Tag 3 – Sylt im August 2026

Tag 3 – Sylt

Nach dem Frühstück ließ ich meine Walking-Tour ausfallen. Stattdessen fuhr ich um 10.30 Uhr nach Wenningstedt zur Friesenkapelle. Dort begann um 11.00 Uhr die Trauerfeier für Jörg Müller, der nach langer Krankheit im Alter von 79 Jahren gestorben war.

1992 besuchte ich zum ersten Mal sein Restaurant. Zwischen 1995 und 2004 nahm ich regelmäßig an seinen Kochkursen teil, die jeweils vier Tage dauerten. Die Termine lagen im Februar oder November, wenn es auf Sylt ruhiger zuging. Die Themen reichten von „Seminar für Fortgeschrittene“ über „Italienische Küche“ bis zu „Spezialitäten von Land und Meer“. Übernachtet wurde stets im Hotel, das zum Restaurant gehörte. Trotz des Stresses waren es immer angenehme Tage.

Müller leitete die Kurse persönlich, obwohl er gleichzeitig das Tagesgeschäft bewältigen musste. Damals hatte sein Restaurant auch mittags geöffnet. Er erklärte jeden Gang, gab Zubereitungstipps und achtete darauf, dass während der Vorbereitungen kein Alkohol floss. Beeindruckend war sein wirtschaftliches Denken: Ohne Sponsor musste er seine Investitionen selbst erwirtschaften. Anhand eines Lammgerichts zeigte er, wie er vorging. Er kaufte ein ganzes Lamm von der Insel und verwertete es vollständig. Das Gourmetrestaurant bekam den Rücken, während Schulter und Keule im „Pesel“, seinem Bistro, landeten. Die Knochen schabte er gründlich ab und verarbeitete sie zu Lammfrikadellen oder seinen legendären Bratwürsten, die er auch als Amuse-Bouche im Gourmetrestaurant servierte. Aus den Knochen kochte er in einem aufwendigen Verfahren eine sämige Sauce.

Viele Jahre waren wir Gäste in seinem Restaurant und später auch im Hotel. Es waren stets schöne Aufenthalte. Hoffen wir, dass es ohne ihn weitergeht – ich bin zuversichtlich.

Am späten Nachmittag kehrten wir ins „Fisch Hüs“ ein. Eigentlich wollte Irmtraud bei Blum „Grüne Heringe“ essen, doch die gab es an diesem Tag nicht.

Sie bestellte stattdessen Wolfsbarsch, der gut gebraten und gewürzt war.

Ich wählte eine Bouillabaisse aus Nordseefischen, die leider etwas Würze vermissen ließ,

und anschließend Labskaus. Dazu tranken wir einen Grauburgunder vom Weingut Dr. von Bassermann-Jordan. Auf der Karte entdeckte ich den Wildkirsch Nr. 1 von Ziegler – in den 1980er-Jahren ein Kult-Digestif. Natürlich bestellte ich ihn, und Erinnerungen wurden wach. Es war ein angenehmer Aufenthalt auf der Terrasse.