To Pirofani – Stegna Beach, Rhodos 2026

To Pirofani – ein kulinarisches Highlight am Stegna Beach auf Rhodos

Das To Pirofani am Stegna Beach bietet genau das, was man sich auf Rhodos erhofft. Die Taverne liegt direkt am Strand und serviert griechische Küche in lockerer, gemütlicher Atmosphäre. Dessi und Vassily empfangen ihre Gäste herzlich und sorgen mit ihrer freundlichen Art dafür, dass man sich vom ersten Moment an wohlfühlt. Hier zählen nicht der schicke Auftritt, sondern entspanntes Sitzen, gutes Essen und der freie Blick aufs Meer. Das Rauschen der Wellen und die griechische Gelassenheit machen das Urlaubsglück perfekt. Genau so stellen wir uns einen gelungenen Urlaubstag auf Rhodos vor!

Während unserer zwei Wochen an der Stegna-Bucht zog es uns immer wieder ins To Pirofani. Wir kannten die Taverne bereits aus den vergangenen Jahren und freuten uns sehr auf unsere erneuten Besuche. Jedes Mal fühlten wir uns willkommen, genossen die angenehme Atmosphäre und waren mit dem Essen rundum zufrieden. Hin und wieder waren wir sogar richtig begeistert – und das nicht ohne Grund.

Die folgenden Gerichte geben einen kleinen Einblick in die kulinarische Vielfalt, die wir während unserer Besuche genießen durften. Dabei ist anzumerken, dass einige der Speisen, so wie sie uns serviert wurden, nicht auf der regulären Speisekarte standen. Gerade diese besonderen Überraschungen machten unsere Besuche immer wieder spannend und steigerten unsere Begeisterung für die Küche von Dessi und Vassily.

Frische Salate als Auftakt

Fast immer begannen wir unser Essen mit einem frischen Salat. Mal war es der klassische griechische Salat mit aromatischen Tomaten, knackigen Gurken und würzigem Feta – ein Genuss, der einfach immer schmeckte.

Besonders angetan hatte es mir allerdings der sogenannte Stegna-Salat. Dafür wurden verschiedene frische Salate und Zutaten verwendet, die morgens auf dem Markt eingekauft worden waren. Eine feine Honig-Kräuter-Vinaigrette, gehobelter Feta und knackige Pinienkerne rundeten die Komposition ab. Für mich war dieser Salat jedes Mal ein besonderer Genuss und ein wunderbarer Auftakt für unser Essen. Ich freute mich schon darauf, ihn wieder bestellen zu können!

Fischgerichte, die begeistern

Besonders hervorzuheben sind natürlich die Fischgerichte, die uns immer wieder aufs Neue begeisterten.

Die Calamari-Tuben, gefüllt mit Meeresfrüchten, waren hervorragend gewürzt und geschmacklich wunderbar abgestimmt. Ein echtes Highlight war das Ceviche vom Wolfsbarsch. Dessi hatte darauf eine kleine Nocke Zitronengranita platziert, die dem Fisch eine herrlich frische, zitronige Note verlieh. Eine raffinierte Kombination, die mich wirklich überzeugte!

Fast schon sterneverdächtig war für mich das Carpaccio von der roten Riesengarnele. Hauchdünn geschnitten, dezent gewürzt und lediglich mit etwas Olivenöl beträufelt, überzeugte es durch seine feine Aromatik. Ein wenig Avocado ergänzte das Gericht, ohne den zarten Eigengeschmack der Garnele zu überdecken. Für mich gehörte diese Vorspeise zu den absoluten Höhepunkten unserer Besuche.

Auch bei den gegrillten Fischen zeigte sich die Qualität der Küche. Ob Dorade oder Red Snapper – frisch vom Grill, nur leicht mit Salz gewürzt und auf den Punkt zubereitet, schmeckten sie wunderbar. Hier durfte der Fisch ganz für sich sprechen. Mehr brauchte es nicht!

Griechische Küche mit Herz

Natürlich kamen auch die Fleischgerichte nicht zu kurz. Besonders schön fanden wir das typische griechische Sonntagsmenü mit verschiedenen Vorspeisen aus Garten und Meer. Anschließend wurden Moussaka in zwei Varianten serviert: einmal klassisch und einmal mit Makkaroni. Dazu gab es Stifado, einen herzhaften griechischen Schmoreintopf, der an Gulasch erinnert.

Zum süßen Abschluss durfte Baklava meistens nicht fehlen. Dazu passte der süffige, meist gut gekühlte Hauswein, der übrigens nicht von Rhodos, sondern von Kreta stammte, ganz hervorragend. Und wie es sich gehört, gab es zum Abschluss stets einen Ouzo aufs Haus.

Jámas! Auf das gute Essen, die Gastfreundschaft und viele schöne Urlaubsmomente!

Mein Fazit: Das To Pirofani ist für uns längst mehr als nur eine Taverne. Es ist ein Ort, an den wir immer wieder gerne zurückkehren und auf den wir uns schon vor dem nächsten Besuch freuen. Die herzliche Atmosphäre, die Freundlichkeit von Dessi und Vassily und vor allem die überraschend raffinierte Küche machen diese Taverne für mich zu etwas ganz Besonderem. Ich hätte nicht unbedingt erwartet, am Strand von Stegna eine Küche zu erleben, die mich mit so viel Geschmack, Frische und Kreativität begeistert. Umso mehr weiß ich sie zu schätzen. Das To Pirofani ist für mich ein echter kulinarischer Geheimtipp und eine Empfehlung, die ich jedem Rhodos-Urlauber von Herzen ans Herz legen möchte.  Vielen Dank, liebe Dessi und lieber Vassily, für die vielen schönen Momente, das hervorragende Essen und eure herzliche Gastfreundschaft! Wir kommen sehr gerne wieder.

