Endlich hatte ich mich mal wieder durchgerungen einen Kochkurs zu belegen. Da ich ja ein großer Sylt Fan bin und meine letzten Kochkurse bei Jörg Müller auf Sylt durchgeführt habe, diese liegen allerdings schon etwas länger zurück, habe ich mich für einen Kochkurs bei Jan-Philipp Berner im Söl’ring Hof, Rantum entschieden.
Auch die Anfahrt nach Sylt war für mich etwas Neues. Ich bin diesmal mit der Deutschen Bundesbahn gefahren, und ich war positiv überrascht. Bis Hamburg in einem ICE sind wir pünktlich, danach wurde umgestiegen in einem IC nach Westerland. Die Verspätung in Westerland betrug lediglich 15 Minuten, eine Zeit, die noch akzeptabel war. Die Fahrzeit betrug ca. 6 Stunden 30 Minuten und ich kam entspannt in Westerland an.
Danach wurde die kurze Strecke zum Hotel Jörg Müller im leichten Nieselregen zurückgelegt, der Koffer wurden ausgepackt und anschließend ging es kurz durch die Friedrichstraße an den Strand.
Man merkt, dass man im November war. Nieselregen und der Strand beziehungsweise Promenade war menschenleer. Viele Hotels, Restaurants und Geschäfte waren geschlossen. Aber nichts Außergewöhnliches für diese Zeiten.
Danach ging es in das Restaurant, ich hatte meine Menüfolge bereits im Kopf.
Es beginnt mit dem obligatorischen Hauscocktail mit Basilikum, Limette, Drambuie, Crémant und als Amuse Bouche die Gemüsestifte.
Als Vorspeise kommt der ausgelöster ½ Nordseehummer mit zwei Sauce auf den Tisch.
Als Hauptgericht ein Tournedos ‚Rossini‘ mit gebratener Gänseleber, Trüffelsauce und Kartoffelgratin.
Als Dessert gebackene Zwetschgen mit Eis und zum Abschluss ein Espresso mit Petits Fours
Die Weinauswahl hatte ich, wieso oft Sommelière und Schwiegersohn Ben Müller Birkholz (Big Ben) überlassen. Er lag beim Hauptgericht mit dem 2011er Merlot aus der Magnum Flasche vom Weingut Grafen Neipperg genau richtig. Ein Duft von reifen Beeren, zarte Holznoten sowie ein guter, warmer Abgang.
Natürlich dürfte auch mein Lieblingsbrand ein Gläschen „Zibärtle“ nicht fehlen.
Es war ein gelungener Auftakt für meine 6 Tage auf Sylt.
Wir übernachten im Hotel Nassauer Hof, so dass wir die lockere und entspannte Atmosphäre der Ente in vollen Zügen genießen können. Beim Betreten des Gastraumes fällt einen sofort die recht junge Servicebrigade auf. Mit einer Ausnahme und es ist ein bekanntes Gesicht. Jimmy Ledemazel ist seit August 2023 Restaurantleiter. Zuvor war er Leiter des Sky-Restaurant Überland in Braunschweig und von Mitte 2008 bis zum Frühjahr 2019 war für die Serviceleitung des Aqua in Wolfsburg verantwortlich.
Kaum haben wir Platz genommen, kommt natürlich sofort die Frage nach einem Aperitif. Letztendlich entscheiden wie uns doch wieder für einen Champagner.
Auf die vorgeschlagenen Menüs verzichte wir diesmal und wählen a la Carte. Dabei kommen auch Vorschläge von Jimmy Ledemazel , nach Rücksprache mi der Küche, die nicht auf der Karte stehen. So z. B. die Entenleber und die rosa gebratene Challans-Entenbrust. Auch die vorgeschlagenen Weine, im Übrigen alle aus dem Rheingau, konnten gefallen.
Fazit: Ein wunderbarer Abend und wir konnten, wie auch bei unseren vorherigen Besuchen in der Ente, ein positives Fazit ziehen. Der Service ist stets zur Stelle und agiert in perfekter Manier, ohne steif und aufgesetzt zu wirken. Die Souveränität von Maître Jimmy Ledemazel ist von einer herzlichen Offenheit. Chefkoch Michael Kammermeier und seine Küchenbrigade entführte uns in ein kulinarisches Erlebnis von feiner geradliniger Küche mit französischem Einschlag.
Amuse Bouche
Ceviche von der Garnele
Entenleber
Steinbutt
Challans-Entenbrust
Der Käsegang. Serviert vom Käsewagen. Mittlerweile leider sehr selten.
