Sylt 11.-14. Juni 2026

Unterwegs mit der Regional Auswahl Nordhessen- Kicker mit Herz und Verstand

Viele Wege führen nach Sylt. Am schnellsten erreicht man die Insel per Flugzeug. Direktflüge von verschiedenen deutschen Flughäfen bieten sich an, wenn die Zeit knapp ist. Viele reisen auch mit dem Auto an. Über den Hindenburgdamm, der das Festland mit Sylt verbindet, gelangt man bequem und zügig auf die Insel. Wer eine andere Route bevorzugt, kann über Dänemark fahren und die Strecke mit einer Fährüberfahrt kombinieren. Diese reizvolle Alternative macht die Anreise abwechslungsreicher. Natürlich bietet auch die Deutsche Bahn eine Möglichkeit. Sie ist nicht nur umweltfreundlich, sondern schon die Fahrt selbst ein besonderes Erlebnis. Auf der An- und Abreise erlebt man kleine Abenteuer, die zwar nerven und Zeit kosten, aber die Vorfreude auf Sylt steigern. Egal, wie man anreist: Die Reise nach Sylt bleibt ein besonderes Erlebnis.

Donnerstag

Unsere Bahnfahrt nach Sylt begann fast pünktlich um 08:36 Uhr in Kassel Wilhelmshöhe, mit geplanter Ankunft um 15:03 Uhr in Westerland. Doch schon nach 15 Minuten standen wir unerwartet im dunklen Tunnel vor Göttingen. Auch die Weiterfahrt nach Hamburg verlief nicht planmäßig. Statt um 11:36 Uhr erreichten wir den Hamburger Hauptbahnhof erst weit nach 12:00 Uhr und verpassten den Anschlusszug nach Westerland um 12:02 Uhr. Das freundliche Zugpersonal sorgte jedoch dafür, dass der Zug fast 20 Minuten auf uns wartete. Mit uns reisten viele Erwachsene und vier Schulklassen aus dem Landkreis Kassel, die eine Woche im Jugendheim verbringen wollten. Glücklicherweise fand die Einfahrt auf Gleis 8 statt, und die Weiterfahrt sollte auf Gleis 9 erfolgen. Also schnell die Koffer geschnappt und in den bereitstehenden Zug gewechselt. Doch nach 20 Minuten kam die Bitte, den Zug zu verlassen, da sich die Türen nicht schließen ließen. Die Alternativen waren, die Regionalbahn zu nehmen oder eine Stunde auf den nächsten Zug zu warten. Wir entschieden uns für Letzteres und reservierten schnell Plätze. Nach weiteren 35 Minuten setzte sich der Zug langsam in Bewegung. Er war bis zum letzten Platz gefüllt.

Gegen 17:15 Uhr erreichten wir endlich Westerland, mit einer Verspätung von insgesamt 152 Minuten. Ab 120 Minuten Verspätung gibt es eine Entschädigung, die wir in Anspruch nahmen. 38,50 € wurden bereits meinem Konto gutgeschrieben.

Nach unserer Ankunft in Westerland trennten sich die Wege unserer sechsköpfigen Gruppe. Eine von uns hatte eine andere Unterkunft gebucht. Wir verabredeten uns, nach dem Abendessen in einer Bierkneipe in der Friedrichstraße zusammenzukommen, um das erste Spiel der WM zu sehen.

Meine Unterkunft überraschte mich. Offenbar hatte ich bei der Planung etwas missverstanden, denn statt wie gewohnt in Westerland zu übernachten, landete ich im Airport Hotel in Tinnum. Am nächsten Tag sollten dort auch die Fußballer einchecken, die am Banken-Cup-Turnier teilnehmen wollten.

Auf Sylt führt mich mein erster Weg stets ins Restaurant JM in Westerland. Über dieses Haus und seine Betreiber muss ich nicht erneut ausführlich berichten – ich habe schon oft darübergeschrieben.