Mondi- Kassel – 2026

Pelle Kossmann und sein Team servieren im Restaurant „Mondi“ an der Wilhelmshöher Allee 34 weiterhin frische, saisonale und regionale Küche. Die Idee, die noch vor der Corona-Zeit entstand, hat sich bewährt. Auf der Karte steht ein festes, ständig wechselndes Fünf-Gänge-Menü. Vorab gibt es vier kleine Appetithappen, hausgemachtes Brot mit Butter und Hummus. Danach folgen zwei Desserts und Petit Fours. Der Preis für das Menü liegt aktuell (Mitte September 2026) bei 89 €. Dazu passt eine exzellente, perfekt abgestimmte Getränkebegleitung für 46 €. Alternativ gibt es die Weinbegleitung mit halben Gläsern (je 5 cl) für 37 €. Zusätzlich bietet das Menü drei optionale Gänge: hausgemachten Schinken mit Melone als Amuse-Bouche für 12 €, Wagyu und Landgarnele als Hauptgericht für 34 € sowie Kaviar, Koji und Haselnuss für 16 €.

Amuse Bouche: Apfel und Kapuziner, Paprika und Molke, Forellenbauchund Tempura, Sellerie und Pfeffer.

Mondi-Schinken und Cantaloupe Melone

Brot, Butter, Humus

Aubergine, Eisberg, Koriander

Forelle, Kürbis, Sonnenblumenkerne

Huhn, Tomate, Tagetes. Hühnerleber und -herz

Wagyu und Landgarnele

Kaviar, Koji, Haselnuss

Zwetschge, Mascarbone, Verbene – Apfel, Vanille, Karamel – Petit Fours

Die Getränke

Fazit: An diesem Abend waren alle Tische besetzt – ein untrügliches Zeichen dafür, dass hier etwas Besonderes geschieht. In der offenen Küche arbeiteten die Köche konzentriert an Gerichten, die sie offenbar gemeinsam entwickelt hatten. Im Service war Kossmann selbst präsent. Gemeinsam mit seinem Team brachte er die einzelnen Gänge an den Tisch.

Doch es blieb nicht beim bloßen Servieren. Zu jedem Gang gab es eine Erklärung: Woher stammen die Zutaten? Wie werden sie verarbeitet? Welche Idee steckt hinter dem Gericht? Gerade diese persönliche Präsentation empfand ich als äußerst angenehm. Es vermittelte das Gefühl, dass hier kein vorgefertigtes Menü abgespult wird, sondern dass Küche und Service voll hinter dem stehen, was sie servieren. Das Essen selbst war für mich hervorragend. Doch nicht allein der Geschmack machte diesen Abend so besonders. Es war das Gesamtkonzept: die offene Küche, die Nähe zu den Köchen, die Erklärungen zu den Gängen und die spürbare Begeisterung für die Produkte. Alles wirkte durchdacht, ohne künstlich zu erscheinen.

Das Mondi steht zu Recht an der Spitze der Kasseler Restaurants und bleibt im Michelin-Führer gelistet. Zwar vergibt der Michelin den „Grünen Stern“ nicht mehr, doch die Aufnahme in den Führer bestätigt eindrucksvoll, was wir an diesem Abend erlebt haben.

Seit 2026 ist mit dem Restaurant Elfbuchen ein weiteres Kasseler Lokal im Michelin-Führer vertreten. Das freut mich besonders, denn es zeigt, dass sich in Kassel gastronomisch etwas bewegt. Für mich bleibt die Erinnerung an einen außergewöhnlichen Abend. Nicht nur wegen der exzellenten Küche, sondern wegen des Gesamterlebnisses. Man geht nach Hause und spürt: Man hat nicht nur gut gegessen, sondern einen Abend erlebt, an den man sich gerne erinnert.

Le Moissonnier Bistro – Köln

Pariser Flair in Köln

Besucht am 09. September 2026, Mittags

Ich unterbrach meine Heimreise mit der Bahn von Brüssel nach Baunatal, um in einer kulinarischen Institution ein gepflegtes Mittagsmenü zu genießen. Bereits 2013 hatte ich das Haus besucht und war begeistert.

Seitdem hat sich einiges geändert. Wo früher das renommierte Zwei-Sterne-Restaurant war, haben die Inhaber Vincent und Liliane Moissonnier mit Küchenchef Eric Menchon im September 2023 das Konzept grundlegend erneuert. Die neue Ausrichtung macht das Mittagessen zum Muss – präzise zubereitete Speisen, charmante Dekoration. Man sitzt im Bistro an eng stehenden Tischen in lebhafter Atmosphäre und kann leicht Kontakt zu seinen Nachbarn aufnehmen. Bei mir ergaben sich interessante Gespräche über die Gastronomie in Deutschland und darüber hinaus. Die beiden Herren kannten sich gut aus. Das Ambiente erinnert an ein authentisches Pariser Lokal: Hübsche Jugendstilelemente, eine gewisse Betriebsamkeit und der herzliche, unkomplizierte Service sorgen dafür, dass man sich schnell wohlfühlt. Hier geht es nicht um steife Förmlichkeit, sondern um gutes Essen, lebendige Gespräche und französisches Lebensgefühl. Auch der Michelin hat nachgezogen und wieder einen Stern verliehen.

Das Le Moissonnier Bistro konzentriert sich vor allem auf das Mittagsgeschäft. Diese klare Ausrichtung passt gut zum neuen Konzept: Das Bistro wirkt zugänglich, entspannt und trotzdem anspruchsvoll – mit der kulinarischen Erfahrung, für die das Haus seit Jahren bekannt ist.

