Auerer Hof“. Mit jedem zurückgelegten Kilometer wuchs die Vorfreude, bis man schließlich vor dem Hotel und Restaurant stand. Das Gebäude fügt sich harmonisch in die alpine Landschaft ein: Holz und Stein prägen das Erscheinungsbild, große Fenster geben den Blick auf die umliegenden Gipfel frei.

Gisela Schneider empfing uns herzlich. Sie führt das Haus gemeinsam mit ihrem Bruder Heinrich. Das Zimmer bot einen direkten Zugang zum Garten und einen atemberaubenden Blick auf die Berge. Die Einrichtung: gemütlich und stilvoll. Selbst Irmtrauds Beschwerden – Schwindel durch die kurvenreiche Anfahrt und die Höhenlage – verschwanden glücklicherweise mit Beginn des Abendmenüs.

Um 19.00 Uhr begann das Abendmenü. Der Speisesaal ein feines gelungenes architektonisches Gesamtkunstwerk. Offen bis unter das mit Holz verkleidete Dach, eine große Fensterfront sowohl in Richtung Eingang als auch in Richtung Garten mit Blick auf die Spitzen der umliegenden Alpen. Hier hatte man das Gefühl der Himmel sei greifbar nahe. Die Tische mit angenehm großem Abstand

Die Speiskarte liegt im blauen Briefumschlag schon auf dem Tisch. Sie wechselt je nach Saison und bietet regionale Spezialitäten, die auf eine moderne Art und Weise interpretiert werden. Jedes Gericht erzählt eine Geschichte und trägt das Flair der Berge in sich. Ob Fleischgerichte mit Kräutern aus der Region oder frisch gefangener Fisch – hier trifft Tradition auf Innovation.

Ich werde nicht auf alle Details des Essens eingehen. Erwähnen muss man aber, jedes einzelne Gericht enthielt mindestens ein wildes Kraut aus der Region.

Die Auswahl an Amuse-Bouche kombiniert kreative Ideen mit klassischen Techniken und hebt jede Zutat hervor. Jedes Gericht ein Fest der Aromen und erzählt seine eigene Geschichte und sorgt dafür, dass man ein unvergessliches Geschmackserlebnis genießen darf. Besonders gefallen hat uns der  kunstvoll gefertigte Rote Bete Macaron. Seine erdige Süße wird durch den leichten Traminer Reisschaum perfekt in Szene gesetzt

Marinierte Regenbogenforelle mit Sauerrahmousse und eingelegte Zwiebel

Südtirol ist bekannt für seine kulinarischen Hochgenüsse, und die beiden Fischgänge mit Regenbogenforelle und Bachforelle spiegeln dies auf beeindruckende Weise wider. Es ist interessant zu beobachten, dass hier bewusst auf Meeresfisch verzichtet wird. Stattdessen werden die frischen, regionalen Fische in den Mittelpunkt gerückt. Zur Regenbogenforelle gehörte noch  leicht geräucherte Forellenkaviar, serviert in einer charmanten Cornetto-Tüte, dies nicht nur ein optischer Genuss, sondern auch ein geschmacklicher Höhepunkt. Der Kaviar liefert eine subtile Rauchnote. Separat dazu wird noch ein Trompetenpilzbrot mit Rentierflechte gereicht. Hier wird jedoch die geographische Grenze der Region überschritten.

Trompetenpilzbrot gebackene Rentierflechte Cornetto mit geräuchertem Forellenkaviar

Emulgierte Bachforelle mit Dill, Kamille und Heidekraut

Die Bachforelle ist elegant unter einem hauchdünnen Dillgelee versteckt, welches dem Gericht eine erfrischende Leichtigkeit verleiht. Diese kreative Präsentation zeigt, wie vielschichtig und raffiniert die regionale Küche in Südtirol sein kann.

Hausgemachtes Roggen-Sauerteigbrot mit Fichtensprossensalz und Öl

Rote Bete Spagetti mit Schafsgarbe und karamellisierter Hefe

Saibling mit weißer Melisse Infusion und Weizengrasöl- gelierte Tarte mit 5 Wildkräutern

The Forest Tea“ Raviolo von Kräutern und Igelstachelbart-Pilz und Sphären vom Bergkäse

26 Stunden gegarte Spannrippe vom heimischen Rind mit Gewürzglace und Waldmeister, Hafercreme, Brennnessel-Öl und Minze Jogurt, Roh mariniert mit Felchen, Felsen-Fetthenne und gebrannter Milch.

