2026-04-03 Restaurante la Aquarela

Apartamentos Aquamarina,

35129 Barranco de la Verga, Las Palmas, Spanien

Auf Gran Canaria leuchten derzeit fünf Michelin-Sterne über ebenso vielen Restaurants. Drei davon befinden sich in der Inselhauptstadt, eines in Mogán und eines in Barranco de la Verga. In den touristischen Zentren wie Playa del Inglés und Maspalomas/Meloneras sucht man Sternerestaurants jedoch vergeblich.

Das Restaurant La Aquarela liegt in Barranco de la Verga, eingebettet in den Apartmentkomplex Aquamarina – ein ungewöhnlicher Standort. Es zu finden, war eine Herausforderung: Unsere Taxifahrerin setzte uns am Ende des Komplexes ab, wo ein Schild auf das Restaurant hinweist. Doch der Wegweiser führt in die Irre. Der Zugang erfolgt über den Eingang der Apartments, der keinen Hinweis auf das Lokal bietet. Von dort führt eine Treppe hinunter zum Restaurant. Trotz dieser versteckten Lage zählt La Aquarela heute zu den Spitzenadressen der Inselgastronomie. Nach einem freundlichen Empfang wurden wir auf die Terrasse geleitet. Von hier schweift der Blick über den Atlantik und einen markanten Hotelkomplex, der an einem steilen Hang thront. Vom Tisch aus sahen wir zudem das Schwimmbecken der Anlage. Das Restaurant selbst beeindruckt mit moderner, klarer Innengestaltung.

Die Speisekarte, präsentiert auf einem Tablett, bietet drei Menüs: „Erfahrung“ mit acht Gängen, zwei Desserts und Amuse-Bouche, ein reduziertes Menü mit „weniger Erfahrung“ und das vegetarische Menü „Ernte“. Wir entschieden uns für die volle „Erfahrung“. Auf die Weinbegleitung verzichteten wir und wählten stattdessen eine Flasche kanarischen Wein. Für die Fleischgänge bestellten wir zusätzlich offene Weine von den Kanaren. Der Abend begann mit einem gut gekühlten Glas Cava 2023 Corpinnat Brut Reserva von Llopart.

Dazu wurden drei Amuse-Bouche gereicht: Makrele und geräucherte Sardine, überraschend neu interpretiert. Ein gelungener Auftakt.

Der erste Gang zeigte die Handschrift von Küchenchef Germán Ortega, der in Schweden, England und Spanien (El Bulli) sein Handwerk verfeinerte. Blumenkohl, außen glatt und fest wie eine Schale, verbarg im Inneren eine luftige Mousse. Obenauf thronte eine Nocke Kaviar.

Es folgte klassisches Thunfischtatar, abgeschmeckt mit Sardine und Ingwer.

Der nächste Gang irritierte zunächst: Ein weißer, unbekannter Ballen und eine Sauce im separaten Schälchen. Auf der Karte stand „Breaking Rules“ – Regeln brechen. Der Service forderte uns auf, mit den Händen zu essen. Ich hob den Zuckerwatten artigen Ballen, tunkte ihn in die Mojo-Sauce und biss ab: erst süß, dann knackiger Pak-Choi, schließlich Lachs. Ein mutiger Gang, bei dem die Süße weder Gemüse noch Fisch überdeckte.

Weiter ging es mit gebratenen Tintenfisch sowie Garnelen aus Mogán, serviert in einem schaumigen Sud, der die Frische und feine Meeresnote der Garnelen bewahrte.

Danach begeisterte ein Basilikum-Risotto: bissfester Reis, intensive Kräuteraromen und dezente Würze durch kanarischen Käse. Leicht und locker angerichtet, weckte es den Wunsch nach mehr.

Bis dahin genossen wir unseren Favoritenwein von Lanzarote, El Griffo. Sein Bouquet aus tropischen Früchten und die frische, harmonische Note passten perfekt zu Fisch und Meeresfrüchten. Für die Fleischgänge wechselten wir zu einem Rotwein, dem 2023 Almirez Toro. Mit Aromen von reifen roten Früchten, edlen Gewürzen und Bitterschokolade harmonierte er ausgezeichnet mit den folgenden Gerichten.

Zart gebratenes kanarisches Schweinefleisch mit krosser Kruste, begleitet von aromatischer Pflaumensauce und würzigem kanarischen Käse, überzeugte durch die gelungene Balance aus herzhaft, fruchtig und würzig. Danach folgte glasierte Milchlammschulter, zart und saftig, serviert mit cremigem Püree und einer intensiven Lammsauce, verfeinert mit Senfkörnern. Ein Gericht, das durch Tiefe und feine Schärfe bestach.

Den Abschluss bildeten die Desserts: Apfel mit Sauerampfer und Gewürzen sowie Schokolade mit Mandel und Banane. Espresso und Petits Fours rundeten den Abend ab. Auf einen Digestif verzichtete ich diesmal.

Die Küche von La Aquarela verbindet mediterrane und kanarische Einflüsse mit Kreativität und hochwertigen Zutaten. Tradition und Moderne verschmelzen zu einem besonderen Geschmackserlebnis. Die internationalen Erfahrungen von Germán Ortega und die Aromen der Kanaren machen den Abend zu einem kulinarischen Höhepunkt in entspannter Atmosphäre.

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