Nach einem Besuch an der Bar, wo Barkeeper MO mich mit einem Hauscocktail begrüßte, ging es ins Restaurant. Die Speisekarte bot spannende Gerichte. Neben der obligatorischen Leber mit Kartoffelpüree wählte ich diesmal ein Carpaccio vom Kalbskopf mit Radieschen-Vinaigrette und als Hauptgang Kalbszunge in Schnittlauchsoße mit Erbsen, Möhren und hausgemachten Tagliatelle – Gerichte, die man selten in Restaurants dieser Klasse findet.

Das Carpaccio, hauchdünn geschnitten, überzeugte mit zarter Textur und milder Note. Die feine Marmorierung machte es saftig. Die Radieschen-Vinaigrette, frisch und nur dezent säuerlich, setzte mit ihrer Schärfe und Frische einen spannenden Kontrast. Ein rustikaler, zugleich eleganter Gang, ausgewogen und aromatisch.

Die Kalbszunge war zart und saftig, umhüllt von einer cremigen Schnittlauchsoße, deren frische Würze das Gericht harmonisch abrundete. Knackige Erbsen und süßliche Möhren bildeten ein farbenfrohes, geschmacklich stimmiges Gemüsearrangement. Die hausgemachten Tagliatelle mit ihrer samtigen Textur fingen die Soße perfekt auf und machten das Gericht zu einem runden, delikaten Erlebnis.

Wie immer bewies „Big Ben“ den richtigen Riecher und das passende Händchen. Er servierte zweimal Chardonnay: zum Carpaccio einen aus dem Burgund, zur Zunge einen aus Sizilien.

Nach Espresso und süßen Kleinigkeiten führte der Weg noch einmal zu MO. Dort gab es einen Absacker – ein Täfelchen Solaris-Trester vom nördlichsten Weinberg Deutschlands. MO schenkte nach, und diesen Nachschlag spürte ich noch am nächsten Morgen.

Freitag

Am Freitagmorgen begannen wir den Tag in Westerland mit einem entspannten Frühstück im Café Wien. Ich wählte das französische Frühstück, während die anderen sich Spiegelei, frische Krabben und ein Glas Sekt schmecken ließen – eine kräftige Stärkung für den Tag.

Danach fuhren wir mit dem Bus nach List und warteten dort auf unser Fußballteam. Die Spieler waren früh morgens in zwei Kleinbussen losgefahren und erreichten die Insel gegen 15 Uhr über Dänemark. Die „Alten Herren“ steckten die lange Fahrt gut weg und wollten nun Kalorien und Flüssigkeit auffüllen.

Ich selbst bestellte einen erfrischenden Sauvignon Blanc, einen knusprigen Krabben-Flammkuchen und Riesengarnelen – die ideale Kombination die schöne Zeit auf Sylt zu genießen.

Am Abend hatte ich dann ein „Rendezvous“ im Gourmet-Restaurant Bodendorf in Tinnum. Vom Hotel aus erreichte ich es bequem zu Fuß. Das für Sylt typische reetgedeckte Haus beherbergt nicht nur ein Luxushotel, sondern auch das Bistro siebzehn84 und das Gourmet-Restaurant. Ein Menü von Holger Bodendorf mit sechs bis neun Gängen ist Haute Cuisine vom Feinsten.

Benjamin Paul und Chef Holger Bodendorf begrüßten mich herzlich. Mit einem Glas Perrier-Jouët Rosé begann der Abend. Auf das große Menü verzichtete ich, denn in List hatte ich schon reichlich gegessen. Stattdessen wählte ich nur eine Vorspeise, ein Hauptgericht und ein Dessert.

Holger Bodendorf eröffnete den Abend persönlich. Zum Champagner servierte er die ersten kleinen Amuse-Bouches: kleine Interpretationen von Wolfsbarsch, Thunfisch mit Nori-Algen und Kartoffeln.