Oliven-Vanilleeis
Zum Abschluss ein Espresso, etwas Süßes und ein Marillenbrand
Kulinarischer Höhepunkt war auch bei unserem diesjährigen Sylt Aufenthalt wieder zweifelsfrei der „Söl’ring Hof“ in Rantum. Nach dem freundlicher Empfang von Restaurantleiterin Frau Bärbel Ring wurden wir von ihr ins Restaurant begleitet. Anschließend fuhr ein junge Dame (Auszubildende?) den Aperitifwagen vor und erläuterte die guten Sachen auf dem Wagen. Trotz ihrer anzumerkenden Nervosität brachte sie ihren Part sehr gut über die Runden. Nach einigen Diskussionen am Tisch, entschieden wir uns für ein 6 Gang Menü. Davor gab es noch 5 kleine „Häppchen“ und im Anschluss des Menüs noch 5 kleine Süßigkeiten. Auch Sky, der zum ersten Male in einem Sternerestaurant war, entschied sich auch für dieses Menü. Bis auf den „Dreizack“ hat er alles ohne Probleme gegessen.
Die Philosophie des Söl’ring Hof zeigte sich bereits bei den „Häppchen“. Man bleibt auf der Insel und serviert Zutaten von den Salzwiesen und dem Meer. Saisonale und regionale Produkte dominieren die Karte. Die Gänge sind oft sehr komplex und mit überraschenden Zutaten.
Obwohl alle Gänge hervorragend waren, muss man den Helgoländer Hummer mit Ochsenherztomate sowie das Huhn mit Erbse und Liebstöckel besonders hervorheben.
Fazit: Ein wunderbarer Abend, mit Enkel Sky, der nicht billig war. Das war uns aber bekannt und es war jeden Cent wert.
Das Haus auf der Düne
Die offene Küche
Was erwartet mich heute Abend? Sky Luis, unser Enkel, zum ersten Male in einem Sternerestaurant und dann gleich 2 Sterne
Nein, Nils Henkel kocht nicht auf Sylt. Er kocht weiterhin im „Bootshaus“ in Bingen. Im Severin Hof in Keitum ist er im „Tipken’s by Nils Henkel“ verantwortlich für das Gesamtkonzept sowie die Kreation der Menüs. René Verse, ein langjähriger Mitarbeiter von Henkel, ist als Küchenchef verantwortlich für die Umsetzung von Henkels Idee von „Fauna“ und „Flora“
Auf der Terrasse unter den großen „Sonnenschirmen“, haben wir ein sehr gutes Menü genießen können. Der Nachhaltigkeitsgedanken mit Fokus auf saisonale und regionale Produkte wurde in allen Gerichten umgesetzt.
Der Eigengeschmack der erstklassigen Produkte steht immer an erster Stelle. Wilde Kräuter aus der Region stehen als Bestandteile seiner Flora-Gerichte im Mittelpunkt. Fisch und Fleisch sind eher Begleitung statt Hauptzutat.
Fazit: Herzlicher Empfang und fachlich perfekter Service. Das Menü by Nils Henkel war sehr gut. Entenbrust und Reh perfekt in Qualität, Anrichten und Geschmack. Lediglich der Gang mit der Melone war der Schwachpunkt des Abends. Durch die Verarbeitung der Melone in verschiedenen Schritten wurde das Produkt „Lederartig“. Man hatte Probleme die Melone zu schneiden. Sehr Interessant war das „Dessert“. Die Karotte als süße Komponente und das Giersch Sorbet mit einer leichten Bitterkeit. Hier hätte man allerdings den Giersch Geschmack noch besser hervorheben können.
Amuse Bouche 1 – Gemüse Gazpacho und Krustentierfond
Kalte Kartoffelsuppe: Den weißen Teil einer Lauchstange in feine Ringe schneiden, mehligkochende Kartoffeln schälen und fein würfeln. Butter und Olivenöl erhitzen und den Lauch sowie die Kartoffeln andünsten. Gemüsebrühe angießen, aufkochen und kochen lassen, bis Kartoffeln und Lauch weich sind. Sahne dazugeben und mit Muskat, Salz sowie Pfeffer nach Geschmack würzen. Mit einem Mixer die Suppe fein pürieren und durch ein Sieb streichen und noch einmal kurz aufkochen lassen. Die Suppe abkühlen lassen und im Kühlschrank gut durchkühlen lassen.
Vor dem Servieren die Suppe nochmals abschmecken und mit einem Stabmixer auf Mixen. Serviert wird in einer Suppentasse.
Tatar vom Saibling , gewürzt mit Pesto vom Radieschen Grün, gewagt aber es schmeckt
Kammmuscheln, Garnelen, grüner und weißer Spargel auf Spinatcreme. Gierschblüte.
