Ratskeller Spangenberg

 

Frischer Wind ist in den altehrwürdigen Ratskeller von Spangenberg eingezogen. Michael Mueller-Propf und Thomas Mueller-Propf sind die neuen Pächter des Spangenberger Ratskellers am Marktplatz. Für den richtigen Geschmack ist der  Morschener Küchenmeister  Thomas Raabe verantwortlich. Raabe war  bis 2014 in der Poststation „Zum alten Forsthaus“ in Morschen verantwortlicher Küchenchef. Von hier hat er auch das Credo für seine neue Wirkungsstätte mitgebracht. Der Slow Food Gedanke, gut, sauber, fair ist hier angesiedelt. Michael Mueller-Propf als gelernter Koch, Restaurantfachmann und Weinliebhaber, in der nordhessischen Gastroszene bestens bekannt, leitet mit einer Mitarbeiterin gekonnt den Service.

In den im Oktober 2015 renovierten Gasträumen herrschen die Farben Anthrazit, Grau, Weiß und Creme vor.  Akzente werden durch die expressionistischen Bilder der Künstlerin Claudia Neubauer gesetzt. Der alte Saal mit neuester Technik ausgestattet, kann auch als Tagungsraum genutzt werden.

Bei meinem Besuch, wir waren eine größere Gruppe, stellten wir Service und Küche vor einige Herausforderungen. Es wurde kreuz und quer durch die Karte bestellt. Bereits vorab kann man sagen, die Herausforderung wurde bestens gelöst. Lediglich beim Besteckauflegen kam die weibliche Servicekraft hin und wieder ins Schleudern. Sie war allerdings nicht allein schuldig, auch die Gäste trugen eine gewisse Mitschuld. Hin und wieder wusste der eine oder andere nicht mehr genau was er eigentlich bestellt hatte.

 01 Schwarzwurzel

 Storzenieren mit Pilzen

Viele werden sich fragen was sind Storzenieren. Der „seltsame“ Name leitet sich her von der botanischen Bezeichnung für Schwarzwurzeln: Scorzonera hispanica. Daraus machte der Volksmund dann Storzenieren.

Ein gelungener Auftakt, die Schwarzwurzeln noch mit leichtem Biss, dazu gebratene Pilze, die ebenfalls aus der Region, von der Pilzzucht in Wabern, stammen. Ich persönlich hätte mir allerdings eine etwas kräftigere Würzung vorstellen können.

02 eubacher Poularde

Eubacher Poularde

Der Biohof Hirschle aus Eubach, einen Ortsteil von Morschen, belieferte Thomas Raabe bereits in den Poststuben zu Morschen. Die Poulardenbrust war von ausgezeichneter Qualität, allerdings war sie für meinen Geschmack doch etwas zu trocken geraten. Der Jahreszeit entsprechend gab es dazu Grünkohl und eine Rollade von der Gerste.

03 Kirchhof Käse

Käse vom Kirchhof

Ausgezeichnet und auf den Punkt gereift eine Variation von Rohmilchkäse vom „Kirchhof“ aus dem nahen Oberellenbach. Dazu Butter und Haus gebackenes Brot.

04 Dessert

Überraschung Dessert.

Eine ausgezeichnete Überraschung. Eine Mousse au Chocolat mit kräftigem Schokoladengeschmack, Ananassorbet und ein Strudel von Apfel und Walnuss waren Abschluss eines ausgezeichneten Menüs. Ob allerdings Ananas in Nordhessen wächst darf ich bezweifeln.

Fazit: Die Pächter Thomas und  Michael Mueller-Propf sowie Küchenchef Thomas Raabe sind auf einem guten Weg. Sie halten ihr Versprechen nach einer regionalen, saisonalen und frischen Marktküche überwiegend ein. Auch Bioprodukte aus der Region kommen auf den Teller. Wie Küchenchef Thomas Raabe bei einen Tischgespräch erläuterte, hat er hin und wieder Probleme frische Zutaten aus der Region für seine Küche zu bekommen, dann muss er leider auf seinen überregionalen Zulieferer den Rungis Express, von hier bekommt er auch seine Fische und Krustentiere angeliefert, ausweichen.

Der Ratskeller Spangenberg mit neuem modernem Gesicht, ist jedenfalls eine Bereicherung für die nordhessische Gastroszene.

Terra Madre Tag in Nordhessen

10.12.2014

Terra Madre Tag

Seit 2009 laden die Tafelrunden von Slow Food weltweit am Terra Madre Tag am 10. Dezember zum gemeinsamen Essen ein. Damit soll die Verbundenheit der an der Wahrung traditioneller Lebensmittel interessierter Menschen rund um den Globus zum Ausdruck gebracht werden.

Slow Food Nordhessen hatte dieses Jahr ein festliches Menü mit sechs Produkten aus der Arche des Geschmackes im Hotel Sonneck in Knüllwald-Rengshausen organisiert. Mit Unterstützung des Teams rund um Familie Traue hat Gastkoch Thomas Raabe (bis vor kurzem Küchenchef in der Poststation Altes Forstamt in Altmorschen) ein viergängiges Menü zubereiten. Zum Einsatz kamen Filder-Spitzkraut, die Frankenwälder schwarz-blaue Kartoffel, Fleisch vom Rhönschaf, Alblinsen, nordhessische Ahle Wurscht und Wein aus der Rebsorte Tauberschwarz. Das Dessert sollte eigentlich aus Äpfeln der Sorte Lippoldsberger Tiefenblüte hergestellt werden. Diese nordhessische Apfelsorte soll der nächste Kandidat aus Nordhessen für die Arche des Geschmackes werden. Leider konnte man nicht genügend Apfel dieser Sorte für diesen Abend auftreiben, so dass man das Dessert auf Basis der Sorte Renette servierte.