Danach kam eine offene Ravioli mit glacierten Jakobsmuscheln, mariniertem Spitzkraut, Mispel und Verjus. Die Nudelplatten waren hauchdünn, die Jakobsmuscheln noch leicht glasig. Durch den Verjus hatte die Sauce eine leicht säuerliche Note. Gebratene Jakobsmuscheln stehen auf meiner Favoritenliste. Ich hatte also die richtige Wahl getroffen. Dazu trank ich einen Wein von Salwey vom Kaiserstuhl. Serviert und erläutert wurde der Gang von Oliver Laubinger. Er ist Junior Souschef im „Bodendorf“ und gehört im neuen „Feinschmecker“ 7/2026 zu den dreißig Talenten der Gastronomie in Deutschland.

Das Stück Rücken vom Salzwiesenlamm kam auf den Punkt, also medium, auf den Tisch. Die Beilagen, Powerade, mediterranes Gemüse und Safranfond, wurden in einem separaten Schälchen serviert. Die Lammsauce war würzig, hatte aber wie auch das Rückenstück kaum Lammgeschmack. Dieses Problem habe ich mit dem Service ausgiebig diskutiert. Serviert wurde der Gang vom Küchenchef Denis Brühl. Dazu gab es einen Rotwein von der Rhône.

Beim Dessert hatte ich so meine Probleme. Das Pre-Dessert, Ziegenkäseeis mit Aprikose, war ausgezeichnet. Das Dessert selbst hatte zu viele Komponenten, sodass ich auf Einzelheiten nicht eingehen kann.

Insgesamt war es ein gelungener Abend. Mal sehen, ob ich bei meinem Besuch auf der Insel im August einen Termin frei habe.

Samstag

Der Samstag stand ganz im Zeichen des Fußballs. Auf dem Sportgelände von Tinnum 66 waren 36 Teams aus ganz Deutschland angereist, um beim Sylter Bankencup den Sieger zu ermitteln. Es ist eines der gefragtesten Fußball-Kleinfeldturniere in Deutschland.

Die nordhessische Regionalauswahl war mit dreizehn Spielern und 23 Fans angereist, alles Fußball- und Sylt-Liebhaber. Unterstützung bekam das Team auch noch von Schülerinnen und Schülern der EKS Baunatal, die im Jugendheim Kassel ihre Freizeit verbrachten. Sie waren mit uns im Zug angereist, und ihr Lehrer war Spieler der Auswahl. Leider herrschte sogenanntes Fritz-Walter-Wetter. Regenschauer, Sonne und Sturm wechselten sich ab. Obwohl ich mein Gesicht mit Sonnencreme eingecremt hatte, ließ sich ein leichter Sonnenbrand nicht vermeiden.

Das Team um Teamchef Uwe Habedank und die Trainer Goce Malinov und Christopher Minne wurde Gruppensieger mit 13 von 15 Punkten und 12:0 Toren. Nach Siegen im Achtel- und Viertelfinale verlor man das Halbfinale gegen den TSV Friedland aus Mecklenburg, einen Gegner, der ein wenig jünger war. Das kleine Finale gegen den FC Plön konnte man allerdings gewinnen. Sieger wurde die Deutsche-Post-Nationalmannschaft.

Es war ein super Turnier. In den vergangenen vier Jahren belegte die Auswahl die Plätze 2, 1, 3 und wieder 3. Nordhessen wurde würdig vertreten.

Zum Abschluss am Samstagabend war ich wieder bei JM in Westerland und verabschiedete mich wie fast immer mit Lammbratwurst und Kartoffelsalat von der Insel.

Sonntag

Am Sonntag ging es um 10 Uhr von der Insel zurück, und wieder kam es zu Verspätungen. In Hamburg musste ich einen Zug nehmen, der eine Stunde später fuhr als der gebuchte. Mit etwas mehr als 60 Minuten Verspätung erreichte ich dann Kassel.

Fazit: Ich hatte großartige Tage auf Sylt mit Menschen, die Sylt und natürlich Fußball lieben. Auf zum nächsten Turnier, das am 19. Juni 2027 stattfindet.

Sylt – Eine Reise voller Kontraste

19. März bis 22. März 2026

Donnerstag

Nicht die perfekt geplanten Reisen bleiben im Gedächtnis, sondern jene, die mit Überraschungen aufwarten.