Carpaccio von der Lachsforelle mit Zitronen Olivenöl, Himbeere und Blüten aus dem Garten
Gekräuterter Rotbarsch auf Gurken. Gurken werden in Scheiben geschnitten, in Olivenöl kurz anschwitzen, mit Noilly Prat, Pastis und Weißwein abgelöscht. ca. 5 Min. ziehen lassen. Die Gurken sollen noch einen leichten Biss haben. Mit Salzbutter leicht binden.
Trou Normand
Lammrücken mit Kräuterkruste, Rösti, Orangenkarotten, Tomate, Pimientos und Rosmarinsauce
Vire Normandie hat eine neues Gourmetrestaurant. Aus Chez Maman wurde im Oktober 2021 das L’Atelier du goût. Mitten in der Pandemie hatten zwei junge Kochkollegen den Mut ein neues Abenteuer zu beginnen.
Clément Gosselet und Jordan Lebascle, hatten diesen Mut. Neben der Ausbildung zum Koch hatten beide zum Schluss interessante Arbeitgeber. Der eine, Clément Gosselet, im Manoir de la Pommeraie in Vire der zweite, Jordan Lebascle, bei Ivan Vautier in Caen. La Pommeraie mit BIB-Auszeichnung, Ivan Vautier mit 1 Stern.
Bereits im vergangenem Jahr(Juni 22) wollte ich das Haus besuchen, aber ohne Reservierung nicht möglich.
Das Restaurant hat im Speisesaal dreißig Sitzplätze, diese lassen sich erweitern durch Plätze mit einer im Sommer geöffneten Außenterrasse. In der Woche gibt es u.a. ein Mittagsmenü für 24 €. Am Abend, auch mit edlen Produkten, gibt es drei Menüs zur Auswahl von 36 € bis 62 €. Man arbeitet mit saisonalen, hochwertigen Produkten. Dabei ist die Auswahl guter lokaler Produzenten sehr wichtig
Sehr professionelle Begrüßung durch die beiden Kellnerinnen, charmant und diskret zugleich. Das Lokal war ausgebucht und dass am Freitagmittag.
Wir wählten das 4 Gang Menü für 45 € aus, dazu die Weinbegleitung, 3 Gläser 0.1l für 25 €. Zusätzlich wurde noch ein Käsegang bestellt, wir sind ja schließlich in der Normandie.
Fazit: Ein Restaurant welches nach höherem strebt. Bereits jetzt Sterneverdächtigt.
Zum Champagner bzw. Kir Normand wurden kleine Häppchen gereicht. Einmal mit Champignon, einmal mit Andouille de Vire. Als eigentliches Amuse-Bouche Variationen vom Champignon de Paris. Als Mousse, rohe gehobelte Scheiben und gerieben. Die Verbindung war eine phantastische Pilzbrühe, Umami lässt grüßen.
Das Menü begann mit grünem Spargel, Morcheln aus der Normandie und Wachtelei.
Höhepunkt des Menüs eine Variation von der Languste: Langustinen-Tartar mit einer Sauce von der Langustinen und roh als Carpaccio mit einer fein leicht säuerlich abgestimmten Vinaigrette und frischem Obst
Die Kalbsschulter 18 Stunden Sous Vide gegart, Portweinsaft, mit Orangenkarotten.
Käsegang mit den drei großen der Normandie, wie immer mit Salat.
Eine Blätterteigschnitte kunstvoll gedreht, dazu Eis mit Vanillegeschmack.
Wir haben in den vielen Jahre seitdem wir die Normandie bereisen das Restaurant oft besucht.
Nach dem Besuch 2014 konnte ich folgendes Fazit ziehen: Dieses stilvolle und gemütliche Restaurant in einem alten Fachwerkhaus bietet eine Mischung aus klassischer und moderner Küche. Ein gutes Preis- Leistungsverhältnis und tadelloser Service.
Letztmalig wurde 2019, also vor der Pandemie, das Haus besucht. Auch damals waren wir sehr zufrieden.
Beim Besuch am 17.05.2023 fanden wir völlig veränderte Situation vor. Die Einrichtung wie in den letzten Jahren, aber die Küche um mind. 2 Klassen schlechter.
Überzeugen konnten eigentlich nur die überbackenen Austern und das Soufflé. Champagner zu warm, der Fisch zu kalt, die Pommes zu den Lammkottelets fast verbrannt, die Kottelets sehr mickrig. Der Tiefpunkt des Menüs war allerdings der Käsegang, und dass in der Normandie. Auch die Rechnung war mit 400 € für 4 Personen sehr happig. Leider ist mein französisch nicht so, dass ich mich detailliert beschweren konnte.
Fazit: Wir haben in den anderen Tagen viel besser und auch preisgünstiger gespeist. Es war der letzte Besuch in diesem Restaurant.