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Rede zum Volkstrauertag 15.11.2009

Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker. …

Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

der Monat November hat viele Gedenktage für unsere Verstorbenen: Allerseelen, Allerheiligen, der Totensonntag und dazwischen der Volkstrauertag. Wir trauern an diesem Tag nicht nur um Verstorbene allgemein, sondern um jene Verstorbenen, an deren Tod wir Menschen – nicht individuell, aber grundsätzlich – schuldig sind.

Mit dem heutigen Beisammensein wird eine lange gepflegte Tradition fortgesetzt. Wir versammeln uns alljährlich hier am Ehrenmal um an die in den beiden Weltkriegen gefallenen Soldaten und Zivilbürgern zu gedenken. Welche Bedeutung hat diese alljährliche Zusammenkunft für die Gegenwart und Zukunft.

Von dem italienische Dichter und Gelehrte Francesco Petrarca. stammen folgende Sätze:

„Fünf große Feinde des Friedens wohnen in uns: nämlich Habgier, Ehrgeiz, Neid, Wut und Stolz. Wenn diese Feinde vertrieben werden könnten, würden wir zweifellos ewigen Frieden genießen.“

Diese Sätze stammen nicht etwa aus der heutigen Zeit sondern bereits aus dem 14. Jahrhundert. Ist Petrarcas scharfsinnige Analyse richtig, dann wird wohl auch Astrid Lindgrens Behauptung zutreffen:

„Über den Frieden sprechen heißt über etwas sprechen, das es nicht gibt.“ Hoffen wir, dass Astrid Lindgren irgendeinmal widerlegt wird und Frieden in Freiheit in aller Welt möglich ist.

…Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde.

Wir leben seit über 60 Jahren in einer relativ stabilen Demokratie und in Frieden und Freiheit. Wir leben in einem Europa, das friedliche Nachbar-schaft und immer mehr Gemeinsamkeit anstrebt. Dies war gerade im ver-gangenem Jahrhundert nicht immer so. Wir sind von vielen Krisenherden umgeben, wir hören täglich von neuen Gewaltaus-brüchen irgendwo auf der Welt. Weil die Welt immer mehr zusammenwächst, bekommen wir es auch immer mehr mit. Weil die Welt immer mehr zusammenwächst, betrifft es uns aber auch immer mehr.

Ob Afghanistan, der Sudan, der Irak, oder für die vielen anderen Staaten, die man in diesen Regionen nennen könnte, sind Frieden und Freiheit nur eine Hoffnung, dort sind blutige Auseinandersetzungen und Unterdrückung Alltag. Wir können nicht so tun, als ginge uns das nichts an. Umso dringlicher ist es, neue Formen zur Bewältigung der Konflikte zu finden. Denn ich denke, eine Lehre kann aus allen Konflikten und Krisen der Vergangenheit und Gegenwart gezogen werden: Gewalt erzeugt neue und vor allem Gegengewalt.

Die Botschaft des heutigen Tages kann deshalb nur lauten: den Teufelskreis der Gewalt zu durchbrechen, denn der Friede hat ebenso viele Siege aufzuweisen wie der Krieg, aber weit weniger Denkmäler!

…Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft leisteten, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder ihrem Religion festhielten.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger Nicht wenige von denen, die heute nicht hier sind, sind vielleicht der Meinung, eine Ehrung dieser Art passe nicht mehr in unsere Zeit. Sie sei rückwärts gewandt und könne unter-bleiben, weil die Erinnerung an die Toten verblasse und unser Leben nicht mehr betreffe. Wer so denkt irrt sich Leider denkt vor allem ein großer Teil unserer jüngeren Generation so. Einer Generation, die in Frieden und Freiheit und Wohlstand aufgewachsen ist und die schrecklichen Erlebnisse eines Krieges und deren Folgen nur noch aus Medienberichten kennt. Für viele unserer Mitmenschen sind die Weltkriege und das NS-Regime ferne Zeiten

Wer begreift, was Krieg und Gewalt bedeuten, wird die Welt danach mit anderen Augen sehen. Er wird erkennen, dass sein Leben in unserem Land, das in Frieden mit seinen Nachbarn lebt und das die Menschenrechte wahrt, dass dieses Leben ein Geschenk ist. Ein Geschenk, das freilich auch eine Verpflichtung enthält.

 …Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, um die Opfer sinnloser Gewalt, die bei uns Schutz suchen. um die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräften die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.

Ein Leben in Frieden und in Freiheit ist nicht selbstverständlich und muss immer wieder von neuen erarbeitet werden, gestern, heute und morgen.

Lassen sie mich aus der Rede von Dr. Bernhard Rousseau, Arzt in unserer Partnerstadt Vire in der Normandie und Organisator des Friedensfestes am 8. Mal 1995 zitieren:

„Der Krieg ist eine Krankheit.“

und Dr. Rousseau weiter

und erlauben Sie bitte dem Arzt, der ich bin, Ihnen sagen zu müssen, versuchen Sie alles diese Krankheit nicht zu bekommen, denn Sie ist fast immer tödlich und sollten Sie Lebend aus dieser Krankheit kommen, hinterlässt sie immer fürchterliche Narben. Wir können nur wünschen, dass die Menschen, die unter diesen Folgen leben müssen, akzeptieren und den Vorschlag annehmen, „auf den Frieden zu bauen“. Ende des Zitates.

Soldatenfriedhöfe, Ehrenmale wie dieses und Kriegsgräber sind Orte der Erinnerung und des Gedenkens. Aber eben nicht ausschließlich. „Sie sind auch Ausgangspunkt für Verständigung, Versöhnung und Freundschaft für die Menschen ehemals verfeindeter Länder. Die Gräber mahnen zum Frieden“,

…Wir trauern mit den Müttern und mit allen, die Leid tragen, um die Toten.

…Doch unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der Welt.

Zum Schluss erlauben Sie mir für mich diesen Satz von dem französischen Schriftsteller Jean Giorno zu zitieren:

„Was mich an dem Krieg so ekelt, ist sein Schwachsinn.“

Ich liebe das Leben.

Diese Rede habe ich in meiner Eigenschaft als Stadtrat (Ehrenamtlich) bei einer Gedenkfeier im Stadtteil Altenritter gehalten

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2 Antworten zu “Rede zum Volkstrauertag 15.11.2009

  1. Meike Drude 10. November 2011 um 22:42

    Vielen Dank, ich werde diese Rede weitgehend übernehmen und vermute, deshalb steht sie im Netz. Sie ist wirklich gut! Sehr gut sogar! (Ich halte diese Rede als Pastorin. Die Ortsvorsteher hier auf dem Lande sind alle zu feige!)

    • Doris Holzschuh 12. November 2011 um 21:21

      Doris Holzschuh am 12.Nov. 2011

      Auch ich finde diese Rede gut und werde ebenfalls Teile daraus übernehmen, allerdings als Ortsvorsteherin. Ich bin wohlgemerkt nicht zu feige dazu obwohl auch ich vom Lande bin.

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