Die Fahrt nach Sylt begann an einem Donnerstagmorgen – unspektakulär, fast routiniert, aber mit eigener Dynamik. Schon früh zeigte sich der Charakter der Gruppe: pünktlich, diszipliniert, verlässlich. Um 06:00 Uhr rollte der moderne Reisebus der Firma Fröhlich nordwärts.

Ein Zwischenstopp führte wie jedes Jahr nach Hamburg – ein kurzer Halt, geprägt von Routine, bevor es weiterging. In Niebüll wechselten wir auf den Autozug zur Insel. Ziel war das Jugendseeheim des Landkreises Kassel auf Sylt.

Mit jedem Kilometer nach Norden veränderte sich die Wahrnehmung. Die Landschaft öffnete sich, das Licht wurde klarer, die Luft salziger. Sylt drängt sich nicht auf, sondern entfaltet seine Wirkung leise: die Weite der Dünen, das sanfte Farbspiel von Himmel, Meer und Heide, die stille Selbstverständlichkeit eines Ortes, der seit jeher unterschiedlichste Erwartungen spiegelt.

Die Unterkunft setzte einen bewussten Kontrast zur landschaftlichen Weite. Schlicht, fast asketisch, ohne Inszenierung – kein Ort zum Verweilen, sondern zum Ankommen und Weiterziehen. Funktional, unprätentiös, beinahe kühl. Doch gerade darin lag ein eigener Reiz. Vertrautheit stellte sich ein: Erinnerungen an frühere Jahrzehnte wurden wach, an Schulausflüge, die genau hier endeten. Die Reduktion wirkte nicht fremd, sondern vertraut – wie ein stiller Rückgriff auf eine einfachere Art des Reisens.

Nach dem Abendessen ging es in die Kogge, den Treffpunkt des Jugendseeheims. Unser Präsident und Organisator Hartmut hatte eine Gruppe des Shanty-Chors Sylt engagiert. Es wurde ein geselliger Abend mit viel Gesang, der erst spät in der Nacht endete.

Ich selbst zog mich kurz zurück und fuhr nach Westerland zu Jörg Müller. In seinem Restaurant genoss ich ein kleines Abendmenü:

Leber mit Püree,

die obligatorische Lammbrustwurst und eine Maultasche mit Kartoffelsalat. Dazu trank ich den berühmten Hauscocktail und ein Glas kühlen Weißwein. Anschließend machte ich mich wieder auf den Rückweg.

Freitag:

Der nächste Tag stand im Zeichen eines Perspektivwechsels – oder anders gesagt: Wir ließen es ruhiger angehen. Nach dem Frühstück fuhren wir per Bus nach Tinnum, wo eine Kutschfahrt vom Pferdehof Tölke wartete. Endlich ein Fortbewegungsmittel, das sich unserem Urlaubsmodus anpasste.

Im gleichmäßigen Klappern der Hufe schien die Zeit stillzustehen. Die Landschaft zog gemächlich vorbei, und plötzlich wirkte Sylt nicht mehr wie eine schicke Postkartenkulisse, sondern wie ein Ort, an dem man durchatmen kann. Wäre da nicht das Wetter gewesen: kühl, windig und mit der Entschlossenheit, uns an den Norden zu erinnern.

Um 12:30 Uhr wärmten wir uns mit einem kleinen, aber köstlichen Mittagessen in der Sylter Landschlachterei in Keitum. Gut gestärkt kehrten wir ins Seeheim zurück, wo eine kurze Pause eingelegt wurde – offiziell zum Umziehen, inoffiziell zur Regeneration.

Frisch geschniegelt zog es uns nach List – zu Gosch. In der Bootshalle wurde nicht gekleckert, sondern geklotzt: Austern, Lachs, Steinbeißer, Krabben – alles, was das Meer hergab, landete auf unseren Tellern. Dazu floss der Weißwein, vermutlich rein aus wissenschaftlichem Interesse.