Zum Auftakt gab es einen Champagne MG BB Spirit Grand Cru von Michel Genet, begleitet von zweierlei Brot und Butter. Der Champagner kam gut gekühlt, das Baguette war leider etwas trocken. Als Vorspeise wurden sechs Austern Fine de Claire Juizette N° 3 aus der Normandie serviert. Ihr frischer, angenehm salziger Geschmack überzeugte – genau so liebe ich Austern. Ich genoss sie pur, ohne Essig oder Zitrone.

Als Zwischengang empfahl Vincent Moissonnier das Filet vom wilden isländischen Kabeljau auf Kräutercremesauce. Der Fisch war auf der Haut perfekt gebraten: saftig, kross und auf den Punkt. Die samtige Kräutercremesauce, abgeschmeckt mit Majoran, harmonierte wunderbar. Der Kabeljau ruhte auf einem leuchtend grünen Spinatsockel, der Frische auf den Teller brachte. Dazu wurde ein Parmesan-Risotto gereicht, cremig und mit einer herzhaften Umami-Note.

Der Hauptgang: lackiertes, karamellisiertes Milchkalbsbries, verfeinert mit Kardamom. Es lag auf einer feinen Thunfischsauce, garniert mit frittierten Kapern. Außen kross, innen zart – das Bries war ein Meisterwerk. Dieses Gericht, eines der Signature-Dishes von Eric Menchon, hatte ich schon 2013 in ähnlicher Form genossen.

Zum Abschluss eine klassische Tarte mit Bergeron-Aprikose: schlicht, einfach, köstlich.

Die Weine ausgesucht von Vincent Miossioner passten perfekt zu den Gerichten: Picpoul de Pinet „Syndical, Le Juliénas „Bessay“ aus dem Beaujolais, Court Vit, ein leicht gekühlter Rotwein und ein Calvados gespendet von meinen netten Nachbarn

Fazit: Ein Besuch lohnt sich besonders für alle, die französische Küche in ungezwungener Umgebung genießen möchten. Man sitzt mitten im Geschehen, bekommt erstklassige Gerichte serviert und erlebt dabei ein Stück Paris mitten in Köln. Unter der Leitung von Vincent und Liliane Moissonnier und Eric Menchon als Küchenchef ist das Konzept auf das Tagesgeschäft ausgerichtet. Aber auch Wochenendabende, vor allem Freitagabends, finden statt. Hier sollte man sich online informieren.

Aux Armes de Bruxelles -2026

Am Montagabend hatten viele Restaurants geschlossen – darunter auch das Sternerestaurant Comme chez Soi. Andere machten noch Betriebsferien oder lagen zu weit von meinem Hotel entfernt. Schließlich wählte ich das Aux Armes de Bruxelles, ein legendäres Traditionshaus im historischen Herzen Brüssels. Den Hinweg ging ich zu Fuß, zurück nahm ich ein Taxi.

Die Brasserie, 1921 gegründet, steht im Viertel Ilôt Sacré, nur wenige Schritte von der Grand-Place entfernt, und gilt als echte Brüsseler Institution. Ich wollte Austern, Muscheln und ein gutes Steak mit Pommes – also genau die Klassiker, für die Brüssel berühmt ist.

Ich hatte reserviert und wurde herzlich empfangen. Von meinem Platz aus blickte ich in einen der beiden Gasträume. Der Abend begann mit leisem Stimmengewirr, an den Tischen herrschte konzentrierte Gelassenheit. Gäste aus nah und fern genossen den Moment, bevor die Kellner mit routinierter, aber aufmerksamer Präsenz erschienen.

Auf einen Aperitif verzichtete ich und bestellte zunächst drei Austern und ein Glas Muscadet sur Lie. Beides kam nach angenehmer Wartezeit in perfekter Temperatur auf den Tisch. Dazu reichte man Baguette und Salzbutter.

Nach den Austern folgte eine dampfende Schüssel Muscheln in Weißwein-Sauce. Die Muscheln zeigten sofort ihren salzigen Charakter, gepaart mit der feinen Säure des Weins. Dazu gab es ein weiteres Glas Muscadet sur Lie.  Vor vielen Jahren hatte ich in Brüssel gelernt, wie man Muscheln isst: ganz einfach mit der Hand. Die erste Muschel löst man für den ersten Bissen ausnahmsweise mit einer Gabel. Die leere Doppelschale dient dann als kleine Zange. Mit dieser „Schalenzange“ zieht man die nächsten Muscheln mit einer leichten Drehung heraus.

Als Hauptgericht kam ein zartes Steak, medium rare, mit einer großzügigen Portion Pommes Frites. Das Fleisch war leicht marmoriert, sämig im Kern und außen fein angegrillt. Dazu gab es einen kleinen Salat und eine gefüllte Tomate. Die Pommes waren außen extrem knusprig, innen wunderbar weich und luftig – so, wie man sie in Belgien erwartet.

Dazu trank ich eine 0,375-l-Flasche Rotwein aus Saint-Émilion.

Zum Abschluss ein Klassiker der französischen Küche: Crêpes Suzette mit einer Kugel Vanilleeis. Der Kellner bereitete das Dessert gekonnt am Tisch zu.

Fazit: Ein schöner, ruhiger Abend in angenehmem Ambiente. Es müssen nicht immer Sterne über dem Restaurant schweben.