The Blue Box: Sandorn-Fenchel-Drink mit Schaum getrockneten Sarner Holunderblüten, Himbeer Tartelette mit Fichtencreme und Meringue von getrockneten Rosen.

Sehr interessant „The Blue Box“. Dabei sollte man eine gewisse Zutat erraten. Während der Sanddorn-Fenchel-Drink und die Holunderblüten auf den ersten Blick nichts Außergewöhnliches boten, war es die Tartelette, die mich wirklich ins Grübeln brachte. Mit einem leicht kribbelnden Gefühl auf der Zunge offenbarte sich mir eine verborgene Zutat. Gisela Schneider, die Gastgeberin des Abends, löste das Rätsel für uns: Im Teig versteckte sich das altbekannte „Brausepulver“. Eine brillante Idee, die das Dessert mit einer erfrischenden Note versah!

Wildkräutereis mit Blütenwaffel, Gundelrebe, Waldbeeren Coulis und Vanille Öl

Die kleine Teezermonie: Tee von 6 aromatischen Kräutern.

Kleine Probleme hatte ich bei der „Teezermonie. Verschiedene Kräuter wie Goldmelisse, Thymian und Nelke wurden verwendet, doch die einzelnen Aromen schienen im Gesamtgeschmack unterzugehen. Vielleicht hätte der Tee einfach länger ziehen müssen, um sein volles Potenzial zu entfalten

Schaumküsse vom grünen Apfel uns Waldmeister mit Kornblumen

Der „Weinkeller“ in luftiger Höhe.

Fazit: Ein Ort für Genießer

Gisela Schneider führte uns gekonnt durch den Abend und sorgte für eine angenehme Atmosphäre. Ich nutzte auch die Gelegenheit für ein kurzes Gespräch mit Bruder Heinrich, der ebenso charmant und sympathisch war wie seine Schwester.

Nach diesem exquisiten Abendmenü lud das Hotel dazu ein, die Sinne zur Ruhe kommen zu lassen. Morgens, beim Blick aus dem Fenster, durften wir erleben, wie die aufgehende Sonne der Landschaft einen besonderen  Glanz verlieh und den Tag mit positiver Energie einleitete.

Dieser magische Ort ist mehr als nur ein Restaurant oder Hotel; es ist ein Erlebnis für alle Sinne. Hier, wo man die Natur umarmen kann und der Himmel greifbar nahe scheint, finden Ruhe-Suchende und Gourmets ihren perfekten Rückzugsort. Es ist der ideale Platz, um dem Alltag zu entfliehen und sich von der alpinen Schönheit sowie der exquisiten Küche verzaubern zu lassen. Ein Besuch in diesem magischen Plätzchen ist nicht nur eine Reise, sondern ein unvergessliches Abenteuer in den Höhen der Alpen.

Januar 2024 – Dies und das

Einige Gerichte aus den ersten Tagen des Januars 2024

Kürbis, Rosmarin, Knoblauch, Olivenöl

Carpaccio von bunten Beten

Lachs auf Fregola Sarda und Rucola Sauce

Skrei auf bunten Gemüse

Hähnchenbrust, Karotte, frittierte Grünkohl, Sahnesauce

Filet vom Piemonteser Rind mit Schwarzkohl und Polenta

Mousse au Chocolat

Ilyssia – Kassel

Ilyssia Kassel

Große Fans der griechischen Küche waren wir eigentlich nie. Nach unserem Urlaub 2022 auf Rhodos hat sich dies etwas gewandelt. Allerdings wurde in den von uns besuchten Restaurants  nicht die typische Küche der Insel serviert, sondern eher eine mediterrane Küche.

