Schwarzer Adler, Oberbergen – 2026-04-21

 Franz Keller

Ein Aufenthalt der besonderen Art. Eine Gasstätte Mitten im Ort gelegen wie so viele in Deutschland. Die meisten dieser Gaststätten bieten aber meistens nur Speis und Trank aus der Gefriertruhe oder servieren für viel Geld Convenience -Produkten an.

Dieses Haus ist aus der Art geschlagen. Weine, Restaurant und Hotel unter einem Dach. Diese Reihenfolge ist vom Haus  Keller wahrscheinlich auch bewusst gewählt. In erster Linie ein Weingut mit nationaler und internationaler Bedeutung. Dann eine örtliche Gaststätte, aus der im Laufe der Jahre und Jahrzehnte ein anerkanntes Restaurant wurde und da man nach dem Weingenuss nicht mehr aus dem Haus muss, gibt es auch entsprechende Zimmer. Seit 1969 leuchten die Sterne des Guide Michelin über dem Haus.  Mit einer Ausnahme.

1969: Erster Michelin-Stern unter Irma Keller.

1974–1976: Das Restaurant hielt unter Franz Keller jun. zwei Sterne

2020: Der Stern wurde nicht mehr vergeben.

2021: Ein Jahr später bekam man wieder den Stern

Hat man sich zu einem Besuch im Schwarzen Adler durchgerungen, sollte man folgendes beachten:

Natürlich einen Tisch bestellen und gleichzeitig auch ein Zimmer reservieren. Die Weinkarte im Internet herunterladen und aufmerksam studieren. Es ist fast unmöglich diesen dicken Wälzer am Tisch in Ruhe durchzulesen. Auch sollte man die Speisekarte im Internet lesen. Man wird, so wie wir, einen unvergesslichen Abend erleben. Besser wäre es  vielleicht, dieses Vergnügen auf den Mittag legen und dann im Sommer auf dem Freisitz zu speisen.

Zuerst wird aber die berühmte WM-Ecke angesehen. Der Patenonkel von Fritz Keller ist ja Fritz Walter. Er feierte mit der Nationalmannschaft 1954 den WM-Sieg im Restaurant Schwarzer Adler in Oberbergen

Das Menü umfasst fünf bis sieben Gänge. Zu jedem Gang gibt es einen passenden Wein. À la carte stehen drei Vorspeisen oder Zwischengänge, zwei Hauptgerichte, ein Käsegang und Desserts zur Wahl. Für zwei Personen gibt es Spezialitäten wie Bresse-Huhn von Odefey & Töchter oder Huhn in der Blase.

Wir wählen sechs Gänge von der Karte, lassen den Käsegang aus und teilen uns die ersten beiden. Schließlich wissen wir, was die nächsten drei Tage bringen.

Zum Start trinken wir ein Glas Grande Cuvée aus dem Hause Keller, 0,1 Liter. Dazu kommt eine Scheibe Ententerrine. Brot und Butter folgen rasch. Vorab knabbern wir an Blätterteigstangen.

Der Frühling meldet sich auf dem Teller. Gebeizter Wolfsbarsch, hauchdünn geschnitten und kunstvoll angerichtet, trifft auf knackige Mairübchen und die sanft pfeffrige Frische der Brunnenkresse. Die Sauce verbindet alles. Chorizo-Öl bringt würzige Tiefe. Ein Frühlingsgruß, der die Sinne weckt und das Menü eröffnet.

Der zweite Gang vereint die feinen Aromen der blauen Garnele mit der Würze einer Café-de-Paris-Butter. Gewürfelter Kalbskopf bringt eine herzhafte Note ein, Hechtklößchen eine leichte fischige Nuance. Frische grüne Erbsen setzen farbliche Akzente und sorgen für angenehm süße Frische. Zusammen ergibt das eine stimmige Komposition. Dazu kommt ein Weißburgunder „Scherben“ 2022 vom Weingut am Klotz im Markgräflerland. Der Wein überzeugt mit feiner Säure und einer dezent zitronigen Frucht.