Tag 6 – Sylt im August 2026

Sylt Tag 6

Nach dem Frühstück startete ich erneut zu einer Walking-Tour. Bei angenehmen Temperaturen führt uns der Weg auch heute zum Strand. Als der Hunger kam, machten wir einen Abstecher ins provisorische „Zeltlager“, das für den Surf Cup am Wochenende errichtet wurde. Im Zelt des Gogärtchens gab es Pinza, belegt mit Ziegenkäse, Walnüssen und Feigen, dazu einen Grauburgunder vom Weingut Fritz Waßmer.

Am Abend wartete ein reservierter Tisch im Boddendorf in Tinnum.

Bodendorf in Tinnum – ein Abend mit gemischten Eindrücken

Mein Fazit vom Juni-Besuch lautete: „Insgesamt ein gelungener Abend. Mal sehen, ob ich im August einen Termin finde. “ Tatsächlich ließ sich ein Abend einrichten – allerdings auf Kosten eines Besuchs im Söl’ring Hof.

Unser Besuch Ende August im Bodendorf in Tinnum hinterließ gemischte Gefühle. Der Restaurantbereich, stilvoll gestaltet, wirkte dennoch kühl – nicht zuletzt, weil von etwa 20 Plätzen nur sieben besetzt waren.

Restaurantleiter Benjamin Paul empfing uns freundlich, der Service blieb den ganzen Abend über aufmerksam. Mit einem Glas Perrier-Jouët Rosé starteten wir. Diesmal wählten wir ein 6-Gänge-Menü, und auch bei der Weinauswahl beriet uns Paul hervorragend.

Wachtel

Beim ersten Gang hatten wir die Wahl: Irmtraud entschied sich für Hummer, ich für Miral-Wachtel. Die Wachtel kam in zwei Varianten: als gefüllte Roulade und als Ragout mit Erbsen und Pfifferlingen, abgerundet von einem Hauch Schaum. Besonders die Sauce zur Roulade überzeugte.

Ravioli

Es folgte eine offene Ravioli mit glacierten Jakobsmuscheln, mariniertem Spitzkraut, Mispel und Verjus. Die Nudelplatten waren hauchdünn, die Jakobsmuscheln leicht glasig. Der Verjus verlieh der Sauce eine feine Säure. Dazu gab es einen Wein von Salwey vom Kaiserstuhl.

Rotbarsch und Seezunge

Der nächste Gang: geflämmter Rotbarsch in Bouillabaisse mit Bohnencreme und jodigem Meeresfenchel. Die mineralische Note des Fenchels verband die Komponenten harmonisch.

Weniger überzeugend war die bretonische Seezunge. Zwar gefielen der luftige Kartoffelschaum und die Rotweinbutter, doch der Fisch, diesmal als senkrecht gestellte Roulade mit Rettichfüllung, verlor durch die Anrichteweise seinen typischen feinen Geschmack.

Wagyu-Beef

Der Hauptgang wurde zum Höhepunkt: japanisches A5-Strip-Loin, begleitet von Shiitake-Pilzen, verbranntem Lauch und Pflaumen-Confit. Das Fleisch, die höchste Qualitätsstufe von Rind, schmeckte nussig-süßlich, fein marmoriert – purer Luxus auf dem Teller.

Dessert

Das Pre-Dessert, Ziegenkäseeis mit Aprikose, überzeugte wie schon im Juni. Das Dessert – Weinbergpfirsich mit Himbeersorbet, Mandeln und Cheesecake – bot einen fruchtig-kühlen Abschluss. Danach folgten Espresso und kleine Süßigkeiten.

Der Preis für das 6-Gänge-Menü liegt bei 264 Euro pro Person. Damit bewegt sich das Restaurant am oberen Ende der Preisskala für 1-Sterne-Häuser – wohl der exklusiven Insellage und den hochwertigen Produkten geschuldet.

Fazit: Ein Abend mit positiven Ansätzen, der atmosphärisch und in der Detailpräsentation noch Luft nach oben lässt.

Die Weine:

Tag 5 – Sylt im August 2026

Tag 5

Der Patron ist tot, es lebe die Familie

Der Patron ist tot: Jörg Müller, über Jahrzehnte der Inbegriff des klassischen Gastgebers, prägte mit seinem Hotel & Restaurant in Westerland Sylts Ruf als Gourmet-Insel wie kaum ein anderer. Als Mitbegründer der neuen deutschen Küche, neben Größen wie Eckart Witzigmann, setzte er Maßstäbe.

Es lebe die Familie: Sein Lebenswerk bleibt in festen Händen. Seine Frau Barbara starb 2023, doch die Familie führt das Erbe weiter. Tochter Jane und ihr Mann Benjamin Birkholz-Müller sowie Sohn Jan-Sören übernehmen die Verantwortung und sichern die Zukunft des Hauses.

Auch in der Küche bleibt alles im Fluss. Jörg Müller sorgte zu Lebzeiten für einen reibungslosen Übergang. André Kuhlmeyer, seit über 20 Jahren im Haus, verkörpert Müllers Philosophie der klassischen, produktfokussierten Spitzenküche wie kein Zweiter. Er führt die Tradition unverändert fort. Während Kuhlmeyer am Herd das kulinarische Erbe bewahrt, leitet Schwiegersohn Benjamin Birkholz-Müller den Service und den legendären Weinkeller – einen der besten der Welt.

In Küche und Service bleibt alles stabil: Die Familie steht.

So erlebten wir den fünften Tag unseres Aufenthalts: Beide Restauranträume waren voll, im Wintergarten saß eine größere Gruppe, und auch die Bar war bis auf den letzten Platz besetzt.

Für den Aperitif gehen wir in die Bar. Irmtraud bestellt wie immer einen Champagner Rosé, ich nehme meinen Hausaperitif.