Zurück im Heim ging der Abend nahtlos in eine gesellige Verlängerung über. Oder anders gesagt: Wir feierten weiter – konsequent im Zeichen des Perspektivwechsels.

Samstag:

Am Samstag stand Bosseln auf dem Programm – ein norddeutsches Spiel, bei dem es weniger ums Gewinnen als um das gemeinsame Erlebnis geht. Öffentliche Wege wurden zu Spielflächen, der Wettbewerb zum verbindenden Element. Auf asphaltierten Pfaden, durch Wälder mit Kurven und kleinen Untiefen, rollten die Kugeln. Mal stießen sie gegen Bäume, mal lagen sie vor einem toten Vogel. Zwischen Ehrgeiz und Gelassenheit entwickelte sich eine lebendige Dynamik. Am Ende gewann die „blaue Gruppe“, und die Ehrung fand in der Bierstube Bell statt. Danach zerstreuten sich die Gruppen: Einige blieben im Bell, andere zogen in die Sansibar oder die Vogelkoje, jeder auf seine Weise noch im Freizeitmodus.

JM:

Für mich ging es zurück zu meinem kulinarischen Rückzugsort: Jörg Müller in Westerland, mein Lieblingsrestaurant seit 1994. Hier herrscht eine gedämpfte, ruhige Atmosphäre, in der Kulinarik mit Präzision und handwerklicher Tiefe zelebriert wird. Jeder Gang wirkt durchdacht, leicht und ausgewogen – stille Souveränität statt demonstrativer Aufwändigkeit.

Der Abend begann mit einem Amuse-Bouche: frische Gemüsestangen wie Karotte und Stangensellerie, einfach, frisch und dennoch bemerkenswert. Mein Aperitif, der bekannte Hauscocktail, leitete den Abend sanft ein.

Zartes Sashimi vom Färöer Lachs schmolz auf der Zunge, durchzogen von der pikanten Frische der Leche de Tigre und dem knackigen Biss von Sellerie und Radieschen.

Meeresfrüchteravioli folgten wie ein sanfter Wellenschlag, umhüllt von samtiger Hummersauce.

Der weiße Heilbutt auf Kohlrabi, begleitet von Rote-Bete-Ragout und Champagnersauce, lotete die Balance zwischen Erde und Meer aus.

Eine 0,375‑Liter‑Flasche Weißwein verband die Aromen dieser drei Gänge.

Das Filet vom Holsteiner Rind, medium rare gegart, ruhte neben cremigem Kartoffelpüree – ein Moment purer Klarheit, in dem jedes Aroma seine Tiefe entfaltete. Ein Glas Beaujolais verlieh dem Gang fruchtige Leichtigkeit.

Espresso und Petits Fours öffneten die Sinne für die süße Ruhe des Abends, ein Zibärtle zum Abschluss brachte Wärme, wie der letzte Sonnenstrahl eines langen Tages.

Sonntag:

Am Sonntagmorgen wehte die Brise des Abschieds durch die Zimmer: Duschen, Betten abziehen, Frühstück – ein Ritual, das die Erinnerungen in den Alltag überführte. Das Shuttle brachte uns Richtung Heimat. Ein kurzer Spaziergang an den Landungsbrücken in Hamburg, ein Hauch von Hafenluft und Wasser, bevor der Heimweg endgültig begann. Gegen 19:00 Uhr erreichten wir wieder die vertrauten Straßen.

Doch Sylt bleibt nicht im Ablauf der Stunden gefangen. Es lebt in den Kontrasten: zwischen Anspruch und Einfachheit, Ruhe und Geselligkeit, Erinnerung und Gegenwart. Die Insel offenbart ihre Schönheit nicht in Perfektion, sondern in der Vielfalt ihrer Facetten – im Geschmack, in der Luft, in den stillen Momenten zwischen Wellenrauschen und Kerzenschein. In diesen Brüchen entfaltet Sylt seine stille, unvergessliche Magie.