Als Aperitif gab es den Apfelschaumwein von Joachim Döhne aus Schauenburg-Breitenbach.

01 Birnenbrot

Birnenbrot mit Oberellenbacher Käsesalat

02 Filderkraut

Suppe und Salat von Fildersauerkraut, Krokette von der Frankenwälder Schwarz-Blauen-Kartoffel gefüllt mit Nordhessischer Ahler Worscht

03 Lamm

Geschmortes vom Rhönschaf mit Grünkohl, Blinis mit Alblinsen

04 Apfel

 

Apfel-Variationen- Crêpe-Parfait-Brioche

Poststation Morschen: Eine Menü mit Arche-Passagieren

Poststation Morschen 14.12.2013

Die Küche der Poststation Zum Alten Forstamt in Morschen bringt eine verfeinerte Regionalküche auf den Tisch. Das beschauliche Morschen liegt im nordhessischen Bergland zwischen Melsungen und Rotenburg/Fulda. Küchenchef Thomas Raabe ist Mitglied und  Anhänger der Slow Food Bewegung.

Aus Anlass des weltweit durchgeführten  „Terra-Madre-Tages“, wurde vom Convivium Nordhessen  am 14.12.2013 zu einem festlichen Abendessen eingeladen. Aus den Arche-Passagieren Ahle Wurscht, Bamberger Hörnla, Buntes Bentheimer Schwein, Grünkern vom Bauländer Spelz sowie  Teltower Rübchen kochte Thomas Rabe ein dreigängiges Menü. Mit der Apfelsorte „Tiefenblüte“   wurde ein möglicher neuer Arche Passagier im Dessert verarbeitet.

05 Bratbirne Der Abend beginnt mit dem Archepassagier Champagner Bratbirne. Dieser Birnenschaumwein aus der Obstsorte Champagner-Bratbirne von der Manufaktur Jörg Geiger präsentiert sich mit einer ungewöhnliche Feinheit und Harmonie. Der Duft von reifen Birnenaromen aber mit sanften Gerbstoffen betört den Gaumen.

Nach einer kurzen  Begrüßung durch den Convivium Leiter Schneider Rose ging es in den festlich geschmückten Speiseraum.

Drei verschiedene Sorten Brot, sowie eine Käsecreme mit Paprika und Kümmel wurden zum Anfang gereicht.

01 Als Küchengrüß gibt es: „Salat vom Bamberger Hörnla“. Zum Auftakt gab es einen Kartoffelsalat  aus dieser delikaten und  würzig schmeckenden Kartoffelsorte.

02 Vorspeise: Nordhessische Ahle Wurscht mit Kartoffelchip, Bratkartoffelmousse und Feldsalat.  Die Ahle Wurscht, die Spezialität in Nordhessen, in Scheiben dünn aufgeschnitten und als kleines Türmchen abwechselnd mit den krossen Kartoffelchips serviert. Als „Bindemittel“ zwischen den einzelnen Lagen ein Klacks Bratkartoffelmousse.  Der Feldsalat war mit einer leichten Senfvinaigrette angemacht. Eine gelungene Präsentation von dem Arche-Passagier  aus der Region.

03 Hauptgang: Dreierlei vom Bunten Bentheimer, Teltower Rübchen und Grünkernbratling. Das Teltower Rübchen ist eine brandenburgische Spezialität. Raabe brachte dieses aromatisch, pikante fast roh auf den Teller. Mit dieser Zubereitungsart kam die leichte Schärfe  am besten zur Geltung. Der leicht rauchige Grünkernbratling passte ausgezeichnet zum geschmorten Bauch, war aber zu kräftig zum Rückenstück. Statt der  Klößchen in Senfsauce, hätte eine  kräftige Frikadelle, mit leichten Röstaromen, besser in diesen Gang gepasst.

04 Dessert: Michel und Sorbet von der Apfelsorte „Tiefenblüte“. Die Lippoldsberger Tiefenblüte auch Hessische Tiefenblüte genannt, hat nur einen regionalen Bekanntheitsgrad und ist nicht identisch mit der Westfälischen Tiefblüte. Dieser feste, saftige und süßsäuerliche Apfel schmeckt, wenn er warm serviert wird, am besten.  Raabe servierte in als „Michel“ mit Vanillesauce. Beim Sorbet kam das leicht süßsäuerliche Aroma ebenfalls gut zur Geltung.

Da wir mit dem Auto unterwegs waren, gab es überwiegend Mineralwasser aus der Region. Zum Hauptgang wurde aber auch ein Glas Tauberschwarz probiert. Die aus dem Weinbaugebiet Tauberfranken stammende Rebsorte ist ebenfalls Arche Passagier. Ein leichter und fruchtiger Rotwein mit Zartbitter- und Wildkirscharomen. Ein Wein, der demnächst auch zu Hause auf dem Tisch stehen wird.

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