An diesem Abend fiel uns auf, dass zusätzliche junge Frauen im Service arbeiteten. Neugierig fragte ich nach. Die jungen Damen absolvieren im Rahmen ihrer österreichischen Tourismus- oder Hotelfachausbildung – etwa an der HLW, HLT oder Berufsschule – ein Pflichtpraktikum auf Sylt. Sie machten ihre Arbeit hervorragend.

Nun aber zum Essen.

Amuse Bouche

Der Abend begann mit einem Amuse-Bouche: Eine Scheibe Schinken und frische Gemüsestangen wie Karotte und Stangensellerie, einfach, frisch und dennoch bemerkenswert.

Tataki vom Färöer Lachs mit Gurken

Dazu passt ein trockener, mineralischer Riesling Feinherb, wie Ben vorschlug. Eigentlich mag ich Riesling nicht, doch dieser harmonierte ausgezeichnet mit dem Gericht. Entscheidend sind die Qualität des Lachses, die Frische der Gurke und die feine Säure des Suds – sie sollen im Mittelpunkt stehen. Ein Gurkensorbet brachte mit seiner Kühle den letzten Schliff.

Gänseleber, Kirsch, Kartoffelpüree

Gönne es mit immer wieder, wenn ich auf der Karte dieses Gericht entdecke!!!

Wachtelcrépinette auf Périgord-Trüffel-Risotto

Wachtelcrépinette auf Périgord-Trüffel-Risotto

Auf diesen Gang hatte ich mich lange gefreut. Schon im Juni fragte ich, ob man ihn mir im August servieren könne. Küche und Service machten es möglich – eine besondere Freude. Erinnerungen wurden wach: Um die Jahrhundertwende bereitete ich dieses Gericht, damals als Wachtelkotelett bekannt, selbst in meinen Kochkursen zu. Die heutige Version ähnelt der damaligen, nur das Schweinenetz fehlt. Die Unterschenkel der Keulen verarbeitete die Küche zu einer Farce, ein großes Spinatblatt dient nun als Hülle.

Ben stellte dazu einen 2023er Verduno Pelaverga Burlotto auf den Tisch. Am Ende des Abends war die Flasche leer.

Jürgen Dollase dokumentierte dieses Gericht im Mai 2025 in Westerland zusammen mit Jörg Müller. Die Aufnahme findet sich im „Deutschen Archiv der Kulinarik“.

Gebackene Zwetschgen auf Armagnacschaum mit Walnuss – Krokant Eis

Ein schlichtes, elegantes Tellerbild, kaum Dekor. Die Produkte standen im Fokus. Klare, saubere Kontraste: die warme, fruchtige Zwetschge und das kalte Eis.

Fazit: Die neuen Inhaber sind auf dem richtigen Weg. Wir (Stamm) Gäste sollten sie dabei unterstützen.

Tag 4 – Sylt im August 2026

Nach dem Frühstück steht eine Walking-Tour an. Bei angenehmen Temperaturen führt uns der Weg heute zum Strand. Da wir keine Fans von Strandkörben sind, machen wir es uns auf den Bänken bequem. Ein kurzer Spaziergang durch den Sand bis ans Wasser rundet den Ausflug ab. Die frische Meeresluft und der Blick auf die Wellen entspannen – und machen schnell wieder hungrig.  Da wir am Abend im „Web Christel“ reserviert haben, begnügen wir uns mit einem Crêpe mit Zimt und Zucker und einem Glas Weißwein.

Sylt Tag 4

Unsere Reservierung für 17.30 Uhr war natürlich bestätigt, doch man wies uns mehrfach darauf hin, dass wir nach zwei Stunden fertig sein müssten. Diese ständigen Wiederholungen nervten. Bei schönem Wetter saßen wir draußen unter einem großen Schirm. Nach dem obligatorischen Brot mit Griebenschmalz folgte ein Carpaccio aus Jakobsmuschel und Lachs. Mit der Rollentechnik gelingen hauchdünne Scheiben, das Mango-Limetten-Dressing unterstrich den feinen Geschmack des Fisches. Ob der kleine Salat dazu nötig war, sei dahingestellt. Gestört haben mich der Dill und die unvermeidlichen Erbsensprossen.

Die Tafelspitzconsommé mit Sherry war gut abgeschmeckt, voller Umami, doch der Sherry blieb geschmacklich unauffällig. Dazu gab es ein gefülltes Strudelteigtäschchen.

Das Rinderfilet kam wie bestellt medium rare auf den Tisch, begleitet von frischen Pfifferlingen und Kartoffelgratin. Der Soße fehlte jedoch die Tiefe.

Zum Dessert gab es ein schmelzendes Tonkabohnenparfait mit Beeren.

Als Weißwein wählte ich einen Sauvignon Blanc, der leider nicht zum Carpaccio passte – mein Fehler. Der 2022er Spätburgunder R vom Weingut Hansjörg Rebholz (0,375 l) harmonierte hingegen perfekt mit dem Filet. Erfreulich: Die Weinkarte bot viele 0,375-l-Flaschen, sowohl Weiß- als auch Rotwein – eine Seltenheit in Restaurants. Als Abschluss noch eine Wildkirsch vom Martin Albrecht. Weder verwandt noch verschwägert – leider.

Fazit: Gemütliches Ambiente, starke Weinauswahl in halben Flaschen, solide Küche mit Luft bei Saucen, ideal für sommerliche Abende draußen.

Tag 3 – Sylt im August 2026

Tag 3 – Sylt

Nach dem Frühstück ließ ich meine Walking-Tour ausfallen. Stattdessen fuhr ich um 10.30 Uhr nach Wenningstedt zur Friesenkapelle. Dort begann um 11.00 Uhr die Trauerfeier für Jörg Müller, der nach langer Krankheit im Alter von 79 Jahren gestorben war.