Tipken’s by Nils Henkel- Sylt 2023

Sylt

Nein, Nils Henkel kocht nicht auf Sylt. Er kocht weiterhin im „Bootshaus“ in Bingen. Im Severin Hof in Keitum ist er im „Tipken’s by Nils Henkel“ verantwortlich  für das Gesamtkonzept sowie die Kreation der Menüs. René Verse, ein  langjähriger Mitarbeiter von Henkel, ist als Küchenchef verantwortlich für die Umsetzung von Henkels Idee von „Fauna“ und „Flora“

Auf der Terrasse unter den großen „Sonnenschirmen“, haben wir ein sehr gutes Menü genießen können. Der  Nachhaltigkeitsgedanken mit Fokus auf saisonale und regionale Produkte wurde in allen Gerichten umgesetzt.

Der Eigengeschmack der erstklassigen Produkte steht immer an erster Stelle. Wilde Kräuter aus der Region stehen als Bestandteile seiner Flora-Gerichte im Mittelpunkt. Fisch und Fleisch sind eher Begleitung statt Hauptzutat.

Fazit: Herzlicher Empfang und fachlich perfekter Service. Das Menü by Nils Henkel war sehr gut.  Entenbrust und Reh perfekt in Qualität, Anrichten und Geschmack. Lediglich der Gang mit der Melone war der Schwachpunkt des Abends. Durch die Verarbeitung der Melone in verschiedenen Schritten wurde das Produkt „Lederartig“. Man hatte Probleme die Melone zu schneiden. Sehr Interessant war das „Dessert“. Die Karotte als süße Komponente und das Giersch Sorbet mit einer leichten Bitterkeit. Hier hätte man allerdings den Giersch Geschmack noch besser hervorheben können.

Amuse Bouche 1 – Gemüse Gazpacho und Krustentierfond

Amuse Bouche 2 – Linsencracker mit Entenleber

Wassermelone – geräucherte Frischkäse – Mandeln – Zitronenverbene

Felsenrotbarbe – Tintenfisch – Fenchel

Gewürzente – Szechuan Pfeffer – Entenzunge – Spitzkohl

Rehbock – Fichtenessigjus – Pfifferlinge – Gundermann

Möhren – Giersch Sorbet – Ziegenjoghurt – Berberitzen

Süßer Abschluss

Brot und Bier – Keitum – 2021

Brot & Bier 17.07. spätnachmittags/abends

Wir haben bei Brot&Bier schon besser gegessen. Es gab nicht den einen großen Fehler, sondern es waren viele Kleinigkeiten, die nicht so richtig in das bisherige Bild passten. Vorher möchte ich aber den Service ansprechen. Die weibliche Servicekraft war einfach hervorragend. Man merkte ihr an, dass ihr die Arbeit an diesem Abend  Spaß bereitete. Die Beratung meiner Weinauswahl spricht dafür. Ich fragte an, welche Weine man offen hätte, ich würde auch ausgefallene Weine probiere. Sie kam mit einer Flasche Sauvignon blanc an, eigentlich nichts besonders. „Teste Sie Mal“ sagte sie. Ich wurde neugierig als ich mit dem Probeschluck fertig war. Ein ungewöhnlicher Sauvignon blanc. Um es kurz zu mache, es war ein Wein von den Golanhöhen in Israel.  Ein Wein der den Vergleich mit bekannten europäischen Sauvignon-Blanc-Weinen nicht scheuen muss.

Nun zum Essen: Meine Vorspeise, Ceviche vom Lachs, sah sowohl optisch gut aus und schmeckte ohne die Guacamole auch gut. Leider wurde aber alles überlagert durch viel zu viel Guacamole. Die Leichtigkeit von Lachs und Mango verschwanden unter dieser Masse.
Auch mein Rindertatarbrot zeigte schwächen. Das Fleisch leider nicht gehackt, sondern durch den Wolf gedreht. Es war eine schmierige und auch noch schlecht gewürzte Masse.
Dafür konnte die Crème brûlée mit Salzkaramell-Eis punkten.
Ein Abend der mich nachdenklich zurück ließ. Verlässt man sich zu sehr auf den Vorschuss der ersten Jahre, als noch Alexandro Pape das Sagen hatte?