Die Frage für mich war also, wo kann ich diese Art von Küche auch in Kassel und Umgebung finden. Nach Suche im Internet bin ich dann auf das Restaurant Ilyssia in Kassel gestoßen. Die Speisekarte ist übersichtlich und listet frischen Fisch, Meeresfrüchte wie Pulpo sowie Lammspezialitäten auf. Griechische Kost im herkömmlichen Sinne muss man wirklich suchen auf der Karte. Also wurde für 4 Personen reserviert.

Mit einem  geschmackvolles Ambiente präsentiert sich das Restaurant „Ilyssia“, u.a.  mit einem großen Gastraum und einer schönen Sonnenterrasse. Bei schönem Sommerwetter wurde auf der Terrasse Platz genommen. Sehr herzliche Begrüßung und sie da, den einen oder die andere kannten wir aus einem anderem Restaurant in Kassel.

Schnell wurde Olivenöl, Butter und Dips auf den Tisch gestellt. Aus der Karte wurde folgendes gewählt.

Meeresfrüchte Variationen mit Garnelen, Oktopus und Calamari Fritti. Hier muss der Oktopus erwähnt werden. Sehr schmackhaft und auf den Punkt gegart. Kann man auch auf Rhodos nicht besser machen.

Danach Moussaka. Die Portion wurde auf den Tisch gestellt und ich habe das Gericht geteilt. Für ein Zwischengang genau die richtige Größe.

Als Hauptgang für die Männer Lammkottelet mit La Ratte Kartoffeln und Bohnen. Die Kottelets auf den Punkt gebraten. Ich hätte mir allerdings eine andere Anrichtungsart vorstellen können. Leider auch hier wieder die modernen tiefen Teller.

Für die Damen aus der Tagesempfehlung Seeteufel.

Zum Dessert dann „Loukoumades, Hefebällchen mit Eis, Honig und Zimt. (Leider ohne Bild)

Die Weinauswahl habe ich dem Service überlassen. Viel Ahnung vom griechischen Wein habe ich leider noch nicht. Auf den Tisch kam ein gut gekühlter Sauvignon Blanc und zum Lamm dann ein Glas Rotwein. Nicht übel,  es aber gibt bestimmt noch besser auf der Karte und im Keller.

Fazit: Sehr schöner Abend mit gehobener mediterrane Küche, griechischen Elementen flossen mit ein. Für Kassel ein Gewinn.

Mein Sonntagsmenü vom 25.06.2023

Kalte Kartoffelsuppe: Den weißen Teil einer Lauchstange in feine Ringe schneiden, mehligkochende Kartoffeln schälen und fein würfeln. Butter und Olivenöl erhitzen und den Lauch sowie die Kartoffeln andünsten. Gemüsebrühe angießen, aufkochen und kochen lassen, bis Kartoffeln und Lauch weich sind. Sahne dazugeben und mit Muskat, Salz sowie Pfeffer nach Geschmack würzen. Mit einem Mixer die Suppe fein pürieren und durch ein Sieb streichen und noch einmal kurz aufkochen lassen. Die Suppe abkühlen lassen und im Kühlschrank gut durchkühlen lassen.

Vor dem Servieren die Suppe nochmals abschmecken und mit einem Stabmixer auf Mixen. Serviert wird in einer Suppentasse.

Tatar vom Saibling , gewürzt mit Pesto vom Radieschen Grün, gewagt aber es schmeckt

Kammmuscheln, Garnelen, grüner und weißer Spargel auf Spinatcreme. Gierschblüte.

Lammrücken, grüner Spargel, Spagetti, Thymiansauce

Erdbeertorte, gebacken von unserer Tochter

Für Vorspeise und Fisch ein Sauvignon Blanc

Zum Lamm ein Rotwein von Manz

Zum Abschluss einen guten Calvados. Eingekauft in Vire Normandie

2023 Restaurant L’Absinthe

Restaurant L’Absinthe – Honfleur (17.05.2023)

Wir haben in den vielen Jahre seitdem wir die Normandie bereisen das Restaurant oft besucht.

Nach dem Besuch 2014 konnte ich folgendes Fazit ziehen: Dieses stilvolle und gemütliche Restaurant in einem alten Fachwerkhaus bietet eine Mischung aus klassischer und moderner Küche. Ein gutes Preis- Leistungsverhältnis und tadelloser Service.