1992 besuchte ich zum ersten Mal sein Restaurant. Zwischen 1995 und 2004 nahm ich regelmäßig an seinen Kochkursen teil, die jeweils vier Tage dauerten. Die Termine lagen im Februar oder November, wenn es auf Sylt ruhiger zuging. Die Themen reichten von „Seminar für Fortgeschrittene“ über „Italienische Küche“ bis zu „Spezialitäten von Land und Meer“. Übernachtet wurde stets im Hotel, das zum Restaurant gehörte. Trotz des Stresses waren es immer angenehme Tage.

Müller leitete die Kurse persönlich, obwohl er gleichzeitig das Tagesgeschäft bewältigen musste. Damals hatte sein Restaurant auch mittags geöffnet. Er erklärte jeden Gang, gab Zubereitungstipps und achtete darauf, dass während der Vorbereitungen kein Alkohol floss. Beeindruckend war sein wirtschaftliches Denken: Ohne Sponsor musste er seine Investitionen selbst erwirtschaften. Anhand eines Lammgerichts zeigte er, wie er vorging. Er kaufte ein ganzes Lamm von der Insel und verwertete es vollständig. Das Gourmetrestaurant bekam den Rücken, während Schulter und Keule im „Pesel“, seinem Bistro, landeten. Die Knochen schabte er gründlich ab und verarbeitete sie zu Lammfrikadellen oder seinen legendären Bratwürsten, die er auch als Amuse-Bouche im Gourmetrestaurant servierte. Aus den Knochen kochte er in einem aufwendigen Verfahren eine sämige Sauce.

Viele Jahre waren wir Gäste in seinem Restaurant und später auch im Hotel. Es waren stets schöne Aufenthalte. Hoffen wir, dass es ohne ihn weitergeht – ich bin zuversichtlich.

Am späten Nachmittag kehrten wir ins „Fisch Hüs“ ein. Eigentlich wollte Irmtraud bei Blum „Grüne Heringe“ essen, doch die gab es an diesem Tag nicht.

Sie bestellte stattdessen Wolfsbarsch, der gut gebraten und gewürzt war.

Ich wählte eine Bouillabaisse aus Nordseefischen, die leider etwas Würze vermissen ließ,

und anschließend Labskaus. Dazu tranken wir einen Grauburgunder vom Weingut Dr. von Bassermann-Jordan. Auf der Karte entdeckte ich den Wildkirsch Nr. 1 von Ziegler – in den 1980er-Jahren ein Kult-Digestif. Natürlich bestellte ich ihn, und Erinnerungen wurden wach. Es war ein angenehmer Aufenthalt auf der Terrasse.

Sylt 11.-14. Juni 2026

Unterwegs mit der Regional Auswahl Nordhessen- Kicker mit Herz und Verstand

Viele Wege führen nach Sylt. Am schnellsten erreicht man die Insel per Flugzeug. Direktflüge von verschiedenen deutschen Flughäfen bieten sich an, wenn die Zeit knapp ist. Viele reisen auch mit dem Auto an. Über den Hindenburgdamm, der das Festland mit Sylt verbindet, gelangt man bequem und zügig auf die Insel. Wer eine andere Route bevorzugt, kann über Dänemark fahren und die Strecke mit einer Fährüberfahrt kombinieren. Diese reizvolle Alternative macht die Anreise abwechslungsreicher. Natürlich bietet auch die Deutsche Bahn eine Möglichkeit. Sie ist nicht nur umweltfreundlich, sondern schon die Fahrt selbst ein besonderes Erlebnis. Auf der An- und Abreise erlebt man kleine Abenteuer, die zwar nerven und Zeit kosten, aber die Vorfreude auf Sylt steigern. Egal, wie man anreist: Die Reise nach Sylt bleibt ein besonderes Erlebnis.

Donnerstag

Unsere Bahnfahrt nach Sylt begann fast pünktlich um 08:36 Uhr in Kassel Wilhelmshöhe, mit geplanter Ankunft um 15:03 Uhr in Westerland. Doch schon nach 15 Minuten standen wir unerwartet im dunklen Tunnel vor Göttingen. Auch die Weiterfahrt nach Hamburg verlief nicht planmäßig. Statt um 11:36 Uhr erreichten wir den Hamburger Hauptbahnhof erst weit nach 12:00 Uhr und verpassten den Anschlusszug nach Westerland um 12:02 Uhr. Das freundliche Zugpersonal sorgte jedoch dafür, dass der Zug fast 20 Minuten auf uns wartete. Mit uns reisten viele Erwachsene und vier Schulklassen aus dem Landkreis Kassel, die eine Woche im Jugendheim verbringen wollten. Glücklicherweise fand die Einfahrt auf Gleis 8 statt, und die Weiterfahrt sollte auf Gleis 9 erfolgen. Also schnell die Koffer geschnappt und in den bereitstehenden Zug gewechselt. Doch nach 20 Minuten kam die Bitte, den Zug zu verlassen, da sich die Türen nicht schließen ließen. Die Alternativen waren, die Regionalbahn zu nehmen oder eine Stunde auf den nächsten Zug zu warten. Wir entschieden uns für Letzteres und reservierten schnell Plätze. Nach weiteren 35 Minuten setzte sich der Zug langsam in Bewegung. Er war bis zum letzten Platz gefüllt.

Gegen 17:15 Uhr erreichten wir endlich Westerland, mit einer Verspätung von insgesamt 152 Minuten. Ab 120 Minuten Verspätung gibt es eine Entschädigung, die wir in Anspruch nahmen. 38,50 € wurden bereits meinem Konto gutgeschrieben.