Der Seeteufel ist fest im Biss und zugleich wunderbar zart. Grüne Oliven, Dal-Linsen und Joghurt begleiten ihn. Seine besondere Textur bringt den Geschmack des Meeres klar zur Geltung, ohne an Saftigkeit zu verlieren. Die Oliven und Linsen setzen einen angenehmen Kontrast. Ihre weiche Konsistenz harmoniert mit der Bissfestigkeit des Fisches. Der Joghurt fügt eine frische, cremige Note hinzu. Das Gericht verbindet unterschiedliche Elemente zu einem ausgewogenen Geschmackserlebnis. Dazu passt ein Château Carbonnieux blanc 2013, ein würziger, leuchtender Weißwein mit intensiven Pfirsichnoten und mineralischem Charakter. Vollmundig und lebendig durch seine frische Säure.

Das Kalbsbries ist für mich der Höhepunkt des Menüs. Zart und fein fängt es die Frische des Frühlings perfekt ein. Frische Morcheln und knackiger grüner Spargel ergänzen das Gericht mit erdigen und grünen Aromen. Eine mit Vin Jaune verfeinerte Sauce gibt dem Ganzen nussige Tiefe und rundet die Aromen harmonisch ab. Dazu wird ein Grauburgunder Selection „A“ 2002 vom eigenen Weingut serviert. Der Wein zeigt sich komplex und tiefgründig, mit kaum noch spürbarer Säure. Sein Charakter erinnert an Sherry und macht die Kombination mit dem Kalbsbries und der delikaten Sauce zu einem unvergesslichen Genuss. Ein Frühlingsgruß auf dem Teller und im Glas.

Der nächste Gang, Wachtel aus Challans im Blätterteig, wirkt dagegen etwas schwer. Das Fleisch ist zwar perfekt gegart, doch der Teig überdeckt die feine Zartheit. Bärlauch, Kohlrabi und Shiitake begleiten das Gericht. Ein Château Nenin 1992 rundet es ab. Er hat eine brillante Farbe und entfaltet ein fruchtig-frisches, blumiges Bouquet.

Auf den Käsegang verzichten wir. Wir wissen ja, was in den nächsten Tagen auf uns zukommen soll.

Statt der Gariguette-Erdbeere wählen wir aus dem À-la-carte-Programm Tarte Tatin flambée mit Vanilleeis und Calvados. Ich bekenne: Normandie-Fan; deshalb die Tarte Tatin – flambiert, mit Calvados.

Ein Gläschen Calvados und ein Espresso runden den süßen Abschluss eines Menüs ab, das nach meiner Auffassung knapp unterhalb des zweiten Sternes steht. 7.6 von 10

Speisekarte https://speisekarten.wordpress.com/2026/04/27/schwarzer-adler-oberbergen/

Kochbücher, ohne Bilder

Siebeck-Kochschule
Siebeck-Kochschule

Allemanisch angerichtet - Franz Keller
Allemanisch angerichtet - Franz Keller

Wechsberger
Wechsberger

Wechsbergers und auch Kellers Buch sind allerdings keine reinen Kochbücher, sondern Lebenserinnerungen über Essen – Trinken – Reisen.

Schwarzer Adler – Oberbergen

 FRANZ KELLER SCHWARZER ADLER
WEINE – RESTAURANTS – HOTEL
Badbergstrasse 23
D-79235 Vogtsburg-Oberbergen Kaiserstuhl/Baden
Tel. (0049) 07662/9330-0 Fax: 07662/719
E-Mail:
keller (at) franz-keller.de
 www.franz-keller.de

 
Poularde in der Schweinsblase
Poularde in der Schweinsblase

Ein Aufenthalt der besonderen Art. Eine Gasstätte Mitten im Ort gelegen wie so viele in Deutschland. Die meisten dieser Gaststätten bieten aber meistens nur Speis und Trank aus der Gefriertruhe oder servieren für viel Geld Convenience -Produkten an.

Dieses Haus ist aus der Art geschlagen. Weine, Restaurant und Hotel unter einem Dach. Diese Reihenfolge ist vom Haus  Keller wahrscheinlich auch bewusst gewählt. In erster Linie ein Weingut mit nationaler und internationaler Bedeutung. Dann eine örtliche Gaststätte aus der im laufe der Jahre und Jahrzehnte ein anerkanntes Restaurant wurde und da man nach dem Weingenuss nicht mehr aus dem Haus muss, gibt es auch entsprechende Zimmer. Seit 1969 leuchten die Sterne des Guide Michelin über dem Haus.  