Letztmalig wurde 2019, also vor der Pandemie, das Haus besucht. Auch damals waren wir sehr zufrieden.

Beim Besuch am 17.05.2023 fanden wir völlig veränderte Situation vor. Die Einrichtung wie in den letzten Jahren, aber die Küche um mind. 2 Klassen schlechter.

Überzeugen konnten eigentlich nur die überbackenen Austern und das Soufflé. Champagner zu warm, der Fisch zu kalt, die Pommes zu den Lammkottelets fast verbrannt, die Kottelets sehr mickrig. Der Tiefpunkt des Menüs war allerdings der Käsegang, und dass in der Normandie. Auch die Rechnung war mit 400 € für 4 Personen sehr happig. Leider ist mein französisch nicht so, dass ich mich detailliert beschweren konnte.

Fazit: Wir haben in den anderen Tagen viel besser und auch preisgünstiger gespeist. Es war der letzte Besuch in diesem Restaurant.

Für die Damen Champagner

Für die Herren Kir Normand

Blätterteighäppchen als Amuse Bouche.

Überbackene Austern

Trou Normand

Lammkottelets mit Pommes

Der Käsegang!!!!

Als Dessert ein Soufflé 

Ein Menü für 10 Gäste

Alles Radieschen als Amuse Bouche, die Blätter zu einem Pesto verarbeitet.

Spargelcremesüppchen im Stielglas, die Spargelschalen als „Resteverwertung“

Brennnesselknödel mit Butter und Parmesan

Überbackenen wilden Brokkoli mit Tomate und Bärlauchblüte

Schlicht und einfach, Brunnenkresse mit Kartoffel.

Panierter Spargel mit Giersch und Blüte von der Senfrauke

Nordhessische Garnele gebraten mit Knoblauch, Pastis und Noilly Prat abgelöscht

Ein Trou Normand fehlt nie im Menü

Lammrücken, Kartoffelgratin, bunte Möhren, Lammsauce mit viel Rosmarin

Gorgonzola mit Honig

Minzeeis, Erdbeer-Rhabarber Ragout

Lammrücken

Lammrücken mit Kartoffelpüree, Goldköpfchen. Kohlröschen oder auch Flower Sprouts, Rosmarinsauce auf Lammbasis.

Das Kartoffelpüree nicht mit Sahne und Butter sondern mit Olivenöl.

Für die Lammsauce das Rezept.

Für eine gute Sauce benötigt man gute Zutaten und viel Zeit.

1.Tag

Lammknochen  und -fleisch (Parüren) fein hacken bzw. Schneiden. Beides in einer Pfanne in einem sehr heißem Ofen (250°) braun werden lassen. Anschließend in einen großen Kochtopf umfüllen. Das Fett abschütten.

In der Bratpfanne frisches Öl erhitzen, klein geschnittene Gemüse (Porree, Karotten, Sellerie) anbraten. Tomatenmark  dazugeben und kurz mit garen. Gemüse mit  Gewürzen (Rosmarin, Thymian, Pfeffer) in den Kochtopf mit den Lammknochen umfüllen und mit kaltem Wasser aufgießen. Noch besser mit selbst hergestellter Lammbrühe. Roh geriebene Kartoffeln dazugeben und zirka 21/2 Stunden leicht wallen lassen.  Anschließend die Sauce durch ein feines Sieb passieren und abgekühlt in den Kühlschrank stellen.

2. Tag

Zwiebeln in ein kleines bisschen Butter anschwitzen. Mit Port- und Rotwein löschen, kochen und ein reduzieren. Anschließend mit der entfetteten Sauce aufgießen. Rosmarin dazugeben und erneut auf die gewünscht Konsistenz reduzieren. Erst jetzt wird gewürzt. Ein wenig Salz und eine Gewürzmischung von Vitus Winkler aus St. Veit im Pongau, Österreich. Diese habe ich mir von einem Aufenthalt in St. Veit mitgebracht. Natürlich kann man auch jede ander Gewürzmischung nehmen. Rosmarin entfernen und durch ein feines Sieb passieren. Zurück in den Topf und eiskalte Butter  einschwenken