Nach unserer Ankunft in Westerland trennten sich die Wege unserer sechsköpfigen Gruppe. Eine von uns hatte eine andere Unterkunft gebucht. Wir verabredeten uns, nach dem Abendessen in einer Bierkneipe in der Friedrichstraße zusammenzukommen, um das erste Spiel der WM zu sehen.

Meine Unterkunft überraschte mich. Offenbar hatte ich bei der Planung etwas missverstanden, denn statt wie gewohnt in Westerland zu übernachten, landete ich im Airport Hotel in Tinnum. Am nächsten Tag sollten dort auch die Fußballer einchecken, die am Banken-Cup-Turnier teilnehmen wollten.

Auf Sylt führt mich mein erster Weg stets ins Restaurant JM in Westerland. Über dieses Haus und seine Betreiber muss ich nicht erneut ausführlich berichten – ich habe schon oft darübergeschrieben.

Nach einem Besuch an der Bar, wo Barkeeper MO mich mit einem Hauscocktail begrüßte, ging es ins Restaurant. Die Speisekarte bot spannende Gerichte. Neben der obligatorischen Leber mit Kartoffelpüree wählte ich diesmal ein Carpaccio vom Kalbskopf mit Radieschen-Vinaigrette und als Hauptgang Kalbszunge in Schnittlauchsoße mit Erbsen, Möhren und hausgemachten Tagliatelle – Gerichte, die man selten in Restaurants dieser Klasse findet.

Das Carpaccio, hauchdünn geschnitten, überzeugte mit zarter Textur und milder Note. Die feine Marmorierung machte es saftig. Die Radieschen-Vinaigrette, frisch und nur dezent säuerlich, setzte mit ihrer Schärfe und Frische einen spannenden Kontrast. Ein rustikaler, zugleich eleganter Gang, ausgewogen und aromatisch.

Die Kalbszunge war zart und saftig, umhüllt von einer cremigen Schnittlauchsoße, deren frische Würze das Gericht harmonisch abrundete. Knackige Erbsen und süßliche Möhren bildeten ein farbenfrohes, geschmacklich stimmiges Gemüsearrangement. Die hausgemachten Tagliatelle mit ihrer samtigen Textur fingen die Soße perfekt auf und machten das Gericht zu einem runden, delikaten Erlebnis.

Wie immer bewies „Big Ben“ den richtigen Riecher und das passende Händchen. Er servierte zweimal Chardonnay: zum Carpaccio einen aus dem Burgund, zur Zunge einen aus Sizilien.

Nach Espresso und süßen Kleinigkeiten führte der Weg noch einmal zu MO. Dort gab es einen Absacker – ein Täfelchen Solaris-Trester vom nördlichsten Weinberg Deutschlands. MO schenkte nach, und diesen Nachschlag spürte ich noch am nächsten Morgen.

Freitag

Am Freitagmorgen begannen wir den Tag in Westerland mit einem entspannten Frühstück im Café Wien. Ich wählte das französische Frühstück, während die anderen sich Spiegelei, frische Krabben und ein Glas Sekt schmecken ließen – eine kräftige Stärkung für den Tag.

Danach fuhren wir mit dem Bus nach List und warteten dort auf unser Fußballteam. Die Spieler waren früh morgens in zwei Kleinbussen losgefahren und erreichten die Insel gegen 15 Uhr über Dänemark. Die „Alten Herren“ steckten die lange Fahrt gut weg und wollten nun Kalorien und Flüssigkeit auffüllen.

Ich selbst bestellte einen erfrischenden Sauvignon Blanc, einen knusprigen Krabben-Flammkuchen und Riesengarnelen – die ideale Kombination die schöne Zeit auf Sylt zu genießen.

Am Abend hatte ich dann ein „Rendezvous“ im Gourmet-Restaurant Bodendorf in Tinnum. Vom Hotel aus erreichte ich es bequem zu Fuß. Das für Sylt typische reetgedeckte Haus beherbergt nicht nur ein Luxushotel, sondern auch das Bistro siebzehn84 und das Gourmet-Restaurant. Ein Menü von Holger Bodendorf mit sechs bis neun Gängen ist Haute Cuisine vom Feinsten.

Benjamin Paul und Chef Holger Bodendorf begrüßten mich herzlich. Mit einem Glas Perrier-Jouët Rosé begann der Abend. Auf das große Menü verzichtete ich, denn in List hatte ich schon reichlich gegessen. Stattdessen wählte ich nur eine Vorspeise, ein Hauptgericht und ein Dessert.

Holger Bodendorf eröffnete den Abend persönlich. Zum Champagner servierte er die ersten kleinen Amuse-Bouches: kleine Interpretationen von Wolfsbarsch, Thunfisch mit Nori-Algen und Kartoffeln.

Danach kam eine offene Ravioli mit glacierten Jakobsmuscheln, mariniertem Spitzkraut, Mispel und Verjus. Die Nudelplatten waren hauchdünn, die Jakobsmuscheln noch leicht glasig. Durch den Verjus hatte die Sauce eine leicht säuerliche Note. Gebratene Jakobsmuscheln stehen auf meiner Favoritenliste. Ich hatte also die richtige Wahl getroffen. Dazu trank ich einen Wein von Salwey vom Kaiserstuhl. Serviert und erläutert wurde der Gang von Oliver Laubinger. Er ist Junior Souschef im „Bodendorf“ und gehört im neuen „Feinschmecker“ 7/2026 zu den dreißig Talenten der Gastronomie in Deutschland.