Hat man sich zu einem Besuch im Schwarzen Adler durch gerungen, sollte man folgendes beachten:

Natürlich einen Tisch bestellen und gleichzeitig auch ein Zimmer reservieren. Die Weinkarte im Internet herunterladen und aufmerksam studieren. Es ist fast unmöglich diesen dicken Wälzer am Tisch in Ruhe durch zu lesen. Nach Studium der Speisekarte ebenfalls im Internet die Poularde in der Schweinsblase vorbestellen. Sie werden, so wie wir, einen unvergesslichen Abend erleben. Besser ist es vielleicht noch, dieses Vergnügen auf den Mittag legen und dann im Sommer auf dem Freisitz zu speisen.

Nach dem Einchecken noch etwas Ruhe auf den gemütlichen Zimmern und dann ab ins Restaurant. Das Haus war an diesem Sonntagabend nach meinen Eindruck fast ausgebucht. Da in drei Räumen serviert wird, hatte man natürlich keinen Einblick in die anderen Stuben.

Amuse Bouche
Amuse Bouche

Als Aperitif wählten wir einen Riesling Sekt natürlich aus dem Hause Keller, dazu wurden Blätterteigstangen serviert.  Da wir ja die Poularde vorbestellt hatten, wurden nur zwei Vorspeisen bestellt, die jeweils  als halbe Portion serviert wurden.

Eine große Hilfe dabei war  der sehr souveräne Maitre Hubert Pfingstag.

Als Amuse Bouche wurde eine Scheibe  Blätterteig gefüllt mit Schinken und Käse auf einer Spinatcreme serviert.

Gänsestopfleber
Gänsestopfleber

Terrine de Foie Gras

Eine kalte Vorspeise machte den Anfang. Die hausgemachte Gänsestopfleber war korrekt zubereitet. Ein selten gutes Apfelchutney und ein Gewürztraminer Gelee begleitete diesen ersten Gang. Dazu gab es ein sehr schmackhaftes  und  lockeres Brioche.

Steinbutt
Steinbutt

Steinbuttfilet aus dem Atlantik

Als warme Vorspeise dann ein Steinbutt  auf schwarzem Venere-Risotto und Beurre Blanc. Der Steinbutt innen noch ein wenig glasig, der Reis mit Biss und eine Sauce mit herrlichem Buttergeschmack.

 

Poulardenbrust 1. Gang
Poulardenbrust 1. Gang

Getrüffelte Poularde in der Blase, gefüllt mit Gänse-leber, Reis und Gemüse

Dann hatte   Maitre Hubert Pfingstag seinen großen Auftritt. Auf einem Silbertablett wurde die prallgefüllte Blase mit Inhalt serviert. Gekonnt zerlegte der Maitre das Tier. Serviert wurde es in zwei Gängen. Zuerst die Brust. Wunderbar zart und  saftig Die Füllung aus Reis, Trüffel, Foie Gras und klein geschnittenem Gemüse und einem schmackhaften Sud. Dazu mitgedämpfter  Porree und Kartoffeln, die eigentlich überflüssig waren. Danach die Keulen.  Große Portionen die aber zu schaffen waren.

Allein der Fleisch und Trüffelduft der aus der aufgeschnittenen Blase entweich, ist die Reise und auch die 80 € für die Poularde wert.

Dessert
Dessert

Zum Abschluss dann noch Variationen von der Valrhona Schokolade. eine absolute Sünde. Flüssig, fest, kalt, warm mit intensivsten Schokoladengeschmack.

 Leider haben wir den Käsewagen zu spät gesichtet. Wie vom Nachbartisch zu erfahren war, gab es schön gereifte Produkte.

Der Service leicht und locker, aber vorbildlich und nach alter Schule ohne Steifigkeit.

 Tolle Weinkarte mit all den großen Namen dieser Weinwelt. Auch die Preise  sind  konkurrenzlos niedrig. Wir hielten uns nach Rücksprache mit Sommelière Melanie Wagner an Weine aus dem Hause Keller.

Zum Abschluss noch Kaffee und ein Kirsch aus eigener Brennerei.

Ein Haus mit Tradition, aber auf der Höhe der Zeit. Eine Adresse die man öfters ansteuern sollte.