Oma Wilma – Keitum – Sylt – 2021

Nein, es ist nicht „Oma Wilma“ die hier kocht, sondern ihr Enkel Nicolas Rathge. Er hat mit J. Müller Sylt, Margaux Berlin, der MS Europa, dem Söl’ring Hof und dem Gogärtchen auf Sylt interessante Stationen in seiner bisherigen Berufslaufbahn. In dem alten, mit Reet gedecktem Friesenhaus stehen unter dem Motto „Heimatküche“ klassische, aber modern interpretierte Gerichte auf der Speisekarte.
Auch hier ging die Absolvierung der obligatorischen Corona Formalitäten schnell über die Bühne. Wir waren zu viert mittags dort und haben kurz vor Küchenschluss im Garten Platz genommen.
Zum Mittagstisch (12:00-14:90 Uhr) gibt es eine kleine, aber feine Auswahl.
Die Königsberger Klopse hatten die richtige Konsistenz und waren optimal gewürzt. Die Sauce hat durch die Kapern den typischen, leicht säuerlich-aromatischen Geschmack. Eine erdige Note wurde durch die rote Bete beigesteuert. Dazu Kartoffeln in der Schale und Gartenkräuter.

Die klassische Curry-Wurst konnte mit selbst hergestellten Kartoffelchips gewinnen. Leider fehlten beim Panfisch ein wenig die Gewürze und der Steinbeisser war optimal gegart.
Freundlicher und kompetenter Service, der Weißwein hatte die richtige Trinktemperatur.

Sylt 17.09.2020 – Brot&Bier

Sylt zweiter Tag.

Der erste Weg führte uns in den Teeladen Jensen in der Strandstraße. Für den Aufenthalt auf Sylt benötigten wir Tee, um für die nächsten Tage den richtige Morgentrunk auf zu brühen.

Danach ein „Kaffee Noir und ein Croissant bzw. ein Rührei mit Krabben zum Frühstück.
Dann Erholung im Strandkorb und Spaziergänge am und im Wasser.
Zum frühen Abend dann mit Hanne und Herbert mit dem Auto in Richtung Keitum in das Restaurant „Brot&Bier.
Eine Reservierung war erforderlich, leider waren die Tische im Freien alle belegt. Wir haben uns aber auch im Inneren sehr wohlgefühlt. Die Abstände von Tisch zu Tisch waren optimal.
Die Einrichtung ist sehr stylisch mit einer Mischung aus rustikal und schick. Von unserem Tisch konnten wir den Köchen hinter der Glastheke in der Showküche bei dem Anrichten der Speisen zusehen. Es entstehen kleine, schmackhafte kleine Kunstwerke.
Vorab gab es „Watt zum Dippen“. Wohlschmeckendes Kristallbrot und Landbrot dazu verschiedene Cremes und Dips. Zum Trinken kein Wein, sondern frisches, kühles Bier von der Sylter Meersalzmanufaktur in List.
Aus der kleinen Speisekarte habe ich mich für Rindertatar auf Focaccia mit Feldsalat, Chili-Cheese Mais und Linsen entschieden. Eine gute Wahl. Das Fleisch gut gewürzt, das kunstvoll drapierte Gemüse brachte Frische und zusätzliche Würzung an das Gericht. Eine etwas andere Brotzeit. Auch die anderen Brotstullen entsprachen unseren Erwartungen.
Auf Friesenbrot gab es Matjes Tatar mit Sherry Matjes, Hausfrauensauce, rote Bete, Nuss Crunch und Rucola
Ziegenkäse geht immer. Focaccia mit gratiniertem Ziegenkäse, Rucola, Tomate Pinienkerne und French Dressing
 
Kristallbrot mit Frikadellen, Kartoffel-Specksalat, Sylter Koggen Senf und Gewürzgurke. Hier eine kleine Kritik. Die Frikadellen wurden zu kalt serviert.