Das Stück Rücken vom Salzwiesenlamm kam auf den Punkt, also medium, auf den Tisch. Die Beilagen, Powerade, mediterranes Gemüse und Safranfond, wurden in einem separaten Schälchen serviert. Die Lammsauce war würzig, hatte aber wie auch das Rückenstück kaum Lammgeschmack. Dieses Problem habe ich mit dem Service ausgiebig diskutiert. Serviert wurde der Gang vom Küchenchef Denis Brühl. Dazu gab es einen Rotwein von der Rhône.

Beim Dessert hatte ich so meine Probleme. Das Pre-Dessert, Ziegenkäseeis mit Aprikose, war ausgezeichnet. Das Dessert selbst hatte zu viele Komponenten, sodass ich auf Einzelheiten nicht eingehen kann.

Insgesamt war es ein gelungener Abend. Mal sehen, ob ich bei meinem Besuch auf der Insel im August einen Termin frei habe.

Samstag

Der Samstag stand ganz im Zeichen des Fußballs. Auf dem Sportgelände von Tinnum 66 waren 36 Teams aus ganz Deutschland angereist, um beim Sylter Bankencup den Sieger zu ermitteln. Es ist eines der gefragtesten Fußball-Kleinfeldturniere in Deutschland.

Die nordhessische Regionalauswahl war mit dreizehn Spielern und 23 Fans angereist, alles Fußball- und Sylt-Liebhaber. Unterstützung bekam das Team auch noch von Schülerinnen und Schülern der EKS Baunatal, die im Jugendheim Kassel ihre Freizeit verbrachten. Sie waren mit uns im Zug angereist, und ihr Lehrer war Spieler der Auswahl. Leider herrschte sogenanntes Fritz-Walter-Wetter. Regenschauer, Sonne und Sturm wechselten sich ab. Obwohl ich mein Gesicht mit Sonnencreme eingecremt hatte, ließ sich ein leichter Sonnenbrand nicht vermeiden.

Das Team um Teamchef Uwe Habedank und die Trainer Goce Malinov und Christopher Minne wurde Gruppensieger mit 13 von 15 Punkten und 12:0 Toren. Nach Siegen im Achtel- und Viertelfinale verlor man das Halbfinale gegen den TSV Friedland aus Mecklenburg, einen Gegner, der ein wenig jünger war. Das kleine Finale gegen den FC Plön konnte man allerdings gewinnen. Sieger wurde die Deutsche-Post-Nationalmannschaft.

Es war ein super Turnier. In den vergangenen vier Jahren belegte die Auswahl die Plätze 2, 1, 3 und wieder 3. Nordhessen wurde würdig vertreten.

Zum Abschluss am Samstagabend war ich wieder bei JM in Westerland und verabschiedete mich wie fast immer mit Lammbratwurst und Kartoffelsalat von der Insel.

Sonntag

Am Sonntag ging es um 10 Uhr von der Insel zurück, und wieder kam es zu Verspätungen. In Hamburg musste ich einen Zug nehmen, der eine Stunde später fuhr als der gebuchte. Mit etwas mehr als 60 Minuten Verspätung erreichte ich dann Kassel.

Fazit: Ich hatte großartige Tage auf Sylt mit Menschen, die Sylt und natürlich Fußball lieben. Auf zum nächsten Turnier, das am 19. Juni 2027 stattfindet.

Storchen – Bad Krozingen 2026-04-24

Die letzte Station unserer Gourmet-Tour war das Restaurant Storchen in Bad Krozingen-Schmidhofen. Das etablierte Haus trägt einen Michelin-Stern. Er steht für Qualitätsbewusstsein und Konstanz. Kreative Interpretationen ergänzen die regionale Herkunft der Zutaten. So entstehen ausgewogene Geschmackserlebnisse. Der Service wirkte fachkundig und aufmerksam. Eine passende Weinbegleitung unterstützt ihn. Der badische Gasthof von 1764 hat geschmackvolle Stuben die ländlich eingerichtet sind. Ein alter Kachelofen und die umlaufende Holtäfelung unterstreichen diesen Stil. Vater und Sohn Helfesrieder stehen mit zusätzlichen Personal in der Küche, während die Ehefrauen servieren.

Das Menü verbindet regionale Tradition mit moderner Küche in perfekter Balance. Mit Liebe zum Detail entstehen neu interpretierte Klassiker:

Als Amuse-Bouche gab es hausgebackenes Brot mit Griebenschmalz und Kräuter-Hüttenkäse – ein rustikaler Auftakt.

Es folgte hausgebeizter Island-Saibling mit Spargel, Buttermilch und Kräutern.

Besonders beeindruckte das raffinierte Storchenwirt’s Sandwich, das Hummer und Schwarzwaldhuhn in einem harmonischen Zusammenspiel vereint.

Junge Karotten mit Hummus und der feinen Bitterkeit von Berberitzen spielten gekonnt mit süß-säuerlichen Aromen.

Der Zander brachte die Frische heimischer Gewässer auf den Teller.

Eine kleine Erfrischung bereitete den Gaumen auf das Finale vor:

Dreierlei vom Glottertäler Weiderind, begleitet von cremiger Kartoffel mit Waldkräutern, Erbsen und gebratenem Spargel – ein Fest für die Sinne.

Den süßen Abschluss bildete eine dekonstruierte Version des Bienenstichs: Topfenmousse, geschorter Rhabarber und erfrischendes Sauerampfer-Eis. Ein zartes, doch ausdrucksstarkes Finale, das den Abend stilvoll abrundete.

Gesamzeindruck: ein guter Stern 7.3/10. Es war ein verlässlicher, hochwertiger Abschluss einer Reise durch die feine Küche. Ruhig, konzentriert und genussvoll. Ein Muss für Liebhaber stilvoller, regional inspirierter Kreationen in gehobenem Ambiente.